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Donnerstag, 16. Juli 2015

Tomie: Unlimited






Tomie: Unlimited
(Tomie: Anrimiteddo)
mit Moe Arai, Miu Nakamura, Aika Ohta, Maiko Kawakami, Masaki Nishimura, Kôichi Ohori
Regie: Noboru Iguchi
Drehbuch: Noboru Iguchi / Junji Ito / Jun Tsugita
Kamera: Yasutaka Nagano
Musik: Takashi Nakagawa
keine Jugendfreigabe
Japan / 2011

Die Schülerin Tsukiko sieht zufällig auf dem Heimweg, wie ihre Schwester Tomie ihren heimlichen Schwarm küsst. Ein Eifersuchtsstreit eskaliert, als plötzlich Tomie von einem herabfallenden Kreuz durchbohrt wird. Von nun an wird Tsukiko von Schuldgefühlen und Albträumen geplagt. Ein Jahr später steht Tomie an ihrem 18. Geburtstag einfach wieder vor der Tür und wird sofort wieder in die Familie aufgenommen; vor allem die naiven Eltern freuen sich darüber. Doch Tomie terrorisiert ihre Schwester und ihre Familie und wird daraufhin prompt von ihrem Vater wieder umgebracht. Die Untote bleibt natürlich auch diesmal nicht lange fort …


Wenn sich der japanische Regisseur Noboru Iguchi (Machine Girl) einem Horrorfilm widmet, dann kann man sich als Fan recht gut vorstellen was da auf einen zukommt. Ganz generell neigen die Japaner ja gern zu einer grotesken Note, die dann selbstverständlich auch in vorliegendem Werk keinesfalls fehlen darf. Dabei lässt Iguchi aber durchaus den Anschein aufkommen das es sich um einen eher ernsten Vertreter des Genres handelt, doch schon nach wenigen Minuten wird dem Zuschauer klar, das die ganze Chose doch relativ stark ausgeprägte skurrile Züge annimmt. Das gibt sich zunächst hauptsächlich im Schauspiel der Darsteller zu erkennen, wobei man insbesondere auf den Familienvater achten sollte der in erster Linie durch extremes Overacting auf sich aufmerksam macht. Dabei ist dieser Begriff noch ziemlich harmlos und untertrieben, denn die dabei an den Tag gelegte Theatralik geht schon ins Lächerliche und weiß ehrlich gesagt nicht wirklich zu begeistern. Das kann man jedoch ganz generell auf das gesamte Werk ummünzen, denn bis auf einige sehenswerte Momente bekommt man doch nicht mehr als maximal Durchschnittskost geboten.

Für mich persönlich liegt das darin begründet, das "Tomie: Unlimited" zu unausgegoren erscheint, zudem empfindet man den ständigen Umschwung ernsthafter Züge hin zum puren Trash in vorliegendem Fall als störend. Es hinterlässt fast den Anschein das sich der Regisseur nie richtig für eine Richtung entscheiden konnte und so leider nur einen halbgaren Film präsentieren kann, der keinerlei nachhaltigen Eindruck hinterlässt. Nun werden auch viele Leute einen recht harten und blutigen Film erwarten, doch auch diese Erwartungshaltung kann sich nur teilweise erfüllen. Zunächst einmal wird mit Kunstblut und Härte eher gegeizt, bevor das Geschehen dann erst in der zweiten Filmhälfte etwas an Fahrt gewinnt und auch den Freunden der harten Gangart einige nette Schauwerte bietet. Die dabei verwendeten CGI-Effekte kann man aber nicht unbedingt als gelungen bezeichnen, sie wirken vielmehr billig und streckenweise fast schon primitiv. Das unterstreicht jedoch nur den gewonnenen Gesamteindruck dieses grotesken Szenarios, in dem man sehr viel an vorhandenem Potential verschenkt hat und die sicherlich vorhandenen und streckenweise richtig guten Ansätze nicht ausgearbeitet hat.

Außerdem fehlt es dem Szenario auch sichtlich an einem konstanten Spannungsaufbau und auch die atmosphärischen Voraussetzungen für einen durchgehend packenden Horrorfilm sind keinesfalls gegeben. Stattdessen verkommt das Ganze mehr und mehr zu einem nicht unbedingt gelungenen Mix aus Horror und Trash, der in diesem Fall allerdings nicht wirklich auf größere Begeisterung stößt. Ehrlich gesagt ergeben sich mit der Zeit sogar diverse Längen und an mehreren Stellen vermeint man die pure Langeweile zu verspüren. Vielleicht ist dies nur meine vollkommen subjektive Sichtweise der Dinge, doch wenn man diesen Streifen einmal mit den bekannteren Größen des japanischen Trash-Horrors vergleicht, dann zieht "Tomie: Unlimited" ganz eindeutig den Kürzeren. Natürlich liegt das im Auge des jeweiligen Betrachters, doch Noboru Iguchi hat einen schon mit weitaus besseren Filmen erfreut.

Letztendlich bin ich doch ziemlich enttäuscht, denn ein wenig mehr hätte ich mir schon erwartet. Außer ein paar netten und unterhaltsamen Momenten offeriert die Geschichte aber wenig Positives und versinkt so im unendlichen Grau des absoluten Mittelmaßes. Dennoch wird auch dieses groteske Szenario sicherlich seine Fan Gemeinde finden und das ist auch gut so, denn schließlich können wir nicht alle den gleichen Geschmack haben.


Fazit:


Der ansonsten so wunderbar unterhaltende Splatter-Trash aus Japan kann hier leider in keiner Phase wirklich überzeugen, stattdessen bekommt man etlich alberne Passagen geboten an denen man sich nicht so recht erfreuen kann. Vielleicht hätte Iguchi doch auf der ernsten Schiene bleiben sollen, denn gerade diese Momente des Filmes haben mir noch am besten gefallen.


4/10

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