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Donnerstag, 6. August 2015

Blue Ruin






Blue Ruin
(Blue Ruin)
mit Macon Blair, Devin Ratray, Amy Hargreaves, Kevin Kolack, Eve Plumb, David W. Thompson, Brent Werzner, Stacy Rock, Sidné Anderson, Bonnie Johnson, Daniel L. Kelly, Ydaiber Orozco, Erica Genereux Smith
Regie: Jeremy Saulnier
Drehbuch: Jeremy Saulnier
Kamera: Jeremy Saulnier
Musik: Brooke Blair / Will Blair
FSK 16
Frankreich / USA / 2013

Dwight ist ein geheimnisvoller Einzelgänger, der am Rande der Gesellschaft in einem Autowrack am Strand lebt. Regelmäßig gönnt er sich mal ein warmes Bad in Häusern, deren Bewohner gerade nicht zu Hause sind. Von einer Polizistin, die Dwight gut zu kennen scheint, erhält er eine Nachricht, die sein Leben in neue Bahnen katapultiert: Wade Cleland, der seiner Familie Grauenvolles angetan haben muss, wird aus dem Gefängnis entlassen. Dwight kehrt daraufhin zur Familie und zum Ort seiner Kindheit zurück und will sich an dem ehemaligen Gefängnisinsassen rächen. Da Dwight jedoch absolut kein Profi darin ist, jemanden umzubringen, muss es sich entsprechend ausrüsten und ein Training absolvieren, denn er könnte in Wahrheit nicht mal jemanden aus zwei Meter Entfernung erschießen...


Der moderne Rache Thriller präsentiert dem Zuschauer zumeist markante und coole Rächer und zeichnet sich in der Regel durch jede Menge Action und eine temporeiche Erzählung aus. Ganz anders verhält es sich bei vorliegendem Werk von Jeremy Saulnier, der mit seinem Film "Murder Party" aus dem Jahr 2007 bisher erst einmal auf der Bühne der Regisseure aufgetreten ist. Der dadurch kaum vorhandene Bekanntheitsgrad des guten Mannes ist allerdings kein Maßstab für die vorhandene Qualität der vorliegenden Geschichte, in der Saulnier einmal eher außergewöhnliche Wege beschreitet, um einem die Rache Thematik zu offerieren. Dabei ist es durchaus vorstellbar das "Blue Ruin" sicherlich nicht alle Geschmäcker treffen wird, denn wer einen Film voller Action erwartet wird hier wohl eher nicht bedient, dafür dürften jedoch die Freunde kluger und gut durchdachter Szenarien umso mehr auf ihre Kosten kommen. 

Zudem ist es eine äußerst gelungene Abwechslung das man einmal nicht den typisch charismatischen Rächer a la Charles Bronson und Co. zu Gesicht bekommt, denn mit Macon Blair in der Hauptrolle als verwahrloster Tramp zeigt sich alles andere als der stereotype Killer, der den Tod irgendwelcher Verwandter rächen will. Ganz generell ist es an dieser Stelle ein nicht zu unterschätzender Aspekt, das im Prinzip das gesamte Szenario mit eher unbekannten und dadurch auch unverbrauchten Gesichtern besetzt ist, wobei sämtliche Charaktere bis in die kleinen Nebenrollen wirklich gut besetzt sind. Das verleiht dem Ganzen eine Menge an Frische, außerdem ist auch die Erzählweise der Abläufe einmal etwas vollkommen anderes als die ansonsten handelsübliche Genrekost. Vor allem zu Beginn startet die Story extrem bedächtig, was manch einer nun sicherlich vielmehr als zähflüssig bezeichnen wird. Zugegebenermaßen bedarf es auch einer geraumen Zeit bis die Ereignisse so richtig in Fahrt kommen, aber der äußerst bedächtige und dialogarme Anfang ist meiner Meinung nach nahezu perfekt gewählt, entfaltet sich doch trotz einer gewissen Ereignislosigkeit eine gewisse Intensität, die sich im Laufe der Zeit immer mehr verdichten soll und den Betrachter ganz unweigerlich in Beschlag nimmt.

Nun beinhaltet das Geschehen eigentlich keine größeren Tempowechsel, doch gerade durch diesen Umstand treffen einen die immer wieder eingestreuten und manchmal recht blutigen Momente umso wuchtiger. Auch der ganze Aufbau des Szenarios gestaltet sich erfrischend anders, denn wenn im Normalfall immer das gleiche Schema thematisiert wird, ist der eigentliche Racheakt in vorliegendem Fall schon nach kurzer Zeit vollzogen wurden. Von diesem Zeitpunkt an entfaltet sich dann die streckenweise vorhandene Genialität dieses feinen Thrillers, denn durch geschickt eingefügte Wendungen sorgt der Regisseur ständig für neue Impulse, die den Schauwert des Filmes in ungeahnte Höhen steigen lassen. Durch starke darstellerische Leistungen, logisch nachvollziehbare Handlungen und einer fast als grandios zu bezeichnenden Atmosphäre schafft es "Blue Ruin" nämlich fast spielerisch, den Zuschauer bis zum bitteren Ende bei der Stange zu halten. Erst in der Rückbetrachtung des gewonnenen Gesamtbildes eröffnet sich einem dann, welch außergewöhnlich guten Film man da eben gesehen hat, der sicherlich auch nachhaltig im Gedächtnis haften bleiben wird.

Letztendlich wird dieses Werk ganz bestimmt die Lager spalten, denn die Liebhaber temporeicher und actiongeladener Genre Vertreter werden nicht allzu viel mit diesem kleinen Juwel anfangen können. Wer jedoch gut und gern auch einmal auf reißerische Aktionen verzichten kann und einen gut vorgetragenen Beitrag zu schätzen weiß, der wird mit einem Filmerlebnis belohnt das man bestimmt nicht so schnell vergessen wird. "Blue Ruin" ist intelligent, klug umgesetzt und stimmt durchaus auch nachdenklich. Ein Hauch von Tragik und ein bitteres Finale runden ein nahezu perfektes Gesamtwerk ab, das man wohl ohne zu übertreiben als kleine Genre Perle bezeichnen darf.


Fazit:


Mit dem vorliegendem Film dürfte Jeremy Saulnier wohl dafür gesorgt haben, das sich sein Name von nun an bei vielen Leuten eingeprägt hat. Die außergewöhnliche und nicht alltägliche Umsetzung der Rache Thematik wird definitiv ihre Zielgruppe finden und man kann nur hoffen, das auch andere Regisseure dem Beispiel folgen, neue Impulse in ihre Werke einzubauen, damit man als Zuschauer nicht ständig den üblichen Einheitsbrei vorgesetzt bekommt.


8,5/10

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