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Freitag, 2. Oktober 2015

Das Massaker von Katyn






Das Massaker von Katyn
(Katyn)
mit Andrzej Chyra, Maja Ostaszewska, Artur Zmijewski, Danuta Stenka, Jan Englert, Magdalena Cielecka, Agnieszka Glinska, Pawel Malaszynski, Maja Komorowska, Wladyslaw Kowalski, Antoni Pawlicki, Waldemar Barwinski
Regie: Andrzej Wajda
Drehbuch: Andrzej Mularczyk / Przemyslaw Nowakowski
Kamera: Pawel Edelman
Musik: Krzysztow Penderecki
FSK 16
Polen / 2007

September 1939. Polen wird von Deutschland aus dem Westen und Russland aus dem Osten zerrieben. Tausende sind auf der Flucht, die Krakauer Uni wird geschlossen, Professoren werden nach Sachsenhausen deportiert. Die Rote Armee und der Geheimdienst NKWD treiben polnische Offiziere zusammen und schicken sie in Arbeitslager. Anna (MAJA OSTASZEWSKA) hat mehrere hundert Kilometer auf dem Fahrrad zurückgelegt, um nach ihrem Mann zu suchen, dem Offizier Andrzej (ARTUR ZMIJEWSKI). Tatsächlich findet sie ihn, kurz vor seinem Abtransport in ein Lager. Sie sehen sich nie wieder: Andrzej zählt zu den mehr als 22.000 Polen, die im April 1940 in den Wäldern von Katy ermordet und in Massengräbern verscharrt werden. Nach dem Krieg kämpfen Anna und andere Witwen verzweifelt um das Andenken ihrer Männer und werden deshalb von der russischen Führung verfolgt, die den Nazis das Massaker von Katy in die Schuhe schieben will.


Regisseur Andrzej Wajda hat mit "Das Massaker von Katyn" ein eindrucksvolles und sehr einfühlsames Kriegs-Drama geschaffen, das sich mit den für das polnische Volk traumatischen Geschehnissen befasst, die sich 1940 in der Nähe von Smolensk ereignet haben. Dabei steht das eigentliche Massaker eher im Hintergrund und erst zum Ende des Films werden dem Zuschauer schockierende Szenen offenbart, die das Ausmaß der Katastrophe erahnen lassen. In erster Linie beschäftigt sich dieses Werk mit der Sichtweise der Ehefrauen und Angehörigen der polnischen Offiziere, die jahrelang vergeblich auf die Rückkehr ihrer Männer aus der russischen Kriegsgefangenschaft warten. Dabei wird einem ein tiefer Einblick in die menschliche Psyche gewährt, so das man sich äusserst gut in die Gefühlswelt der Angehörigen hineinversetzen kann, die immer zwischen andauernder Hoffnung und purer Verlustangst hin-und herbewegt. Und insbesondere diese emotionale Seite wird hier hervorragend rübergebracht, was ein Verdienst der erstklassigen und absolut überzeugenden Darsteller ist, die allesamt sehr authentisch und ausdrucksstark agieren und dem Geschehen so ein hohes Maß an Intensität verleihen.

Es handelt sich bei vorliegendem Film nicht um ein handelsübliches Kriegs-Drama, wie man es ansonsten präsentiert bekommt, denn vergeblich wartet man auf Schlachten oder diverse Kriegs-Handlungen, bis auf die letzten Passagen der Geschichte, in denen man mit dem eigentlichen Massaker konfrontiert wird, fällt nicht ein einziger Schuß in einer wahren Geschichte, die trotzdem sichtlich unter die Haut geht und den Zuschauer keineswegs unberührt lässt. Gerde, wenn man versucht, sich in die Lage der Hinterbliebenen hineinzudenken, spürt man selbst phasenweise den immensen psychischen Druck, den diese Menschen über sich ergehen lassen müssen. Dieser verstärkt sich noch einmal zusätzlich, als die Verantwortung für das grausame Geschehen zwischen den Russen und den deutschen hin-und hergeschoben wird. Doch das polnische Volk lässt sich nicht in die Irre führen, weiss es doch ganz genau, das die russischen Agressoren für das Massaker verantwortlich zeichnen und die Verantwortung dafür lediglich auf die Deutschen abwälzen wollen.

Die sich hier entfaltende Intensität der Ereignisse wird durch eingefügtes Original-Bildmaterial unterstützt, das die authentische Wirkung des Ganzen noch einmal ganz besonders hervorhebt, so bekommt man die Massengräber in Katyn und die darin befindlichen Leichen zu sehen, was so manch Einem bestimmt einen tifen Schlag in die Magengrube versetzt, wird man doch fast zwangsläufig an die erschreckenden Bilder der jüdischen Massengräber erinnert, die man aus unzähligen anderen Kriegsfilmen her kennt. So entwickelt auch dieser Film stellenweise eine ungeheure Härte, obwohl er ansonsten kaum visuelle Härte beinhaltet. Und genau diese Tatsache empfinde ich persönlich als die ganz große Stärke dieses Filmes, denn bekommt man lediglich am Ende der Geschichte einige Bilder über die geschehenen Greuel-Taten zu sehen, so entwickelt sich doch während der gesamten Laufzeit ein gewisser Härtegrad im Kopf des Betrachters, der allein in der Vorstellung über die Geschehnisse im April 1940 begründet ist und am Ende nur die visuelle Bestätigung erlangt. Regisseur Andrzej Wajda ist es dabei perfekt gelungen, durch seine gewählte Erzählstruktur der geschichte die pure Neugier des Betrachters zu wecken. Gespannt erwartet man die ganze Zeit über, visuelle Eindrücke der eigentlichen Katastrophe zu erhaschen, muss sich aber bis einige Minuten vor dem Ende gedulden, wird dann jedoch von den gezeigten Bildern fast erschlagen, denn vermitteln sie doch eine so starke Wucht, das einen das Gefühl überkommt, einen Keulenschlag in die eigenen Innereien erhalten zu haben.

Letztendlich hat man mit "Das Massaker von Katyn" ein perfektes Beispiel vor sich, wie auch ein Film, der im Prinzip eine sehr ruhiges und eher bedächtiges Erzähl-Tempo vorlegt, trotzdem eine ungeheuer starke-und intensive Wirkung erzielen kann. Und auch, wenn manch Einem das Geschehen eventuell leicht phatetische Eindrücke vermitteln mag, so kann das keineswegs über die vorhandene Klasse eines Filmes hinwegtäuschen, der ohne jegliche Action-Passagen auskommt und dennoch einen äusserst intensiven und authentischen Eindruck über die Grausamkeit des Krieges hinterlässt, der einen zutiefst berührt und sichtbare Spruren zurücklässt. Jedem, der ein qualitativ hochwertige Kriegs-Drama zu schätzen weiss, sei dieses imposante Werk von Andrzej Wajda ans Herz gelegt, das die Schrecken des zweiten Weltkrieges einmal aus der Sicht der Angehörigen zeigt und dem Zuschauer deren gespaltene Gefühlslage auf beeindruckende Art und Weise näherbringt und dabei den Focus auf die emotionale Schiene legt, die zu keiner Zeit übertrieben oder gar kitschig erscheint.


Fazit:


"Das Massker von Katyn" ist im Prinzip ein vollkommen a-typischer Kriegsfilm, denn wird der Zuschauer hier nicht mit actiongeladenen Schlachten konfrontiert, sondern mit der zerrissenen Gefühlswelt der Hinterbliebenen, für die jeder neue Tag ein Szenario zwischen Hoffnung-und Bangen darstellt, da sie nie genau wissen, ob ihre Männer, Väter oder Söhne in die Heimat zurückkehren oder nicht. Die dabei dargestellten Emotionen werden unglaublich realistisch und glaubhaft rübergebracht, so das es nicht besonders schwierig ist, sich in die Lage der Betroffenen hineinzuversetzen. Tolle Darsteller, eine faszinierende Geschichte und ein besonders wuchtiges Ende vermitteln hier einen Gesamteindruck, den man nur als überdurchschnittlich gut beschreiben kann. Diese polnische Produktion kann in allen Belangen überzeugen und stellt so ein Film-Ereignis dar, das man sich keinesfalls entgehen lassen sollte.



9/10

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