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Donnerstag, 22. Oktober 2015

Muttertag






Muttertag
(Mother's Day)
mit Nancy Hendrickson, Deborah Luce, Tiana Pierce, Frederick Coffin, Michael McCleery, Beatrice Pons, Robert Collins, Peter Fox, Marsella Davidson, Kevin Lowe, Scott Lucas, Ed Battle, Robert Carnegie, Stanley Kaufman
Regie: Charles Kaufman
Drehbuch: Charles Kaufman / Warren Leight
Kamera: Joseph Mangine
Musik: Phil Gallo / Clem Vicari Jr.
ungeprüft
USA / 1980

Wie jedes Jahr unternehmen die drei Freundinnen Abbey, Jackie und Trina in Erinnerung an die gemeinsame College-Zeit einen Campingausflug. Dass sie sich dieses Mal die falsche Gegend ausgesucht haben, wird spätestens dann deutlich, als sie den leicht beschränkten Brüdern Ike und Addley in die Hände fallen. Um ihre dominante Mutter zu beeindrucken, üben sich die beiden im Foltern, Vergewaltigen und Töten. Zwar gelingt den drei Frauen die Flucht, doch als die schwer verletzte Jackie stirbt, beschließen Abbey und Trina, Rache zu nehmen.


Schon von jeher hat dieses Werk von Charles Kaufman die Meinungen der Fans in zwei Lager gespaltet. Während "Muttertag" für die einen zu den Genre Klassikern zählt vertreten andere viel eher die Meinung, das es sich lediglich um ein billig produziertes Filmchen ohne jeglichen Nährwert handelt. Beide Sichtweisen beinhalten dabei sicherlich genügend Argumente und so liegt die Wahrheit wie so oft wohl irgendwo in der Mitte. Zugegebenermaßen ist der immer noch vorhandene Reiz dieser eher skurril gestalteten Geschichte schwer zu begründen, doch gerade die Mixtur aus Horror, Folter Elementen und schrägem Humor verleiht dem Szenario seine ganz eigene Faszination, der man auch bei einer wiederholten Sichtung immer wieder erliegt. Mit einem Budget von gerade einmal 150.000 $ ausgestattet handelt es sich absolute Low Budget Produktion und diesen Aspekt merkt man dem Film auch in so ziemlich jeder Passage an. Ob dieser Punkt jedoch auch zwangsläufig negativ zu bewerten ist steht auf einem ganz anderen Blatt und meiner persönlichen Meinung nach entsteht gerade dadurch dieser unglaubliche Charme einer typischen 80er Jahre Perle, die "Muttertag" in meinen Augen ganz eindeutig darstellt. Der erworbene Kultstatus ist sicherlich fragwürdig aber durchaus berechtigt, denn auch wenn die Story in visueller Hinsicht kaum Nennenswertes zu bieten hat, so hinterlässt das Gesamtwerk trotzdem einen äußerst nachhaltigen Eindruck.

Für Freunde der harten Gangart wird hier relativ wenig geboten und rein auf diesen Gesichtspunkt bezogen hat das 2010 erschienene Remake "Mother's Day" ganz eindeutig die Nase vorn. Kaufman's Original wartet da viel eher mit einer beiläufig humorigen Note auf, die sich insbesondere in der Darstellung der Hauptfiguren nieder schlägt. Das äußerst sich einerseits in der Optik der beiden Söhne, sowie im Umgang untereinander. Dabei entstehen oft genug wahrlich skurrile Momente und die manchmal schon grotesk anmutende Situationskomik dürfte für manch einen relativ gewöhnungsbedürftig sein. Beispielhaft dafür sind vor allem die täglichen Übungen der Söhne, die jederzeit von ihrer Mutter dominiert werden. Der Gegenpol zu den eher witzig anmutenden Augenblicken ist sicherlich der Umgang mit den gefangenen Frauen, denn die dabei an den Tag gelegte Eiseskälte und Gleichgültigkeit lässt dem Zuschauer doch das Blut in den Adern gefrieren. Das äußert sich jedoch keinesfalls durch explizite Gewaltdarstellungen, denn bis auf ganz wenige Ausnahmen hält man sich hier extrem vornehm zurück. Es ist vielmehr der Kontrast zwischen hinterwäldlerischer Naivität und der Selbstverständlichkeit andere Menschen sinnlos zu quälen, der einem teilweise schwer im Magen liegt.

Die sadistische Freude der Peiniger am Leid ihrer Gefangenen wird in vorliegendem Fall zwar keinesfalls so kompromisslos dargestellt wie in anderen Genre Vertretern, dennoch kann man Kaufman's Werk ohne Weiteres als Rape and Revenge Vertreter ansehen. Die vom Szenario ausgehende Härte entfaltet sich dabei größtenteils im Kopf des Betrachters und setzt eventuell durch den immer vorhandenen Trash Anstrich des Filmes nicht bei jedem die volle Wirkung frei. Das ändert aber nichts daran, das man der Geschichte einen durchaus nicht zu unterschätzenden Härtegrad zuordnen muss, nur das dieser sich eben nur recht selten auch im Bild zu erkennen gibt. Wie dem auch sein, Kaufman hat hier eine absolut gelungene Kombination aus mehreren Komponenten gefunden, die in ihrer Zusammensetzung auf jeden Fall einen Film präsentieren, der die unterschiedlichsten Meinungen auf sich vereinen kann. Allein aufgrund dieses Gesichtspunktes lässt sich dann auch erkennen, um welch interessanten Beitrag es sich letztendlich handelt, denn wenn über Jahrzehnte hinweg immer wieder trefflich über dieses Werk diskutiert wird, dann muss es doch im Endeffekt ein gewisses Potential beinhalten.

Im Endeffekt liegt es wie immer im Auge des jeweiligen Betrachters und es ist auch vollkommen in Ordnung das "Muttertag" die Meinungen spaltet. Für mich selbst handelt es sich auf jeden Fall um eine immer wieder sehenswerte Produktion, die ihren Kultstatus auch vollkommen zu recht erworben hat. Etwaige Schwächen und Unzulänglichkeiten des Szenarios stellen sich in der Gesamtbetrachtung als Stärke heraus und formen einen ganz eigenen Charme, der diesen Film von jeher umgeben hat. 


Fazit:


Billiger Schund oder ein echter Genre Klassiker, das ist hier die Frage. Die Antwort muss sich jeder selbst geben, denn "Mutter" und ihre Sprösslinge werden auch weiterhin die Gemüter spalten. Ich fühle mich jedenfalls immer wieder aufs Neue sehr gut unterhalten und kann den Film so auch nur jedem Fan des Genres wärmstens empfehlen.


8/10

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