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Freitag, 13. November 2015

Operation Arsenal - Widerstand in Warschau






Operation Arsenal - Widerstand in Warschau
(Kamienie na szaniec)
mit Tomasz Zietek, Marcel Sabat, Kamil Szeptycki, Magdalena Kolesnik, Sandra Staniszewska, Wojciech Zielinski, Andrzej Chyra, Krzysztof Globisz, Danuta Stenka, Artur Zmijewski, Olgierd Lukaszewicz, Wolfgang Boos, Hans Heiko Raulin
Regie: Robert Glinski
Drehbuch: Wojtek Palys / Dominik Wieczorkowski-Rettinger
Kamera: Pawel Edelman
Musik: Lukasz Targosz
FSK 16
Polen / 2014

Vor dem Krieg waren Rudy und Alek Mitglieder in derselben Pfadfinderorganisation. Dann kamen die Deutschen, überzogen das Land mit Terror, und verboten ihre Organisation. Davon lassen sich Rudy und Alek allerdings nicht lange beeindrucken. Gemeinsam mit Freundin Sofie und einigen Kameraden regruppieren sie sich im Untergrund und versetzen den deutschen Besatzern wiederholt empfindliche Nadelstiche. Doch was wie jugendliche Streiche begann, wird bitterer Ernst, als Rudy von der SS verhaftet wird.


In den letzten Jahren konnte man immer wieder feststellen, das im Genre des Kriegsfilmes sehr gelungene Beiträge aus Polen zu uns herüber kommen. Werke wie beispielsweise "Das Massaker von Katyn" oder auch Hans Koss - Spion zwischen den Fronten" sind nur zwei davon und die Reihe sehenswerter Beiträge wird nun durch "Operation Arsenal - Widerstand in Warschau um einen weiteren Vertreter erweitert. Im Mittelpunkt des Geschehens stehen dieses Mal organisierte und jugendliche polnische Widerstandskämpfer, die mit gezielten Nadelstichen die deutsche Besetzungsmacht verunsichern wollen. Zu Beginn erscheint das Ganze trotz des äußerst ernsten Hintergrundes stellenweise sogar recht amüsant, denn die Taten der jungen Rebellen wirken zumeist wie Streiche von Kindern, die den Erwachsenen einmal einen auswischen wollen. Mit zunehmender Laufzeit änderst sich dieser Umstand jedoch schlagartig, denn die Situation im besetzten Warschau spitzt sich immer mehr zu. Dadurch verändert sich im Laufe der Zeit auch die vorherrschende Grundstimmung, die insbesondere am Anfang trotz Kriegsgeschehens noch relativ unbeschwert daher kommt. 

Davon ist allerdings spätestens nach dem ersten Drittel des Filmes nichts mehr zu verspüren und es ergeben sich immer mehr Passagen, in denen sich eine ungeheuer starke Bedrohlichkeit zu erkennen gibt. Mit sehr geringen Mitteln an Waffen und Zubehör stemmt sich die aus einer ehemaligen Pfadfinder Organisation hervorgehende Gruppierung von Jugendlichen Freunden der deutschen Besatzermacht entgegen und muss dabei ganz unweigerlich auch menschliche Rückschläge in Kauf nehmen, denn selbstverständlich kommt es fast schon zwangsläufig zum Verlust von einigen Freunden. Insbesondere diese Passagen sind mit zwischenmenschlichen Emotionen gespickt, ohne das der Film jedoch zu irgendeiner Zeit einen kitschigen Rahmen erkennen lassen würde. Gleichzeitig kristallisiert sich in diesen Momenten auch das Alter und die seelische Belastung der Jungen heraus, die teilweise hilflos akzeptieren müssen, das ihnen der Feind doch um Weiten im Vorteil ist. Gleichzeitig wird durch diese Situationen aber auch der Reifeprozess enorm beschleunigt und die um eine unbeschwerte Jugend betrogene Gruppe wächst in Rekordzeit zu richtigen Männern heran.

Besonders hervorstechend ist der schier grenzenlose Mut der Protagonisten, wobei sich allerdings nie das ansonsten oft verwendete Bild von Helden zu erkennen gibt. Regisseur Robert Glinski hat an dieser Stelle nämlich genau den richtigen Weg gewählt, indem er seine Hauptfiguren einerseits äußerst mutig und teilweise impulsiv erscheinen lässt, ihnen aber auf der anderen Seite auch die notwendigen Schwächen wie Unsicherheit und Angst anhaftet, was meiner Meinung nach für ein sehr authentisches Bild sorgt. Obwohl der Film genügend Action Passagen enthält steht die Geschichte an sich ganz eindeutig im Vordergrund und das macht dieses sehenswerte Werk gleich noch eine Spur besser. Es wird gänzlich auf ein überzogenes Spektakel verzichtet, vielmehr präsentieren sich die Geschehnisse durchgehend so, das sie dem Zuschauer auch wirklich glaubhaft erscheinen.

Und so kann man dann am Ende eigentlich nur zu einem überdurchschnittlich gutem Gesamteindruck gelangen, denn "Operation Arsenal - Widerstand in Warschau" präsentiert eine gut und spannend erzählte Geschichte, die in allen Belangen zu überzeugen weiß. Gutes Schauspiel, glaubwürdige Abläufe und eine äußerst gelungene Charakterzeichnung der für die Story wichtigen Figuren sind die wichtigsten Elemente eines Filmes den man sich unbedingt anschauen sollte. Es müssen eben nicht immer die Mega Blockbuster aus Hollywood sein die zumeist auch noch von überzogenem Helden Pathos durchzogen sind, manchmal sind es gerade die nicht so spektakulären europäischen Kriegsfilme, die den größten Eindruck hinterlassen.


Fazit:


"Operation Arsenal - Widerstand in Warschau" ist ein absolut sehenswerter Vertreter seiner Art und erzählt eine Geschichte, die dem Betrachter wirklich unter die Haut geht. Ein hohes Maß an Intensität und der erzwungene Reifeprozess seiner Hauptfiguren kommen extrem gut zur Geltung und sind im Zusammenspiel mit den anderen Stärken ein Garant für einen richtig gelungenen Film.


8/10

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