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Mittwoch, 23. Dezember 2015

Mord im falschen Bezirk






Mord im falschen Bezirk
(Murder in Coweta County)
mit Johnny Cash, Andy Griffith, Earl Hindman, Ed Van Nuys, Robert Schenkkan, Jo Henderson, Daniel Keyes, Danny Nelson, Norman Matlock, Brent Jennings, June Carter Cash, James Neal, Earl Poole Ball, Dan Biggers
Regie: Gary Nelson
Drehbuch: Dennis Nemec / Margaret Anne Barnes
Kamera: Larry Pizer
Musik: Brad Fiedel
FSK 12
USA / 1983

Georgia, USA im Jahr 1948. John Wallace (Andy Griffith) ist ein reicher Farmer, der über einen beeindruckenden Landsitz verfügt und der seine Felder von anderen bewirtschaften lässt. Er spielt den guten Christen, in Wahrheit ist er jedoch ein schlechter Mensch, ein Tyrann, der seine Mitmenschen terrorisiert, Schwarze hasst, Kopf einer Schwarzbrennerbande ist und im wahrsten Sinne über Leichen geht. Selbst der Sheriff zittert vor ihm. Nachdem Wallace im benachbarten Coweta County gegen einen seiner Pächter übergriffig geworden ist, wird dies zur Sache des dortigen Sheriffs, Lamar Potts (Johnny Cash). Der nimmt es mit dem Tunichtgut auf …


Country Legende Johnny Cash und Andy Griffith (Matlock) spielen die Hauptrollen in diesem für das TV produzierten Krimi, der auf einem wahren Fall basiert. Das Schauspiel der beiden Darsteller ist dann auch gleichzeitig der herausragende Aspekt dieses Filmes, denn während Cash hier den knochigen und pflichtbewussten Sheriff erstklassig interpretiert, kann Griffith in der Rolle des machtbesessenen Großgrundbesitzers glänzen. Macht, Korruption und die pure Angst sind die wichtigsten Bestandteile der Geschichte, die gleichzeitig auch eine äußerst gesellschaftskritische Note beinhaltet. Auf manch einen mag das Szenario eventuell ein wenig bieder erscheinen, doch gerade die eher nüchterne Inszenierung des Geschehens lässt einem phasenweise das Blut in den Adern gefrieren. Dabei äußert sich dieser Umstand keinesfalls in visueller Gewalt, sondern vielmehr in der Tatsache, das hier ein von einer Art Gottkomplex befallener Mensch seine macht über andere Menschen auf brutalste Art und Weise ausübt.

Der als sympathischer und kauziger Anwalt Matlock bekannte Andy Griffith spielt diesen Part ganz hervorragend und gibt förmlich ein Paradebeispiel dafür ab, das manche Menschen wirklich der Meinung sind über allen Gesetzen zu stehen. Dieser Punkt kommt innerhalb der Geschichte immer wieder verstärkt zum Ausdruck und erreicht in der finalen Gerichtsverhandlung seinen absoluten Höhepunkt. Gleichzeitig thematisiert Regisseur Gary Nelson auch die vorherrschende Angst der Leute, die unter der Herrschaft des Großgrundbesitzers leiden müssen. Drohungen und Manipulationen stehen auf der Tagesordnung und selbst Gesetzeshüter fürchten sich vor der Eiseskälte, die John Wallace ein ums andere Mal an den Tag legt. Mit Lamar Potts (Cash) tritt dann allerdings ein ebenbürtiger Gegner auf den Plan, denn der aus einem anderen County stammende Sheriff lässt sich nicht einschüchtern und will Wallace defintiv für einen begangenen Mord zur Verantwortung ziehen. Das gestaltet sich allerdings sehr schwierig, denn die Überführung scheint so gut wie unmöglich zu sein, da im Prinzip sämtliche Beweise vernichtet wurden.

Wer großartige Action oder ein immenses Tempo erwartet ist hier an der falschen Adresse, denn "Mord im falschen Bezirk" legt sein Hauptaugenmerk vielmehr auf eine eher ruhige Erzählweise und beschäftigt sich dabei in erster Linie mit den mühseligen Ermittlungen der ermittelnden Beamten. Gleichzeitig rückt aber auch immer wieder die damalige Gesetzeslage in Georgia in den Vordergrund und Dinge wie grenzenlose Überheblichkeit, Arroganz und Willkür nehmen einen wichtigen Bestandteil des Szenarios ein. Auch ohne großartige Action erscheint die Geschichte jederzeit spannend und kann den Zuschauer bis zum bitteren Ende spielend bei Laune halten. Die Tatsache das die Geschichte auf echten Vorkommnissen basiert schlägt einem ganz schön auf den Magen, denn man mag sich eigentlich nicht so richtig vorstellen, das die hier geschilderten Ereignisse sich wirklich so zugetragen haben. Andererseits weiß man nur zu genau das nicht alle Menschen gleich sind und gerade Machtmissbrauch und Manipulation immer wieder ein Mittel der Reichen sind, um ihre sogenannte Vormachtstellung in den Vordergrund zu rücken. Fehlendes Unrechtsbewusstsein steht dabei im Vordergrund und insbesondere dieser Punkt kommt in dieser Geschichte immer wieder herausragend zum Ausdruck.

Selbst nach einem negativen Gerichtsurteil am Ende des Filmes glaubt sich Wallace so immer noch im Recht und der letzte Dialog zwischen ihm und Sheriff Potts wirkt schon fast makaber. Ist dort doch von Einsicht überhaupt nichts zu spüren und es entsteht vielmehr der Eindruck, als würde der gute Mann in seiner ganz eigenen Welt leben, in der nur seine eigenen Gesetze zählen. "Mord im falschen Bezirk" ist ganz bestimmt kein Film mit hohem Tempo oder großartiger Action, dafür bekommt man allerdings einen absolut sehenswerten TV-Film präsentiert, der durchgehend äußerst spannend inszeniert ist. Zwei großartig agierende Hauptdarsteller geben dabei eine erstaunlich gute Visitenkarte ab und drücken dem Werk durch ihre tollen Performances ihren persönlichen Stempel auf. Jede Menge Gesellschaftskritik und eine authentische Grundstimmung runden das Ganze perfekt ab, so das letztendlich ein mehr als stimmiges Gesamtbild entsteht. Wer realistisch anmutende Filme zu schätzen weiß die auf wahren Ereignissen beruhen kann hier nichts falsch machen und sollte sich diesen tollen Film keinesfalls entgehen lassen.


Fazit:


"Mord im falschen Bezirk" zeichnet schonungslos das Bild einer Gesellschaft, in der Machtmissbrauch und Korruption durch eine einzelne Person als vollkommen normal gelten. Erschreckend glaubhaft werden hier Ereignisse geschildert, die auch jederzeit auf die heutige Zeit anzuwenden sind, denn nur allzu oft werden einem doch auch in der heutigen zeit die Unterschiede zwischen arm und reich vor Augen geführt.


8/10

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