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Montag, 8. Februar 2016

Die Todesfaust des Cheng Li






Die Todesfaust des Cheng Li
(Tong San Dai Hing)
mit Bruce Lee, Maria Yi, James Tien, Marilyn Bautista, Ying-Chieh Han, Tony Liu, Kun Li, Nora Miao, Shan Chin, Chia-Cheng Tu
Regie: Wei Lo / Chia-Hsiang Wu
Drehbuch: Wei Lo
Kamera: Ching-Chu Chen
Musik: Peter Thomas / Fu-Ling Wang
FSK 16
Hongkong / 1971

Kein Problem für Cheng, einen jungen Mann mit Bärenkräften, eine Arbeit zu finden. Wer gewillt ist zuzupacken, kann überall sein Geld verdienen. Mr. Mi, der Chef einer Eisenfabrik in Bangkok, kann tüchtige Burschen gebrauchen, und nach einem kurzen Gespräch ist Chengs Einstellung perfekt. Mr. Mi macht nicht gern lange Worte, er ist gewohnt zu handeln. Und nicht mit Worten, sondern mit Taten hat er sein Unternehmen aufgebaut. Nur - wem es gelingt, hinter diese Fassade des Reichtums und des biederen Handels zu blicken, der wird feststellen, das Mr. Mi's Geschäftsgebaren doch nicht so kristallklar ist, das er vielmehr seine erklecklichen Einnahmen aus Rauschgifthandel und einer Bordellkette zieht.


Wenn man von Martial Arts Filmen spricht, kommt man keinesfalls am Namen Bruce Lee vorbei, handelt es sich dabei wohl um den perfektesten Kampfsportler den die Welt bisher gesehen hat. Auch in der heutigen Zeit eines Tony Jaa oder Donnie Yen ist es deswegen immer wieder ein echtes Erlebnis, wenn man sich die 70er Jahre Klassiker der Kampfsport Legende anschaut. Bei "Die Todesfaust des Cheng Li" handelt es sich um den ersten der sogenannten echten Bruce Lee Filme, wobei der beliebte Darsteller schon im zarten Alter von gerade einmal 18 Jahren auf eine erstaunliche Filmografie von gut 20 Titeln zurückschauen konnte. Diese waren allerdings kaum von Erfolg gekrönt und erst nach diversen Serien Auftritten gegen Ende der 60er Jahre (Batman, Die grüne Hornisse) stieg die Popularität des in San Francisco geborenen Lee wirklich an. Im Gleichklang mit öffentlichen Darstellungen seiner berühmten Kampfkunst war es dann der vorliegende Beitrag, der letztendlich auch für den Durchbruch sorgen sollte und auch über vier Jahrzehnte nach dem Erscheinungstermin fühlt man immer wieder den ganz besonderen Reiz, der von "The Big Boss" (Alternativtitel) ausgeht. 

Unter der Regie von Wei Lo wird eine recht interessante Rahmenhandlung erzählt, die jedoch rein inhaltlich sicherlich keine wirkliche Offenbarung ist. Der illegale Vertrieb von Rauschgift ist das zentrale Kernthema und die darum herum gebastelte Story ist vollkommen ausreichend, um letztendlich für kurzweilige und beste Unterhaltung zu sorgen. Das man in darstellerischer Hinsicht keine Wunderdinge erwarten kann versteht sich dabei fast von selbst, denn weder Lee noch die anderen Protagonisten gelten als herausragende Schauspieler, aber die dargebotenen Performances sind absolut zweckdienlich und in den für einen Film dieser Art wichtigen Passagen bekommt man dafür die ganz große Kampfsportkunst geboten. Zwar geht diese in der Hauptsache nur vom Hauptdarsteller aus der mit seinen Gegnern regelrecht den Boden aufwischt, doch zumindest 1-2 andere Charaktere wissen durchaus auch mit sehenswerten Leistungen aufzuwarten. Das die erzählte Story nicht sonderlich ergiebig ist merkt man auch an der Tatsache, das ab und zu der manchmal gewöhnungsbedürftige Humor der Asiaten zum Vorschein kommt, denn in regelmäßigen Abständen werden dem Zuschauer einige ziemlich skurril anmutende Szenen serviert, die beim ansonsten ernsten Hintergrund der Geschehnisse ein wenig befremdlich erscheinen.

Ganz generell sollte man "Die Todesfaust des Cheng Li" nicht nach seiner inhaltlichen Tiefe bewerten, denn in dieser Hinsicht weist das Werk dann doch erhebliche Lücken auf. So erscheint insbesondere der dramaturgische Aufbau der Geschehnisse teilweise ein wenig naiv und ganz besonders das Verhalten und die Handlungen der meisten Akteure ist in den seltensten Fällen wirklich nachvollziehbar. Das bezieht sich in erster Linie auf das Verhalten der Arbeiter, die trotz des Verschwindens diverser Freunde gar nicht erst auf die Idee kommen die Polizei einzuschalten und sich stattdessen immer wieder von Vorgesetzten vertrösten lassen. Dabei handelt es sich jedoch um filmische Defizite, die man aus der Sicht eines Martial Arts Fans gern auch mal großzügig übersehen kann. Die Kampf Choreografien sind nämlich auch nach über 40 Jahren immer noch extrem reizvoll und stellen vor allem die absolute Ästhetik und Perfektion eines Kampfsportlers dar, der bis zum heutigen Tag als das Maß aller Dinge gilt. Man hätte sich höchstens ein paar ebenbürtigere Gegner für Lee gewünscht, denn die meisten seiner im Film auftretenden Konkurrenten wirken vielmehr als Kanonenfutter, als das sie der Ikone auch nur annähernd das Wasser reichen könnten. Dieser Aspekt wird in vielen Filmen der heutigen Zeit definitiv besser gehandhabt, denn Werke wie beispielsweise "Ip Man" oder auch "Ong-Bak" sind in dieser Beziehung auf jeden Fall gleichwertiger besetzt.

"Die Todesfaust des Cheng Li" ist dafür aber nahezu ein Paradebeispiel dafür, das man sich auch an der perfekten Kampfkunst eines einzelnen Fighters erfreuen kann und im Fall von Bruce Lee trifft das jederzeit zu. Rein filmisch ist der Film von Wei Lo sicherlich mit diversen Mankos behaftet, dennoch nimmt das Szenario schon aufgrund der Tatsache das es sich hier um Lees Durchbruch handelt, einen ganz besonderen Stellenwert ein. Manch einer mag das vielleicht vollkommen anders sehen, aber an dieser Stelle handelt es sich meiner Meinung nach um ein absolut prägendes Werk, an dem sich auch unzählige später gedrehte Martial Arts Filme orientiert haben. Lediglich die unsterbliche Präsenz des Hauptdarstellers konnte bis in die heutige Zeit nie wieder von anderen Darstellern erreicht werden, so das der Mythos Bruce Lee immer noch vollkommen zu recht auf dem Gipfel thront.


Fazit:


Filmische Perfektion darf man hier sicher nicht erwarten, aber dafür bekommt man einen spielfreudig aufgelegten Bruce Lee geboten, der mit seiner Kampfkunst jedem Gegner das Fürchten lehrt. "Die Todesfaust des Cheng Li" hat im Laufe der Jahrzehnte rein gar nichts von seiner Faszination eingebüßt, so das man sich diesen Film in regelmäßigen Abständen immer wieder gern zu Gemüte führt.


8/10

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