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Donnerstag, 25. Februar 2016

Opera






Terror in der Oper
(Opera)
mit Cristina Marsillach, Ian Charleson, Urbano Barberini, Daria Nicolodi, Coralina Cataldi-Tassoni, Antonella Vitale, William McNamara, Barbara Cupisti, Antonino Iuorio, Carola Stagnaro, Francesca Cassola, Maurizio Garrone
Regie: Dario Argento
Drehbuch: Dario Argento / Franco Ferrini
Kamera: Ronnie Taylor
Musik: Brian Eno / Roger Eno / Steel Grave / Claudio Simonetti / Bill Wyman
FSK 16
Italien / 1987

Nachdem sein weiblicher Star in einen schweren Unfall verwickelt wurde, findet der junge Horrorregisseur Marco für seine Operninszenierung von Verdis „Macbeth“ in der jungen Betty den perfekten Ersatz. Doch auf der Oper scheint ein Fluch zu Lasten: Ein unheimlicher Killer macht Jagd auf die Beteiligten und zieht mit bestialischen Morden seine Kreise immer enger um das Objekt seiner Begierde: Die neue Diva der La Scala.


Knapp drei Jahrzehnte mussten ins Land gehen, bis man diesen großartigen Beitrag von Altmeister Dario Argento nun endlich in einer wirklich würdigen Veröffentlichung begutachten kann. Das lange Warten hat sich aber wirklich gelohnt, denn das Mediabook von Koch Media ist wie eigentlich immer sehr gelungen, so das man diesen grandiosen Beitrag nun auch in exzellenter Bildqualität genießen darf. Komischerweise zählt "Opera" zu den Filmen Argento's, die bei erstaunlich vielen Leuten einen recht zwiespältigen Eindruck hinterlassen, was ich persönlich nicht so ganz nachvollziehen kann. Zugegebenermaßen ist das vorliegende Drehbuch vielleicht nicht das beste seiner Art, aber insbesondere die visuelle Umsetzung der Erzählung ist über jeden Zweifel erhaben. Streckenweise beinhaltet das Ganze dann sogar einen leicht bizarren Anstrich, kommt aber in erster Linie mit unglaublich ästhetischen Bildern daher und überzeugt durch die immer wieder brillanten Kamerafahrten, die dem Geschehen einverleibt wurden.

"Opera" wird des Öfteren als Gialli bezeichnet, wobei diese Genre Einordnung wohl kaum zutreffen dürfte. Sicherlich sind gewisse Elemente des italienischen Gialli durchaus zu erkennen, doch im Grunde genommen handelt es sich um einen waschechten Slasher, der auch mit mehreren selbst für die heutige Zeit recht derben Passagen bestückt ist. Umso erfreulicher erscheint da der Aspekt, das dieses Werk nun ungeschnitten mit einer 16er Freigabe ausgestattet wurde, denn für diese Alterseinstufung bekommt der Betrachter mehrere richtig harte und blutige Einstellungen geboten. So dürften dann selbst die Liebhaber der etwas härteren Gangart durchaus auf ihre Kosten kommen, denn Argento war in Sachen Blut und härte wirklich nicht gerade geizig. Da kann man dann auch gern einmal darüber hinweg sehen das die Abläufe nicht durchgehend absolut logisch erscheinen, wobei aber im Prinzip auch die einzige kleine Schwäche dieses ansonsten extrem stimmigen Werkes aufgezählt ist.

Ansonsten gibt es nämlich nichts zu meckern, präsentiert sich doch ein teilweise farbenprächtiger Bilderrausch, der den Betrachter mit einem grandiosen Soundtrack attackiert. Dabei entsteht ein nahezu genialer Mix aus klassischer Opernmusik und kräftigen Metal Klängen, wobei Letztere absolut stimmig den teils brachialen Slasher Elementen zugeordnet wurden. So entsteht dann auch ein äußerst stimmiger Gesamteindruck, der insbesondere durch die vorherrschende Atmosphäre untermalt wird. Die herausragende Grundstimmung der Geschehnisse gibt sich dabei von der ersten bis zur letzten Minute zu erkennen und es ist so gut wie unmöglich, sich der manchmal fast schon hypnotischen Wirkung dieses Filmes zu entziehen. Fast ist es so, als wenn man in einen sogartigen Strudel gezogen wird, aus dem es anscheinend kein Entkommen gibt. Immer tiefer taucht man in eine Welt ein, in der Schönheit und Brutalität so dermaßen nahe beieinander liegen, das die Grenzen absolut fließend sind.

Eine Besonderheit des Szenarios ist ganz sicher auch die spürbare Emotionslosigkeit der Protagonisten, wobei an dieser Stelle ganz besonders Hauptfigur Betty zu nennen ist. Die junge Frau scheint an einer kaum erklärbaren Gefühlskälte zu leiden, auf die sich der Zuschauer keinen richtigen Reim machen kann. Erst mit zunehmender Laufzeit und durch diverse Rückblenden löst sich das Rätsel ein wenig, wobei Argento bis zum Ende keine vollständige Aufklärung dafür anbietet, sondern vielmehr genügend Spielraum für eigene Interpretationen lässt. Das mag nicht jedem gefallen, verleiht dem Ganzen allerdings eine ganz eigene Würze, zumal man sich aufgrund des letzten Drittels der Geschichte die Zusammenhänge für diesen Umstand auf jeden Fall erklären kann. Und so bietet "Opera" letztendlich absolut sehenswerte und vor allem spannende Filmkost, in der sowohl die Identität des Killers wie auch dessen Motive für die Morde lange Zeit im Dunkeln bleiben. Im Zusammenspiel mit der herausragenden Atmosphäre, den tollen Schauplätzen und der brillanten musikalischen Untermalung ergibt sich also ein Gesamtpaket, das man im Prinzip nur als absolut berauschend bezeichnen kann.


Fazit:


Es dürfte extrem schwer fallen sich der hypnotischen Faszination dieses Filmes zu verweigern, denn Argento hat mit diesem Beitrag ein teils bizarres Meisterwerk geschaffen, das in seinem filmischen Schaffen ganz weit oben angesiedelt ist. Natürlich sieht das nicht jeder so, aber "Opera" ist meiner persönlichen Meinung nach definitiv zu den Klassikern des Altmeisters zu zählen.


9/10

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