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Freitag, 4. März 2016

Der Umleger






Der Umleger
(The Town That Dreaded Sundown)
mit Ben Johnson, Andrew Prine, Dawn Wells, Jimmy Clem, Jim Citty, Charles B. Pierce, Robert Aquino, Cindy Butler, Christine Ellsworth, Earl E. Smith, Steve Lyons, Joe Catalanotto, Roy Lee Brown, Mike Hackworth
Regie: Charles B. Pierce
Drehbuch: Earl E. Smith
Kamera: James W. Roberson
Musik: Jaime Mendoza-Nava
FSK 16
USA / 1976

In dem kleinen Städtchen Texarkana geht im Frühjahr 1946 ein geheimnisvoller Killer mit einem Mehlsack über dem Kopf um, der vorzugsweise Frauen angreift und dann brutal erschießt oder mit Stichwaffen ermordet. Die Police Officers Morales (Ben Johnson) und Ramsey (Andrew Prine) setzen alles daran, den Unbekannten zu fassen, bevor weitere Morde geschehen...


Filme die auf wahren Begebenheiten basieren haben schon von jeher eine ungemein hohe Faszination auf den Zuschauer ausgeübt. Auch in vorliegendem Fall verhält sich das nicht anders, denn trotz des ziemlich dämlichen deutschen Filmtitels "Der Umleger" kann auch das Werk von Charles B. Pierce aus dem Jahr 1976 trotz eher schlechten Kritiken durchaus die Aufmerksamkeit des Betrachters für sich gewinnen. Der Film orientiert sich an der sogenannten "Texas Moonlight Murders" Mordserie, die sich 1946 in der kleinen Stadt Texarkana ereignete. Im Zuge der gerade erschienenen Neuauflage "Warte, bis es dunkel wird" hat das Label Tiberius Films als Bonus nun auch gleich dem Original eine deutsche Erstveröffentlichung auf DVD und Blu-ray spendiert und somit einen netten Bonus in das hübsche Steelbook gepackt. Die wenigen vorhandenen und eher schlecht ausfallenden Meinungen zu diesem Film kann ich persönlich nicht so ganz nachvollziehen, denn obwohl es sich hier ganz bestimmt um keinen echten Klassiker handelt, verdient "The Town That Dreaded Sundown" (so der Original Titel) durchaus mehr Aufmerksamkeit, als dem eher unbekannten Film bisher beschieden war.

Es handelt sich um eine gelungene Kombination aus Horror und Krimi, in der auch stellenweise zarte Ansätze des beliebten Slashers zu erkennen sind. Dabei sollte man jedoch von Beginn an keinerlei blutige Passagen erwarten, denn die Geschichte setzt doch vielmehr die Ermittlungsarbeit der zuständigen Polizisten in den Vordergrund, als das man sich auf blutige und harte Szenen konzentrieren würde. Die optische Darstellung des Killers erinnert einen fast schon zwangsläufig an einen Film wie "Freitag der 13. Teil 2", denn auch im vorliegenden Szenario ist der Mörder durch einen Mehlsack maskiert, was auf den ersten Blick schon ein wenig belustigend erscheint. Dieser Aspekt erscheint aber auch gar nicht weiter wichtig, denn es ist vielmehr der gelungene dramaturgische Spannungsaufbau der Abläufe, der den Zuschauer in seinen Bann zieht. Wahrscheinlich werde ich in diesem Punkt mit meiner Meinung so ziemlich allein da stehen, doch mir hat die Erzählweise der Ereignisse äußerst gut gefallen. 

Besonders der Aspekt, das Pierce immer wieder durch den Einsatz eines Off-Kommentares dem Ganzen einen fast dokumentarischen Anstrich verleiht fällt dabei ganz besonders ins Auge, denn so bekommt man doch phasenweise den Eindruck, das hier eine Art von Tatsachenbericht präsentiert wird. Das mag sicherlich nicht jedem gefallen und manch einem wird auch die Dialoglastigkeit des Szenarios nicht unbedingt zusagen, doch gerade durch diese Elemente entfaltet "Der Umleger" doch seinen ganz eigenen Reiz. Natürlich liegt das im Auge des jeweiligen Betrachters, doch ich mag Filme, die nach genau diesem Prinzip aufgebaut werden. Ein Punkt erscheint dann aber doch ein wenig befremdlich, denn die Geschichte wartet doch phasenweise mit diversen Einstellungen auf, in denen ein etwas alberner Humor zum Vorschein kommt. Dieser wird in der Hauptsache durch einen der Polizisten ausgelöst und will irgendwie nicht so ganz in das ansonsten ernste Geschehen hinein passen.

Insgesamt gesehen ergibt sich aber dennoch ein recht guter Gesamteindruck und "Der Umleger" ist weitaus besser geraten, als manche Kritik im Netz es eventuell vermuten lässt. Man muss halt nur wissen, mit welcher Art Film man es hier zu tun bekommt, denn wer aufgrund des Titels einen blutigen Slasher erwartet, wird am Ende sicher enttäuscht sein. Alle anderen sollten aber definitiv einen Blick riskieren, denn die Geschichte an sich wird wirklich interessant erzählt und bietet auch trotz fehlender Härte ein durchgehend gelungenes Filmerlebnis.


Fazit:


Charles B. Pierce hat mit diesem Film ganz bestimmt kein Meisterwerk geschaffen, aber immerhin einen gelungenen Genrebeitrag kreiert, dem man zumindest eine faire Chance geben sollte. Ich bin mir jedenfalls ziemlich sicher, das dieses 70er Jahre Werk seine Fangemeinde finden wird und freue mich schon jetzt auf die Sichtung der Neuauflage.


6,5/10

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