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Samstag, 26. März 2016

Heart of a Lion






Heart of a Lion
(Leijonasydän)
mit Peter Franzén, Laura Birn, Jasper Pääkkönen, Yusufa Sidibeh, Jussi Vatanen, Timo Lavikainen, Pamela Tola, Mikko Neuvonen, Niko Vakkuri, Jani Toivola, Stan Saanila, Juha Pursiainen, Esa Muittari, Janne Ravi
Regie: Dome Karukoski
Drehbuch: Aleksi Bardy
Kamera: Henri Blomberg
Musik: Jean-Paul Wall
FSK 16
Finnland / 2013

Es ist Liebe auf den ersten Blick: Als Teppo die schöne Sari kennenlernt, ist es um ihn geschehen. Die beiden werden ein Paar. Bald schon kommt der Tag, an dem Sari Teppo offenbart, dass sie Mutter eines Sohnes ist. Eigentlich kein Problem, wäre Teppo kein Neonazi und Rhamadhani, Saris Sohn, nicht afrikanischer Herkunft. Doch Teppo nimmt sich vor, aus Liebe zu Sari seine rassistische Weltanschauung zu überdenken. Er möchte eine väterliche Beziehung zu Rhamadhani aufbauen. Ein alles anderes als leichtes Vorhaben, schließlich ist Teppo immer noch Teil der Neonaziszene.


Es kommt nicht von ungefähr, das der Film von Dome Karukoski an ein Werk wie "American History X" erinnert, denn die Thematk beider Geschichten ähnelt sich doch streckenweise frappierend. Auch in dieser finnischen Produktion wird man nämlich mit dem innerlichen Zwiespalt der Hauptfigur konfrontiert, die einerseits der finnischen Neonazi Szene angehört, aber gleichzeitig in einer Beziehung mit einer Frau steckt, die einen dunkelhäutigen Sohn aus einer früheren Liebschaft hat. Das diese Situation zwangsläufig Probleme mit sich bringt dürfte auf der Hand liegen und so muss sich die Hauptfigur Teppo auch längst nicht nur mit seinem ideologischen Zwiespalt, sondern auch mit seinem bisherigen Umfeld auseinander setzen, das selbstredend aus lauter politisch Gleichgesinnten besteht. War "American History X" in der Darstellung des Themas auf visueller Ebene recht drastisch, so werden in vorliegendem Fall doch etwas ruhigere Töne angeschlagen. Zwar gibt es auch einige Andeutungen von gewaltsamen Auseinandersetzungen, doch in der Hauptsache legt Dome Karukoski vielmehr sein Hauptaugenmerk auf die zwischenmenschliche Ebene, ohne seine Erzählung dabei wie eine Art Love Story erscheinen zu lassen. So ist beispielsweise Teppo's Freundin Sari eher selten zu sehen und spielt im Prinzip eine etwas untergeordnete Rolle, stattdessen rückt die Beziehung von Teppo zu seinem Ziehsohn Rhamadhani verstärkt in den Vordergrund.

Diese ist gerade zu Beginn von gegenseitigen Provokationen geprägt, verbessert sich allerdings mit zunehmender Laufzeit ganz erheblich. Hier liegt aber längst nicht das einzige Problem des Haupt Charakters, denn gleichzeitig muss sich Teppo gegenüber seinem Bruder und seinen Artgenossen mit ständigen Lügen helfen, da er Rhamadhani zu Beginn noch vor ihnen verheimlicht. Erst mit der Zeit wird sich Teppo dann immer mehr über seine Emotionen und auch sein ideologisches Umdenken bewusst und ganz besonders dieser Teil der Geschichte präsentiert sich dem Zuschauer extrem authentisch und glaubwürdig. So erscheint aber auch ganz generell der gesamte Film, denn bis auf einige kleine und kaum vermeidbare Klischees herrscht hier ein Höchstmaß an Authentizität vor. Dazu zählt meiner Meinung nach neben dem sehr guten Schauspiel der Protagonisten auch der Aspekt, das man auf unnötige explizite Gewaltdarstellungen verzichtet hat und bis auf kleinere Scharmützel keine unnötige und übertriebene Härte eingebaut hat. 

Und so kann man sich dann auch ganz auf die innere Wandlung der Hauptfigur konzentrieren, die von einem glänzend aufgelegten Peter Franzén grandios dargestellt wird. Man nimmt ihm die inneren Konflikte jederzeit ab und das ist auch definitiv dem Umstand zu verdanken, das an dieser Stelle keinerlei übertriebenes Overacting und keinerlei Theatralik zu beobachten ist. Es handelt sich viel eher um eine äußerst nüchterne Verfilmung der vorliegenden Thematik, die aber dennoch ein Höchstmaß an Intensität zu erkennen gibt. Das der Fokus des Ganzen nicht auf etwaige Gewaltakte der rechten Szene gelenkt wird ist ein ganz erheblicher Vorteil, denn nur so kann man sich vollends auf den Zwiespalt eines Mannes konzentrieren, der aus Liebe seine bis dahin uneingeschränkt geltende Ideologie absolut in Frage stellt. Die größtenteils eher ruhige Erzählweise der Ereignisse ist äußerst angenehm und lässt dem Zuschauer so auch die Möglichkeit, sich extrem gut mit der Hauptfigur auseinander zu setzen und so auch eine echte Beziehung zu ihr aufzubauen.

Letztendlich ist "Heart of a Lion" einer dieser Filme, an die man eigentlich ohne größere Erwartungen heran geht. Umso größer ist dann die Überraschung, welch tollen Film einem die Finnen an dieser Stelle präsentieren. Nun könnte man das Werk durchaus als abgeschwächte Variante eines "American History X" bezeichnen, wobei das der vorliegenden Qualität keinesfalls gerecht werden würde. Außerdem beinhaltet die Produktion trotz der thematischen Ähnlichkeiten genügend Eigenständigkeit und sollte keinesfalls als Kopie angesehen werden. Auf jeden Fall kann man ohne Übertreibung die Behauptung aufstellen, das "Heart of a Lion" definitiv ein starkes Stück Film darstellt, das man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte.


Fazit:


Regisseur Dome Karukoski hat hier eindrucksvoll unter Beweis gestellt, das man die Neonazi Thematik nicht nur durch explizite Gewaltdarstellungen extrem gut in Szene setzen kann. In glaubwürdiger Art und Weise präsentiert er ein Szenario, in dem die Liebe zu einer Frau die Denkweise eines Mannes vollkommen umkrempelt und dieser sich mutig den daraus folgenden Konsequenzen stellt. Also unbedingt anschauen, denn dieser Film ist absolut lohnenswert.


8/10

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