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Samstag, 30. April 2016

Kill Your Friends






Kill Your Friends
(Kill Your Friends)
mit Nicholas Hoult, James Corden, Georgia King, Craig Roberts, Jim Piddock, Joseph Mawle, Dustin Demri-Burns, Damien Molony, Bronson Webb, Ella Smith, Rosanna Hoult, Ed Skrein, Kurt Egyiawan, Moritz Bleibtreu
Regie: Owen Harris
Drehbuch: John Niven
Kamera: Gustav Danielsson
Musik: Junkie XL
FSK 16
Großbritannien / 2015

England in den späten 90ern. Fragt man Steven Stelfox, Manager beim Londoner Plattenlabel Unigram, was seine Lieblingsmusik ist, erhält man als Antwort nicht Hiphop, Grunge, Metal oder Techno, sondern, was eben gerade die Nummer Eins ist. Und so fliegt er wie eine Flipperkugel dahin, pendelnd zwischen genialen Dilettanten, Girlbands, Songschreibern, und reinen Spinnern, den Kopf voller Drogen und krankem Ehrgeiz, mit dem unbedingten Willen, einen Hit zu landen und selbst ein Leben zu führen wie ein Popstar.


"Kill Your Friends" ist wieder einmal einer der Filme an die man ohne größere Erwartungen heran geht, die im nachhinein jedoch einen dermaßen nachhaltigen Eindruck beim Zuschauer hinterlassen, das man es nur schwerlich beschreiben kann. Die Geschichte beruht auf dem gleichnamigen Roman von John Niven, der damals selbst bei diversen Plattenfirmen als A&R Manager tätig war und hier relativ gnadenlos mit der Musikbranche abrechnet. Die filmische Umsetzung der literarischen Vorlage ist dabei stellenweise extrem überspitzt und hinterlässt dennoch durchaus den Eindruck, das man an dieser Stelle einen ziemlich realistischen Einblick hinter die Fassade eines Labels bekommt, bei dem nicht nur die Ellenbogen der Mitarbeiter zum Einsatz kommen, um die Karriereleiter empor zu steigen. Dargestellt wird dies in der Person von Steven Stelfox, der im Prinzip überhaupt nicht an Talenten und deren Musik interessiert ist, sondern lediglich egoistische Ziele verfolgt um jede Menge Profit zu machen. Nicholas Hoult liefert in der Rolle des profitgeilen A&R Managers eine absolute Glanzleistung ab und jagt dem Betrachter durch seine zutiefst skrupellosen Taten kalte Schauer über den Rücken.

Die Erzählung ist zeitlich in den 90er Jahren angesiedelt und prall gefüllt mit Sarkasmus und unverhohlenem Zynismus. Stellenweise erscheinen die Ereignisse dabei fast schon wie eine rabenschwarze Komödie, allerdings wirkt das Szenario trotz manch äußerst überspitzt dargestellter Passage erschreckend realistisch und man fragt sich ganz unwillkürlich, wie viel Wahrheit in den Abläufen steckt, die sich um das Haifischbecken der Musikbranche drehen. Eigentlich ist das aber völlig nebensächlich, denn "Kill Your Friends" strahlt von der ersten bis zur letzten Minute eine unglaublich starke Faszination aus, der man sich beim besten Willen nicht entziehen kann. Das liegt nicht ausschließlich an der höchst interessanten Thematik, sondern auch an dem großartig aufspielenden Hauptdarsteller, der seiner Figur fast schon die Züge eines waschechten Soziopathen verleiht, der scheinbar ohne jegliche Reue im wahrsten Sinne des Wortes über Leichen geht. Um seine Ziele zu erreichen ist Stelfox nämlich wirklich dazu bereit, jegliche Hemmschwellen und die Grenzen der Moral hinter sich zu lassen, was diversen Leuten in seinem Umfeld dann unweigerlich zum Verhängnis wird.

Dabei ist der Weg nach oben wirklich mit etlichen Steinen gepflastert, die jedoch allesamt aus dem Weg geräumt werden. Dies geschieht selbstverständlich ohne Rücksicht auf Verluste und in der Wahl seiner Mittel ist der junge Mann äußerst flexibel. Jeder der ihm im Weg steht wird auf die ein oder andere Art beiseite geschafft, wobei sich auch so manch skurrile Situationskomik zu erkennen gibt. Der hier enthaltene Humor ist aber zu keiner Zeit albern, vielmehr offenbart sich eine Anhäufung an geschliffenen Dialogen, die zudem mit jeder Menge bissigem Wortwitz kombiniert wurden. So ergibt sich dann eine teils wirklich explosive Mixtur, der man ohne wenn und aber das Prädikat "Very British" angedeihen lassen kann.

Teilweise bewusst überzogen in Szene gesetzt offenbart "Kill Your Friends" jedoch einen glaubwürdigen Einblick in eine Welt, in der man den Profit über allem anderen ansiedelt. Dinge wie Menschlichkeit, Kollegialität oder Rücksicht werden außer Kraft gesetzt und der persönliche Werdegang ist einfach alles was zählt. Das dabei viele Dinge auf der Strecke bleiben wird billigend und selbstverständlich in Kauf genommen, denn die eigenen Egoismen stellen alles andere in den Schatten. Nicholas Hoult bringt dies durch seine nahezu grandiose Performance extrem gut zum Ausdruck und drückt dem Film damit auch seinen ganz persönlichen Stempel auf. Insgesamt gesehen ergibt sich hier also ein fantastischer Gesamteindruck, so das man dieses herausragende Werk keinesfalls unbeachtet an sich vorbei ziehen lassen sollte.


Fazit:


Auch wenn Regisseur Owen Harris bestimmte Dinge vollkommen beabsichtigt extrem überspitzt in Szene gesetzt hat, hinterlässt "Kill Your Friends" einen größtenteils authentischen Eindruck beim Zuschauer. Nur zu gut kann man sich vorstellen, das in der erfolgsorientierten Welt der Musikbranche mit allen Mitteln um den kommerziellen Erfolg gekämpft wird, so das menschliche Komponenten zwangsläufig auf der Strecke bleiben. 


9/10

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