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Samstag, 2. April 2016

Mord mit kleinen Fehlern







Mord mit kleinen Fehlern
(Sleuth)
mit Laurence Olivier, Michael Caine, Alec Cawthorne, John Matthews, Eve Channing, Teddy Martin
Regie: Joseph L. Mankiewicz
Drehbuch: Anthony Shaffer
Kamera: Oswald Morris
Musik: John Addison
FSK 16
Großbritannien / 1972

Der skurrile Kriminalschriftsteller Andrew Wyke wohnt auf einem riesigen Anwesen. Seit einiger Zeit hat seine Frau ein Verhältnis mit dem Friseur Milo Tindle, weshalb der Autor ihn zu sich einlädt. Der Exzentriker, hat zwar prinzipiell nichts gegen eine Trennung, zumal er sich selbst auch eine Geliebte gönnt. Allerdings fürchtet er, dass ihn eine Scheidung teuer zu stehen kommen würde. Andrew schlägt daher vor, dass Milo seine Juwelen stiehlt und diese verkauft. Der Krimiautor selbst will die Versicherungssumme kassieren. Es ist der Beginn eines Spiels, dessen Ausgang beide nicht erahnen können ...


Es gibt Filme, die allein aufgrund des vorhandenen Minimalismus einen schier genialen Gesamteindruck hinterlassen. Das vorliegende Werk "Mord mit kleinen Fehlern" von Joseph L. Mankiewicz zählt ganz eindeutig zu dieser Kategorie, denn das wie ein Kammerspiel aufgezogene Szenario versteht es mit einfachsten Mitteln zu brillieren und erfreut den Zuschauer zudem auch noch mit einer extrem wendungsreichen Geschichte. Hier handelt es sich um einen äußerst gelungenen Krimi, der gleichzeitig auch die üblichen Zutaten des Genres ganz gehörig auf die Schippe nimmt, wodurch das Ganze phasenweise wie eine wunderbare Parodie des Genres daher kommt, zugleich aber zu keiner Zeit die Ernsthaftigkeit der Thematik außer acht lässt. Aufgrund der Form der Inszenierung fühlt man sich im Prinzip die ganze Zeit über in einem Bühnenstück das mit einer geringen Anzahl an Darstellern besetzt ist. Man ist dabei ausschließlich mit den beiden Hauptfiguren konfrontiert, die mit Michael Caine und Laurence Olivier absolut perfekt besetzt sind.

Die Performance der beiden großen Mimen ist schwer in Worte zu fassen, denn beide Akteure präsentieren an dieser Stelle ein ganz großes Stück Schauspielkunst, das der Story ganz unweigerlich einen unverwechselbaren Stempel aufdrückt. Es ist dabei eine wahre Freunde, den beiden Protagonisten dabei zuzusehen, wie sie sich mit jeder Menge Wortwitz und geschliffenen Dialogen ein psychisches Katz und Mausspiel liefern, das man in der vorliegenden Form viel zu selten zu Gesicht bekommt. Gestalten sich nur zu oft ähnlich inszenierte Geschichten ein wenig langatmig und zäh, so tritt dieser Aspekt in keiner einzigen Phase der Ereignisse in den Vordergrund. Dafür hat Mankiewicz allein durch die etlichen Plot Twists gesorgt, denn obwohl der Betrachter fast durchgehend in dem Glauben gelassen wird den Abläufen immer zwei Schritte voraus zu sein, wird er ständig eines Besseren belehrt. 

Es ist schon recht erstaunlich, das trotz einer Laufzeit von gut zwei Stunden überhaupt keine Längen auftreten. Dafür sorgt schon die eingehende Beleuchtung der beiden Haupt Charaktere, denn sowohl die Figur von Caine sowie die von Olivier werden dermaßen vielschichtig in Szene gesetzt, das für genügend Abwechslung gesorgt ist. Dabei scheinen die Rollen zu Beginn ziemlich klar umrissen, doch mit zunehmender Laufzeit kristallisieren sich immer stärker zum Vorschein kommende Veränderungen heraus, die einem ein Höchstmaß an Vielfältigkeit anbieten. Man merkt in jeder einzelnen Einstellung das hier zwei Könner ihres Faches am Werke sind und dieser Umstand verleiht dem gewonnenen Gesamtbild etwas absolut Hervorstechendes. Dabei ist es ganz besonders auffallend, wie sich beide Darsteller gegenseitig die Bälle zuwerfen und sich im Laufe der Zeit die jeweiligen Positionen verändern.

Elemente wie Macht, Demütigung, Intrigen und Betrug stehen dabei im Mittelpunkt, gleichzeitig sind aber auch rätselhafte Elemente und Mord Triebfedern, von denen eine unglaubliche Faszination ausgeht. Das alles wurde mit einer wunderbar humoristischen Note unterlegt, so das letztendlich ein überragendes Gesamtpaket entstanden ist. Von diesem Film muss man ganz einfach begeistert sein und "Mord mit kleinen Fehlern" ist in seiner Gesamtheit ein absolutes Juwel des Genres, das man unbedingt gesehen haben sollte. Eine mehr als interessante Geschichte wurde hier einerseits äußerst spannend in Szene gesetzt, zugleich aber auch mit unvorhersehbaren Wendungen und einer Menge Humor ausgestattet. Die beiden grandios agierenden Schauspieler veredeln das Geschehen dann letztendlich ungemein und übertrumpfen sich gegenseitig mit ihrem hervorragenden Schauspiel fast im Minutentakt. Wer also seine Freude an rätselhaften Psycho Spielchen hat und diese in einer hervorstechenden Verpackung genießen möchte, der ist bei diesem Werk definitiv an der richtigen Adresse und sollte unbedingt zu der vorliegenden DVD greifen.


Fazit:


"Mord mit kleinen Fehlern" ist ein kleines Meisterwerk und darf ohne Übertreibung als echte Perle des Genres bezeichnet werden. Michael Caine und Laurence Olivier in absoluter Höchstform liefern sich hier einen perfiden Schlagabtausch, der sicherlich auch sehr nachhaltig im Gedächtnis des Betrachters hängen bleibt und wirklich Eindruck hinterlässt.


10/10

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