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Mittwoch, 13. April 2016

Zipper






Zipper
(Zipper)
mit Patrick Wilson, Lena Headey, Ray Winstone, Richard Dreyfuss, John Cho, Dianna Agron, Christopher McDonald, Alexandra Breckenridge, Penelope Mitchell, Elena Satine, James Moses Black, Jim Shannon, Karan Chawla
Regie: Mora Stephens
Drehbuch: Mora Stephens / Joel Viertel
Kamera: Antonio Calvache
Musik: H. Scott Salinas
FSK 12
USA / 2015

Ein einziges Treffen mit einem Luxus-Callgirl genügt, um in Sam Ellis eine Lawine loszutreten. Der erfolgreiche Staatsanwalt verliert sich zusehends in Sexabenteuern mit Professionellen. Dabei hat er eine sehr attraktive Frau, die für den kleinen Sohn ihre eigene Karriere auf Eis gelegt hat. Es gibt auch keinen Mangel an gutem Sex in Ellis‘ Leben, aber die teuren Nummern in irgendwelchen Hotelzimmern füllen eine Lücke, die er selbst nicht benennen kann. Er kann einfach nicht damit aufhören. Nicht einmal, als ein Aufstieg in den US-Senat winkt, kann er seine Sexsucht beherrschen. Als das FBI den Escort-Ring aushebt, bei dem auch Ellis Kunde war, droht seine gesamte Zukunft an einem Sexskandal zu scheitern. Sam Ellis muss das mit allen Mitteln verhindern..


Im ersten Moment könnte man aufgrund der Inhaltsangabe davon ausgehen, das es sich bei "Zipper" um einen ganz gewöhnlichen Erotikthriller handelt. Ziemlich schnell wird jedoch ersichtlich das dieser Eindruck täuscht, denn die vorliegende Geschichte bietet weitaus mehr, denn auch politische Verwicklungen und diverse Machtspiele stehen im Fokus eines Filmes, der den Zuschauer von der ersten bis zur letzten Minute in seinen Bann zieht. Das Geschehen ist recht hochkarätig besetzt und das ist auch gut so, denn das dargebrachte Schauspiel ist einer der Höhepunkte eines Szenarios, das einen ganz unweigerlich in den Sumpf von Verrat, Macht und menschlicher Obsession hinein zieht. Regisseurin Mora Stephens legt an dieser Stelle ein wirklich beeindruckendes Langfilm Debüt vor und lässt sich zunächst einmal genügend Zeit, dem Betrachter die einzelnen Charaktere näher zu bringen. Die Skizzierung der einzelnen Figuren fällt dabei intensiv und ausführlich aus, so das man verhältnismäßig schnell einen guten Zugang zu den Personen bekommt. Im Mittelpunkt steht dabei der aufstrebende Staatsanwalt Sam Ellis, der von einem glänzend aufspielenden Patrick Wilson erstklassig in Szene gesetzt wird. An seiner Figur ist sehr gut fest zu machen, das viel Geld und beruflicher Erfolg nicht immer ausreichend erscheinen um ein erfülltes Leben zu führen. Denn obwohl in seiner scheinbar intakten Familie alles nahezu perfekt zu sein scheint, ziehen mit zunehmender Laufzeit immer dunklere Wolken am Horizont auf und es vollzieht sich gleichzeitig eine vollkommene Wandlung des Familienvaters, der einer wahren Besessenheit verfällt.

Was in der Erzählung mit einem augenscheinlich harmlosen sexuellen One Night Stand mit einer Escort Dame beginnt, entwickelt sich mit zunehmender Laufzeit zu einer Obsession, die anscheinend durch nichts aufzuhalten ist. Stellt Stephens den ersten Ehebruch noch als Neugier eines Mannes heraus der extrem früh geheiratet hat, so präsentiert sie dem Betrachter in der Folge regelrecht einen Suchtkranken, der ohne käuflichen Sex sein Leben nicht mehr bestreiten kann. Ein überzogener Kreditrahmen und ständige Lügen gegenüber seiner Frau sind dabei noch die kleinsten Probleme, denn im Laufe der Zeit wird durch behördliche Ermittlungen gegen den Escort Service auch die berufliche Karriere der Hauptfigur bedroht. Imponierend erscheint bei dem Ganzen der Aspekt, das der Staatsanwalt hier wirklich wie ein Junkie auf Entzug dargestellt wird, denn immer öfter übermannt ihn das nicht stillbare Verlangen nach Sex mit Prostituierten. Das nun geführte Doppelleben hat allerdings seinen Preis und es wird mit der Zeit immer schwerer, das dunkle Geheimnis im Verborgenen zu halten. Und so verheddert sich Ellis immer mehr in einem tiefen Sumpf und ein sogartiger Strudel scheint ihn immer mehr aus seinem normalen Leben heraus zu reißen und in eine Welt aus purer Lust und Abhängigkeit zu spülen.

Diese Teile des Filmes sind jederzeit vordergründig und Stephens hält den politischen Teil ihrer Erzählung ganz bewusst etwas im Hintergrund. Dennoch sind die Elemente der Macht ein ganz wesentlicher Teil der Ereignisse und insbesondere das gewählte Ende beinhaltet eine ordentliche Portion Zynismus. Dort wird nämlich einmal mehr das Klischee bedient, das gewisse Bevölkerungsgruppen und höher gestellte Persönlichkeiten anscheinend durchaus gewisse Privilegien besitzen, doch mehr soll an dieser Stelle nicht verraten werden, um niemandem die Spannung vorweg zu nehmen. Wie dem aber auch sei, mit "Zipper" liegt ein absolut faszinierender Thriller vor, der eine ungemein spannende Geschichte erzählt und dabei mit ausführlichen Charakter Beleuchtungen aufwartet. Durch das authentische und teils überragende Schauspiel der Akteure wird das gewonnene Gesamtbild spürbar aufgewertet, so das letztendlich ein überdurchschnittlich guter Gesamteindruck hängen bleibt.

Man kann Mora Stephens wirklich nur beglückwünschen, hat sie doch mit ihrem Erstling sogleich einen beeindruckenden Film kreiert, der einen vom Anfang bis zum Ende zu fesseln vermag. "Zipper" ist nahezu ein Paradebeispiel dafür, wie aus anfänglicher Neugier eine nicht mehr zu kontrollierende Obsession wird, die ein gesamtes Leben in seine Bestandteile zerlegen kann. Gleichzeitig serviert das Szenario auch diverse Machtspiele und Beziehungen, die einem aus einer scheinbar hoffnungslosen Lage heraus holen können und eventuell sogar für einen beruflichen Karrieresprung sorgen. Am besten macht sich aber jeder selbst ein Bild davon, denn diesen tollen Film sollte man keinesfalls unbeachtet an sich vorbei ziehen lassen.


Fazit:


Da geht man ohne irgendwelche Erwartungen an einen Film heran und wird letztendlich mit einem richtig tollen Seherlebnis belohnt. So dürfte es einem auch bei "Zipper" gehen, der die Aufmerksamkeit des Betrachters sicherlich in erster Linie nicht durch seinen Titel entfacht. Dafür ist der Inhalt jedoch richtig stark und dürfte in etlichen Phasen auch durchaus zum nachdenken anregen.


8/10

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