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Freitag, 13. Mai 2016

Alibi für James







Alibi für James
(Alibi für James)
mit Peter Vogel, Heinz Ehrenfreund, Jochen Brockmann, Gerald Florian, Josef Krastel, Ulli Fessl
Regie: Rudolph Cartier
Drehbuch: Rudolph Cartier / Raymond Bowers / Florian Kalbeck
Kamera: Gerhard Wanderer
Musik: Hans Hagen
FSK 6
Österreich / 1966

Eine neblige Landstraße irgendwo in England: Ein Radfahrer wird von einem schnellen Wagen überrollt. Das Auto gehört dem berühmten Rennfahrer Marshal Armitt, gefahren ist aber sein Bruder James, der sich den Wagen ausgeborgt hatte. Marshal konstruiert ihm ein Alibi für die "Tatzeit". James soll der Polizei gegenüber aussagen, er sei bei seiner Mutter gewesen. Das Alibi wird genau abgesprochen, doch damit stürzt Marshal seinen Bruder ins Verderben: Die Mutter wurde - was James noch nicht weiß - zur selben Zeit ermordet! Da James nun aussagt, zum Zeitpunkt des Überfalls im Hause der Mutter gewesen zu sein, muss ihn Inspektor Hurst von Scotland Yard festnehmen. Hat Marshal James nur ein Alibi konstruiert, um selbst nicht unter Mordverdacht zu geraten? Und wenn ja, wird sein perfider Plan aufgehen? Welche Rolle spielt Marshals Exgeliebte Mercia, die sich ausgerechnet am Morgen nach der Tat in Marshals Wohnung aufhält?


In der Reihe der Pidax Film Klassiker sind schon so einige eher unbekannte Perlen erschienen und nun hat das Label Ascot Elite mit dem vorliegenden "Alibi für James" ein weiteres kleines Juwel heraus gebracht. Fast fünf Jahrzehnte hat dieser österreichische Film nun schon auf dem Buckel, doch der unglaubliche Charme sowie eine ganz eigene Faszination ziehen den Zuschauer auch heute noch in ihren Bann. Rudolph Cartier hat seinerzeit eine erstklassige und ineinander verschachtelte Geschichte in Szene gesetzt, die in ihrer Aufmachung schon ein wenig an diverse bekannte Krimis von Francis Durbridge erinnert. Dabei hinterlässt das Ganze hauptsächlich den Eindruck eines Bühnenstückes, denn durch den räumlich begrenzten Schauplatz erinnert das Szenario doch recht stark an eine Theaterbühne. Sämtliche Abläufe spielen sich nämlich in der Wohnung eines Tatverdächtigen ab, zudem ist die Inszenierung auch nur mit wenigen Darstellern besetzt. Diese machen ihre Sache allerdings äußerst gut und drücken dem Film durch ihr ausdrucksstarkes Schauspiel einen ganz persönlichen Stempel auf.

Die für Produktionen der damaligen Zeit oft vorhandene Theatralik kommt auch hier sehr stark zum Ausdruck, wobei man diesen Aspekt als Liebhaber von Klassikern keinesfalls negativ bewerten sollte. Es handelt sich nun einmal um ein altbekanntes Stilmittel der 60er Jahre und verleiht diesen Filmen einen stark ausgeprägten Liebreiz. Für viele jüngere Zuschauer mag eine solche Inszenierung eher altbacken und angestaubt wirken, doch "Alibi für James" ist ein wirklich spannender und sehr gut umgesetzter Krimi, der gerade zum Ende hin auch noch eine nicht zu vermutende Wendung beinhaltet. Freunde von einem hohen Tempo oder diversen Action Einlagen kommen hier sicherlich nicht auf ihre Kosten, gestaltet sich die Story doch durchgehend extrem dialoglastig. Die Begeisterung entfacht das Geschehen vielmehr durch die enthaltene Raffinesse, die Cartier seiner Erzählung einverleibt hat.

Es macht einfach riesigen Spaß, zusammen mit dem ermittelnden Inspektor auf die Suche nach Widersprüchen in den Aussagen der Tatverdächtigen zu gehen und dabei auf die ganzen kleinen Details zu achten, die eventuell zur Lösung des mysteriösen Falles beitragen könnten. Kenner solcher Szenarien dürfte es allerdings nicht sonderlich schwer fallen zu erahnen, was letztendlich am Ende heraus kommt. Überraschend dürfte dafür aber der Weg sein, der im Endeffekt den wahren Täter überführt. An dieser Stelle hat der Regisseur nämlich beim Finale einen Twist eingebaut, den man nun wirklich nicht zwangsläufig vorher sehen konnte. Das sorgt dann auch für ein insgesamt äußerst stimmiges Gesamtbild und dürfte den Nostalgikern unter uns ein hervorragendes Seherlebnis bescheren, an dem man auch heutzutage noch seine helle Freude hat.

Gerade in der heutigen Zeit voller Action, Effektgewitter und übermäßiger Härte in Filmen ist es immer wieder wohltuend, wenn man in regelmäßigen Abständen so wunderbare Klassiker geboten bekommt. Kommt man so doch in den Genuss von vielen eher wenig bekannten Werken, die man ansonsten wohl eher nicht unbedingt auf dem Schirm gehabt hätte. "Alibi für James" zählt definitiv zu dieser Kategorie und ist jedem Liebhaber des klassischen Krimis der 60er Jahre nur wärmstens zu empfehlen.


Fazit:


Natürlich ist es eine Sache des persönlichen Geschmacks, aber mich faszinieren diese nostalgischen Klassiker immer wieder aufs Neue. Mit "Alibi für James" ist nun ein weiterer hinzu gekommen und dieser Film sollte wirklich bei jedem Liebhaber in der heimischen Sammlung stehen.


8/10

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