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Sonntag, 8. Mai 2016

Die Todeskralle schlägt wieder zu







Die Todeskralle schlägt wieder zu
(Meng Long Guo Jiang)
mit Bruce Lee, Nora Miao, Chuck Norris, Ping Ou Wei, Chung-Hsin Huang, Robert Wall, Ing-Sik Whang, Di Chin, Tony Liu, Little Unicorn, Malisa Longo, Fu Ching Chen, Wu Ngan, Lo-Ba Chen, Jon T. Benn
Regie: Bruce Lee
Drehbuch: Bruce Lee
Kamera: Tadashi Nishimoto
Musik: Joseph Koo
FSK 16
Hongkong / 1972

In Rom hat es ein Verbrechersyndikat auf ein chinesisches Restaurant abgesehen. Die Besitzer wären den Gangstern zweifellos ausgeliefert, hätten sie nicht Tang Lung (Bruce Lee), der ihnen mit seinen versierten Kampfkünsten hilfreich zur Seite steht. Nach mehreren misslungenen Versuchen, den neuen Verteidiger aus Hongkong zu bezwingen, heuert der Boss der Truppe schließlich den amerikanischen Karatemeister Colt (Chuck Norris) an, der für eine endgültige Entscheidung über Sieg und Niederlage sorgen soll.


Im gleichen Jahr wie "Todesgrüße aus Shanghai" erschien auch der vorliegende Beitrag "Die Todeskralle schlägt wieder zu" und dieses Mal war Bruce Lee nicht nur in der Hauptrolle zu sehen, er zeichnete gleichzeitig auch für die Regie sowie das Drehbuch verantwortlich. Dadurch entstand meiner Meinung nach wieder ein kleiner, aber nicht unwesentlicher Stilbruch zum Vorgänger, denn auf einmal sah sich der Betrachter wieder mit gewöhnungsbedürftigem Humor konfrontiert, der dem Gesamteindruck eher abträglich war. Dabei hat es Lee dann auch an einigen Stellen zu gut gemeint und dem Geschehen diverse skurrile Momente verpasst, die teilweise schon etwas albern erscheinen. Ganz besonders kommt das im ersten Drittel des Filmes zum Vorschein, in dem es lange Zeit an echten Kampfszenen mangelt, das dafür jedoch umso mehr teils deplaciert erscheinende Passagen beinhaltet. Danach legt sich das Ganze aber wieder und das ist auch gut so, denn im weiteren Verlauf entwickelt sich dann doch noch ein absolut sehenswerter Martial Arts Vertreter, der sein absolutes Highlight sicherlich im finalen Endkampf zwischen Bruce Lee und Action B-Ikone Chuck Norris hat. 

Bis dahin ist es jedoch ein langer Weg, der wie schon kurz erwähnt nicht nur gute Passagen beinhaltet, denn die phasenweise immer wieder in den Vordergrund tretenden Albernheiten schmälern das Filmvergnügen doch ein wenig, wenn man nicht gerade ein ausgewiesener Fan des überzogenen Humors ist. Trotz dieses offensichtlichen Mankos ergibt sich aber letztendlich ein richtig guter Film, in dem es nach dezenten Anlaufschwierigkeiten einmal mehr herausragende Kämpfe zu bestaunen gibt. Lee präsentiert sich dabei wie gewohnt in absoluter Höchstform, wobei insbesondere sein austrainierter und muskulöser Körperbau ein Fest für jeden Kampfsport Fan sein dürfte. Die Choreografien der einzelnen Fights sind einmal mehr sensationell und dürften auch nach heutigen Maßstäben immer noch absolut sehenswert erscheinen. Erstaunlich erscheint dabei immer wieder, mit welcher Eleganz und Geschmeidigkeit sich Lee fast wie ein Raubtier bewegt und damit allein schon von der Schnelligkeit her für seine Gegner nicht zu fassen ist. 

Lediglich der brillant in Szene gesetzte Endkampf mit Norris stellt hier eine Ausnahme dar, denn zu Beginn scheint an dieser Stelle das Unmögliche zu passieren, da Bruce zu Beginn ordentlich Keile einstecken muss und erst nach zähem Ringen am Ende die Oberhand behält. Der Kampf der beiden Legenden hat bei den Fans nicht umsonst seinen verdienten Kultstatus, offenbart sich doch an dieser Stelle das Aufeinandertreffen zweier Superstars die sich zur damaligen Zeit beide auf dem Höhepunkt ihrer Kampfkunst befanden. Aber auch die Kämpfe vor dem eigentlichen Gipfeltreffen sind äußerst gut inszeniert und bieten das, was man sich von einem Film dieser Art erwartet. Die Story an sich ist hingegen relativ simpel gestrickt und bedient sich des Hauptaufhängers, das ein Verbrechersyndikat sich des Restaurants bemächtigen will, das einer Bekannten des jungen Tang Lung (Bruce Lee) gehört. Hat man beim Vorgänger "Todesgrüße aus Shanghai" durch das Zufügen diverser Elemente noch eine inhaltliche Tiefe erkennen können, so sucht man diese Zutat in vorliegendem Fall leider vergebens. So erinnert dieser Film dann auch in gewisser Art und Weise an "Die Todesfaust des Cheng Li", wobei aber Gott sei Dank auf das dort erkennbare und streckenweise völlig unlogische Verhalten einiger Protagonisten verzichtet wurde. 

Insgesamt gesehen ist "Die Todeskralle schlägt wieder zu" ganz bestimmt nicht der beste Vertreter unter den echten Bruce Lee Filmen, aber bis auf einige kleinere Abstriche präsentiert sich dennoch ein recht hochklassiger Actionfilm, der in erster Linie durch die grandiose in Szene gesetzten Kampfeinlagen brilliert. Beim dargebotenen Schauspiel der Akteure sollte man allerdings keine Wunderdinge erwarten, denn ausdrucksstarke Mimik oder gar nennenswerte Momente jenseits der Fights kocht man hier eher auf Sparflamme. Und so kann man dann zu dem Gesamtergebnis gelangen, das in einigen Bereichen ein kleiner Rückschritt gegenüber "Todesgrüße aus Shanghai" zu erkennen ist, in Sachen Kampfsport aber einmal mehr die Latte sehr hoch angelegt wurde.


Fazit:


Ohne die unnötigen und manchmal albern wirkenden Einlagen hätte "Die Todeskralle schlägt wieder zu" eine noch höhere Bewertung bekommen, aber leider wird der Gesamteindruck in meinem Fall durch zu viele skurrile Momente ein wenig getrübt. Dennoch siedelt sich das Werk immer noch im oberen Drittel an, denn als Verehrer der Kampfsport Legende kann man ganz einfach keinen einzigen Film mittelmäßig bewerten, was manch einer aber bestimmt etwas anders sehen wird. 


8/10

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