Follower

Sonntag, 12. Juni 2016

Baskin






Baskin
(Baskin)
mit Mehmet Cerrahoglu, Gorkem Kasal, Ergun Kuyucu, Muharrem Bayrak, Fatih Dokgöz, Sabahattin Yakut, Berat Efe Parlar, Sevket Suha Tezel, Seyithan Özdemir, Sevinc Kaya, Mümin Kaar, Fulya Peker, Fadik Bülbül
Regie: Can Evrenol
Drehbuch: Can Evrenol / Ogulcan Eren Akay / Cem Ozuduru / Ercin Sadikoglu
Kamera: Alp Korfali
Musik: Ulas Pakkan
keine Jugendfreigabe
Türkei / 2015

Unterwegs auf einer routinemäßigen Nachtstreife wird eine Polizeieinheit als Verstärkung zu einem verlassenen Haus gerufen, über das so einige beunruhigende Geschichten kursieren. Auf dem Weg dorthin provoziert eine merkwürdige Kreatur einen Unfall, der die Gruppe zwingt, ihr Ziel zu Fuß zu erreichen - wo sie nur noch auf einen leeren Polizeiwagen trifft. Von den Kollegen fehlt jede Spur. Auf der Suche nach ihnen arbeiten sich die Männer immer tiefer in das Gebäude vor und finden sich plötzlich als ahnungslose Ehrengäste inmitten einer schwarzen Messe wieder: in einer Welt der Finsternis und unvorstellbaren Qualen, aus der es kein Entkommen gibt. In dieser Hölle auf Erden wünschen sie sich bald nur noch den Tod, aber auch der bringt nicht immer die erhoffte Erlösung...


Die Türkei hat nicht unbedingt den Ruf, das sie massenweise gute Horrorfilme produzieren würde. Auf Anhieb fällt dem geneigten Genre Fan so auch lediglich das Werk "Dobbe - Die Dämonischen" aus dem Jahr 2006 ein, der allerdings einen recht ordentlichen Eindruck hinterlassen konnte. Nun bekommt man mit "Baskin" das viel umjubelte und hoch gelobte Regie Debüt von Can Evrenol serviert und weiß im Vorfeld nicht so wirklich, was man an dieser Stelle erwarten soll. Die ersten gut 30 Minuten des Filmes tendieren dann auch in keine bestimmte Richtung und suggerieren schon gar nicht, das sich in der Folge noch eine ziemlich bemerkenswerte Kombination aus Fantasy und Horror präsentieren soll. Zunächst einmal wird der Zuschauer nämlich lediglich mit einigen Polizisten konfrontiert, die am Abend zusammen in einer Kneipe sitzen und dabei teils sinnlose Dialoge zum Besten geben, die größtenteils von einer recht derben Fäkalsprache durchzogen sind. Typisches Macho-Gehabe steht im Vordergrund, bevor die Geschichte dann nach einer guten halben Stunde eine völlig andere Richtung einschlägt, was man allein schon an der nun zum Vorschein kommenden Atmosphäre förmlich spüren kann.

Diese verdichtet sich dabei fast im Minutentakt, gleichzeitig zieht eine stark ausgeprägte und sehr unheilvolle Note in das Geschehen ein, wobei die Gründe dafür noch einige Minuten im Dunkeln bleiben sollen. Evrenol versteht es sehr geschickt einen konstant ansteigenden Spannungsaufbau in Szene zu setzen, gleichzeitig mischt er seiner Erzählung von nun an auch stark ausgeprägte Fantasy Elemente bei, die von nun an die Ereignisse bis zur wirklich letzten Einstellung begleiten sollen. Das Ergebnis ist ein atmosphärisch wunderbar stimmiger Genre Mix, wobei das Szenario sicherlich nicht so gestaltet ist, das es alle Geschmäcker zufrieden stellen wird. Teilweise ergibt sich nämlich die ein oder andere auf den ersten Blick verwirrende Passage, für die man selbst mit dem verwendeten Ende eine vollkommen erschöpfende Erklärung erhält. Im Prinzip ist das aber auch überhaupt nicht nötig, denn ganz bewusst lässt der Regisseur an dieser Stelle auch ein wenig Freiraum für eigene Interpretationen des jeweiligen Betrachters, zudem fügt er den Abläufen auch dezent auftretende religiöse Elemente bei, was die ganze Chose aber nur noch interessanter erscheinen lässt. 

Außerdem weiß das exzellente Spiel zwischen Realität und etlichen surrealen Momenten sehr zu gefallen, wobei man an etlichen Stellen gar nicht einmal so genau deuten kann, welche Sequenz in welche der beiden Kategorien einzuordnen ist. Das mag teilweise ein wenig verwirrend erscheinen, verleiht dem Szenario aber andererseits einen ganz speziellen Reiz und lässt dieses Werk definitiv aus der breiten Masse hervor stechen. Im letzten Drittel zieht dann auch noch ein ansehnlicher Härtegrad in die Story ein, wobei jedoch die vom Deadline Magazin erwähnte "exquisite Gourmet-Schlachteplatte" nicht wirklich zu erkennen ist. Zwar bekommt man einige etwas heftigere und auch eklige Einstellungen zu sehen, doch rein prinzipiell überschreitet man zu keiner Zeit den handelsüblichen Rahmen. Dennoch sollte man keinesfalls enttäuscht sein, denn die gefundene Mischung aus sämtlichen vorhandenen Zutaten ist absolut stimmig und sehenswert, nur wird sich manch einer ganz sicher von erwähnter Äußerung in eine völlig falsche Richtung lenken lassen.

Letztendlich wird ein Film wie "Baskin" nicht nur auf Zustimmung und gute Bewertungen treffen, denn die hier gewählte Kombination aus verschiedenen Genres ist phasenweise vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig. Wer aber gern einmal über den Tellerrand hinaus schaut und nicht nur den üblichen Einheitsbrei begutachten möchte, ist bei Evrenols Erstling bestens aufgehoben. Mir persönlich hat diese türkische Produktion jedenfalls ausnehmend gut gefallen, so das ich auf jeden Fall eine klare Empfehlung an alle jene aussprechen kann, die einen gelungenen und streckenweise innovativen Horrorfilm zu schätzen wissen. "Baskin" geht ganz eindeutig seinen ganz eigenen Weg und siedelt sich so jenseits vieler 08/15 Horrorfilme der letzten Zeit an, was man in meinen Augen als äußerst positiv und angenehm bewerten kann.


Fazit:


Can Evrenol hätte es sich auch leicht machen können, indem er wie viele andere Regisseure ganz einfach ein unzählige Male verfilmtes Thema kopiert hätte. Stattdessen aber legt er eine nicht alltägliche Geschichte vor und sorgt gleichzeitig auch noch für eine gelungene Symbiose aus Horror-und Fantasy Elementen. Das mag nicht jedem gefallen, ist aber eine äußerst willkommene Abwechslung und macht auch gleichzeitig Hoffnung, das man von dem guten Mann in Zukunft noch mehr Sehenswertes erwarten kann.


8/10

Keine Kommentare: