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Samstag, 11. Juni 2016

Mein letzter Kampf







Mein letzter Kampf
(Game of Death)
mit Bruce Lee (Archivbilder), Colleen Camp, Dean Jagger, Gig Young, Tae-jeong Kim, Biao Yuen, Robert Wall, Kareem Abdul-Jabbar, Mel Novak, Hugh O'Brian, James Tien, Dan Inosanto, Russell Cawthorne, Chuck Norris (Archivbilder)
Regie: Robert Clouse
Drehbuch: Robert Clouse
Kamera: Godfrey A. Godar
Musik: John Barry
FSK 16
Hongkong / USA / 1978

Der meteorhafte Aufstieg des jungen Kung-Fu-Filmstars Billy Lo (Bruce Lee) hat die Aufmerksamkeit eines Gangstersyndikats erregt, das sich mit der Ausbeutung von Prominenten aus der Show- und Sportwelt beschäftigt. Der Kopf des Unternehmens ist Dr. Land (Dean Jagger). Er will Billy und seine talentierte Freundin, die Sängerin Ann Morris (Collen Camp), für sich verpflichten. Mehr um Ann als um sich selbst besorgt, gerät Billy in eine Zwickmühle. Sogar sein alter Freund, der UPI-Korrespondent Jim Marshall (Gig Young), kann ihm nur sagen: "Entweder du unterschreibst oder deine Karriere ist im Eimer.


Obwohl Bruce Lee schon 5 Jahre tot war, zählt der 1978 erschienene Film "Mein letzter Kampf" zu den echten Werken der Kampfsport Ikone. Allerdings ist dieses Werk auch vielen Fans ein echter Dorn im Auge und sorgt so auch für die unterschiedlichsten Meinungen. Zumindest teilweise ist das auch durchaus nachzuvollziehen, präsentiert sich doch einerseits vom rein filmischen Standpunkt her ein manchmal seltsam zusammen gestückeltes Szenario, waren doch zum Todeszeitpunkt des Hauptdarstellers gerade einmal die Hälfte der Dreharbeiten abgeschlossen. Erst fünf Jahre später erschien dann eben die vorliegende Fassung, die unter der Regie von Robert Clouse entstanden ist und serviert dem Betrachter dabei eine Geschichte, die man stellenweise durchaus als Stückwerk bezeichnen kann. Durch den viel zu frühen Tod Lee's entschied man sich, die ausstehenden Passagen mit Archivbildern oder zumindest entfernt ähnlich aussehenden Darstellern (Tae-jeong Kim, Biao Yuen) zu drehen, was sicherlich nicht ganz so einfach war. Dadurch erhält der Film in der Gesamtbetrachtung auch einen etwas gewöhnungsbedürftigen Anstrich und gerade die beiden aufgezählten Darsteller agieren stellenweise ein wenig hölzern und ungelenk. Zudem besteht rein optisch auch nur recht wenig Ähnlichkeit, was sich nicht nur auf das Gesicht, sondern auch auf den reinen Körperbau bezieht. Aus diesem Grund sind beide Akteure zumeist auch entweder nur mit Sonnenbrille, von hinten, oder aus größerer Entfernung zu sehen, was dem gewonnenen Gesamtbild nicht immer unbedingt zuträglich ist.

Und trotz dieses unübersehbaren Mankos handelt es sich bei "Mein letzter Kampf" meiner persönlichen Meinung nach um einen absolut faszinierenden Beitrag der in keiner gut sortierten Sammlung fehlen darf, gerade weil an dieser Stelle auch immer ein wenig Wehmut über den frühen Tod der Ikone mitschwingt. Die Erzählung an sich gerät durch die angesprochenen Aspekte an diversen Stellen zwar etwas ins Stocken und auch rein inhaltlich handelt es sich im vorliegenden Fall sicherlich um keine Offenbarung, dennoch ist es den Machern relativ gut gelungen, einen konstanten Spannungsbogen zu erzeugen. Den Höhepunkt beinhaltet das Werk ganz bestimmt in der Phase, als Hauptfigur Billy Lo in einer Pagode auf mehreren Etagen mit verschiedenen Kämpfern konfrontiert wird. An dieser Stelle kommt dann auch der eigentliche Zweck der Story zum tragen, wollte Lee doch mit diesem Szenario seine Philosophie zum Ausdruck bringen und die Passagen in dem mehrstöckigen Gebäude als Entwicklungsstufen immer neuer Herausforderungen in seinem Leben interpretieren. Das gelingt auch in der vorliegenden Form ohne ihn relativ gut und soll im 1981 erschienenen "Game of Death 2" (Der letzte Kampf der Todeskralle) noch einmal thematisiert werden.

Wie dem auch sei, mein persönliches Highlight ist definitiv der Kampf mit der ehemaligen Basketball Legende Kareem Abdul-Jabbar, wobei in erster Linie schon die Größenunterschiede der beiden Kontrahenten extrem ins Auge fallen. Das von Clouse verwendete Archivmaterial der Geschichte rückt schon ganz am Anfang in den Mittelpunkt, bekommt der Betrachter hier doch noch einmal Ausschnitte des Kampfes zwischen Bruce Lee und Chuck Norris zu sehen, der im 1972 erschienenen "Die Todeskralle schlägt wieder zu" der krönende Abschluss eines tollen Filmes war. Außerdem gibt es kurze Einblendungen der Schluss Szene aus "Todesgrüße aus Shanghai" (1972), wobei das Finale des Filmes hier als Attentatsversuch auf die Hauptfigur Billy herhalten muss. Insgesamt gesehen hört sich das ziemlich wirr und auch zusammen gestückelt an und diese Tatsache kann man auch keinesfalls weg reden, aber trotzdem handelt es sich für manch einen gerade aufgrund der angesprochenen Mankos um den interessantesten "echten" Bruce Lee Film.

Letztendlich ist es wie immer die reine Geschmackssache und es liegt im Auge des jeweiligen Zuschauers, wie negativ man die vorhandenen Defizite bewertet. Eines kann man diesem Film jedoch keinesfalls absprechen und das ist sein ganz besonderer Reiz, der auch bis in die heutige Zeit immer noch vorhanden ist. Zudem sollte man auch nicht unerwähnt lassen, das "Mein letzter Kampf" mit einem erstklassigen Score unterlegt ist, denn John Barry ist meiner persönlichen Meinung nach für die mit Abstand beste Filmmusik aller Bruce Lee Filme verantwortlich. 


Fazit:


Man muss bei diesem Werk ganz bestimmt gewisse Abstriche machen, aber durch die unübersehbaren Mängel innerhalb der Story nimmt "Game of Death" auch einen besonderen Stellenwert ein. Was anderen eventuell sauer aufstößt, macht für mich die ganz eigene Faszination eines Filmes aus, den ich mir auch heute noch immer wieder gern anschaue. Da stört es auch nicht weiter das der Fluss der Erzählung manchmal etwas ins Stocken gerät, denn insgesamt gesehen handelt es sich immer noch um einen Martial Arts Film, von dem sich so mancher Vertreter der heutigen Zeit eine Scheibe abschneiden könnte.


7/10

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