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Mittwoch, 17. August 2016

Candyman's Fluch






Candyman's Fluch
(Candyman)
mit Virginia Madsen, Tony Todd, Xander Berkeley, Kasi Lemmons, Vanessa Williams, DeJuan Guy, Marianna Elliott, Ted Raimi, Ria Pavia, Mark Daniels, Lisa Ann Poggi, Adam Philipson, Eric Edwards, Carolyn Lowery
Regie: Bernard Rose
Drehbuch: Bernard Rose / Clive Barker
Kamera: Anthony B. Richmond
Musik: Philip Glass
keine Jugendfreigabe
USA / 1992

Die beiden Studentinnen Helen und Bernadette stoßen bei den Recherchen zu ihrer Doktorarbeit über moderne urbane Legenden, auf die grausige Geschichte vom Candyman : Ein Schwarzer, der sich vor hundert Jahren in eine weiße Frau verliebte, ihr ein Kind machte und von deren Vater dafür grausam und bestialisch hingerichtet wurde, in dem ihm unter anderem die Hand abgesägt wurde, er mit Honig übergossen- und danach von hunderten Bienen zu Tode gestochen wurde. Diese Legende soll angeblich wieder kehren und einen, mit einem furchtbaren Haken anstelle der Hand, aufschlitzen wenn man fünf Mal vor dem Spiegel seinen Namen ausspricht. Helen, die an den grausamen Mythos nicht glauben mag, begibt sich auf die Suche nach der unvorstellbaren Wahrheit ...


Heutzutage werden die meisten Horrorfilme nur noch auf ihren Härtegrad reduziert und je mehr abgetrennte Gliedmaßen und kübelweise Blut zu sehen sind, desto begeisterter gibt sich der geneigte Fan. Es gab jedoch auch einmal Zeiten, in denen Dinge wie eine unheimliche und düstere Atmosphäre, eine interessante Geschichte und ein extrem gelungener Spannungsaufbau als Zutaten vollkommen ausreichend waren, damit ein Horrorfilm den Zuschauer gehörig in seinen Bann ziehen konnte. "Candyman's Fluch" von Bernard Rose ist dafür nahezu ein Paradebeispiel, denn dieser mittlerweile längst zum Kultfilm aufgestiegene Beitrag schafft es auch nach nunmehr fast 25 Jahren immer noch, eine fast schon hypnotische Wirkung auf den Betrachter auszuüben. Dabei kam Das Werk seinerzeit im Kino gar nicht einmal so gut an beim Publikum, gibt es doch kaum blutige Passagen, geschweige denn einen erhöhten Härtegrad zu begutachten. Im Laufe der Zeit schien man aber durchaus die Qualität der Story zu erkennen, die in erster Linie von einer extrem dichten Atmosphäre und ihrem übernatürlichen Anstrich getragen wird.

Vor allem in den ersten gut 45 Minuten passiert eigentlich relativ wenig, aber Rose hat diese Zeitspanne gekonnt dafür genutzt, eine ausführliche Einführung in die Legende des sogenannten "Candyman's" zu präsentieren. Dabei baut sich wirklich jede Menge Spannung auf und die vorherrschende Grundstimmung wirkt mysteriös und äußerst unheimlich. Gleichzeitig schürt man sehr gut die Erwartungshaltung des Zuschauers, der es mit zunehmender Laufzeit kaum noch erwarten kann, den "Candyman" endlich auch einmal kennen zu lernen. Mit Tony Todd ist die Rolle absolut perfekt besetzt und obwohl der beliebte Darsteller auch schon vorher, sowie auch nachher in unzähligen Produktionen mitwirkte, ist sein Name auch heute noch absolut untrennbar mit der Figur des "Candyman" verbunden. Ihm zur Seite steht die junge Virginia Madsen die in der Hauptrolle eine wirklich gute Performance abliefert. Sind ihre Recherchen über den legendären Titelhelden zu Beginn noch als interessantes Abenteuer anzusehen, so gerät sie mit zunehmender Laufzeit immer tiefer in einen Strudel grausamer Ereignisse, an deren Ende ein tragisches und dramatisches Finale steht. 

Bernard Rose ist es hervorragend gelungen, einen in der ersten Filmhälfte mit einer gewissen Erwartungshaltung auszustatten, um danach das übernatürliche Element der Story immer mehr in den Vordergrund zu rücken. Dadurch entfacht das Szenario eine hypnotische Wirkung auf den Betrachter, der zusammen mit der Hauptfigur immer tiefer in einen sogartigen Strudel eintaucht, aus dem es kein Entrinnen gibt. Zudem deutet "Candyman's Fluch" schon nach einer verhältnismäßig kurzen Zeit ziemlich deutlich an, das die Abläufe keinesfalls in einem Happy End münden. Das wäre aber auch vollkommen unpassend gewesen, denn die manchmal fast schon depressive Atmosphäre des Ganzen lässt erkennen, das man mit einem tragischen Showdown rechnen kann. Zu aussichtslos ist die Lage der Hauptfigur die sich hier auf eine Reise begeben hat, die keine Rückkehr gestattet. Wieso das so ist wird einem im letzten Drittel des Filmes etwas näher gebracht, so das letztendlich keine Fragen offen bleiben. Und so erscheint die gesamte Geschichte auch in sich extrem stimmig, sämtliche Zutaten sind nahezu perfekt aufeinander abgestimmt und erzeugen einen sehr harmonischen Gesamteindruck.

Bei den bisher aufgezählten Pluspunkten dieses Beitrags fehlt aber dennoch das in meinen Augen absolute Highlight, das meiner persönlichen Meinung nach ganz eindeutig im vorhandenen Score zu finden ist. Die musikalische Untermalung von Philip Glass ist nämlich als absolut brillant zu bezeichnen und ehrlich gesagt gibt es nur wenige Filme, bei denen der Soundtrack so dermaßen passend erscheint. Die unheimlichen Abläufe werden dadurch noch mehr hervor gehoben und die von Haus aus schon herausragende Grundstimmung wird noch einmal zusätzlich verstärkt. Insgesamt gesehen ergibt sich also ein nahezu perfektes Gesamtbild, das auch von den beiden noch folgenden Fortsetzungen nicht mehr annähernd erreicht werden kann. Zwar bieten die Nachfolger durchaus etwas mehr an visueller Härte, aber als Gesamtpaket wird die extrem hohe Qualität des Originals keinesfalls wiederholt.


Fazit:


"Candyman's Fluch" zählt absolut berechtigt zu den Kultfilmen der 90er Jahre und dürfte auch ganz generell als Horrorfilm sehr hoch eingestuft werden. Manch einer wird das sicherlich anders sehen, aber in seiner Gesamtinszenierung ist dieser Beitrag als echtes Juwel des Genres anzusehen, in dem übertriebene visuelle Gewaltdarstellungen völlig fehl am Platz gewesen wären.


9/10

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