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Donnerstag, 11. August 2016

Die Kröte






Die Kröte
(La Banda del gobbo)
mit Tomas Milian, Pino Colizzi, Isa Danieli, Salvatore Borghese, Luciano Catenacci, Solvi Stubing, Guido Leontini, Francesco D'Adda, Fulvio Mingozzi, Carlo Gaddi, Alessandra Cardini, Livio Galassi, Pierangelo Civera, Nello Pazzafini
Regie: Umberto Lenzi
Drehbuch: Umberto Lenzi / Tomas Milian
Kamera: Federico Zanni
Musik: Franco Micalizzi
ungeprüft
Italien / 1978

Vincenzo Marazzi (Tomas Milian), der Bucklige von Rom, kehrt zurück in seine alte Heimat. Immer auf der Suche nach dem schnellen Geld, plant er zusammen mit drei seiner ehemaligen Komplizen einen todsicheren Coup. Ein Geldtransport soll jegliche Sorgen für immer beseitigen. Marazzi hat jedoch nicht mit der Habgier seiner Mitstreiter gerechnet, und soll vor Ort getötet werden. Schwer verwundet kann er im Schutz der Kanalisation entkommen. Zusammen mit seinem Zwillingsbruder Monnezza (Tomas Milian) schmiedet er einen teuflischen Plan, um sich an den Verrätern zu rächen...


Es kommt durchaus des Öfteren vor das Regisseure bei ihren Filmen wiederholt auf die gleichen Schauspieler zurück greifen, da das Ergebnis der Zusammenarbeit sich immer wieder sehen lassen kann. Umberto Lenzi und Tomas Milian sind eines dieser Gespanne und im vorliegenden Beitrag "Die Kröte zeichnen die beiden sogar auch noch für das Drehbuch verantwortlich. Zudem ist Milian auch noch in einer Doppelrolle zu begutachten, spielt er doch gleichzeitig die beiden vollkommen unterschiedlichen Brüder Vincenzo und Monneza und legt dabei einmal mehr eine absolut gelungene Performance an den Tag. Insbesondere die Figur des buckligen Vincenzo erscheint ihm dabei wie auf den Leib geschneidert, kann er mit dieser doch einmal mehr als durchgeknallter Verbrecher brillieren, wie man es auch schon aus anderen Werken gewohnt ist. Zwar kommen auch hier wieder leicht psychotische Züge zum tragen, doch irgenwie schafft es Milian sehr gekonnt, etliche Sympathiepunkte des Zuschauers auf sich zu vereinen.

Denn obwohl er wie schon so oft als scheinbar skrupelloser Verbrecher auf den Plan tritt, erweckt er durch seine körperliche Behinderung eine Art von Mitleid beim Betrachter. Gleichzeitig verbirgt sich hinter der harten und coolen Fassade des Gangsters auch eine sehr menschliche Seite, was vor allem in seiner Beziehung zu der Prostituierten Maria bemerkbar. Ihr gegenüber scheinen nämlich wirkliche Gefühle im Spiel zu sein, was sich durchgehend im Verhalten von Vincenzo erkennen lässt. Aber auch gegenüber seinem Zwillingsbruder lässt sich hinter der rauen Fassade so etwas wie echte Bruderliebe erkennen, was insbesondere in der Schlusseinstellung des Filmes deutlich zu erkennen ist. Und gerade dieser Kontrast zwischen äußerlicher Härte und innerlicher Weichheit ist eines der Highlights dieses Beitrages, der ansonsten aber auch in allen anderen Belangen beste Filmkost des Cinema Italiano anbietet und dem geneigten Genre Fan das Herz aufgehen lässt. 

Tempo, Action und gnadenlose Rache sind die Triebfedern einer Story, die Lenzi absolut erstklassig und spannend in Szene gesetzt hat. "Die Kröte" hebt sich dabei sehr wohlwollend von etlichen anderen Beiträgen ab, denn durch die schon angesprochenen Merkmale beim dargebrachten Schauspiel handelt es sich nicht nur um den ansonsten handelsüblichen Italo-Actioner, es lässt sich an etlichen Stellen sogar eine gewisse inhaltliche tiefe erkennen. Das steht dem gewonnenen Gesamtbild meiner persönlichen Meinung nach extrem gut zu Gesicht und vor allem Tomas Milian stellt eindrucksvoll unter Beweis, das er durch seine Darbietung auch den psychopathisch angehauchten Verbrecher um einige Facetten bereichern kann. Eventuell stehe ich mit dieser Meinung eher allein da, doch sind es eben gerade die angesprochenen Kleinigkeiten beim Schauspiel, die hier den kleinen, aber äußerst feinen Unterschied ausmachen. Zudem hat Lenzi seiner Geschichte auch noch einen tragischen Anstrich verliehen, der sich durch das gewählte Finale erkennen lässt, in dem eine Flucht ein ziemlich dramatisches Ende nimmt.

Insgesamt gesehen ist "Die Kröte" ein weiterer Beweis dafür, das die Zusammenarbeit zwischen Umberto Lenzi und Tomas Milian viel mehr als eine reine Zweckgemeinschaft darstellt. Denn auch wenn Milian in eigentlich allen seinen Filmen zu überzeugen weiß, so scheint er in den Werken Lenzis noch einmal zusätzlich aufzublühen. Immense Spielfreude und eine sichtbare Identifikation mit den von ihm dargestellten Figuren sind das Ergebnis, was für den extrem stimmigen Gesamteindruck dieses Beitrags nicht gerade unwichtig ist.


Fazit:


Es ist sicherlich keine Übertreibung, wenn man den guten Tomas Milian als eine wahre Ikone des italienischen Films bezeichnet. Denn auch wenn der gute Mann ganz sicher nicht zu den besten Darstellern aller Zeiten zu zählen ist, so interpretiert er seine Rollen doch immer wieder mit ungeheurer Inbrunst und einer unglaublichen Überzeugungskraft. In vorliegendem Fall wird das einmal mehr unter Beweis gestellt und so sollte man sich dieses Kleinod des italienischen Kinos keinesfalls entgehen lassen.


8,5/10

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