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Mittwoch, 3. August 2016

Zorniges Land






Zorniges Land
(The World Made Straight)
mit Noah Wyle, Jeremy Irvine, Minka Kelly, Adelaide Clemens, Steve Earle, Haley Joel Osment, Marcus Hester, Colin Dennard, Alex Van, Robin Mullins, Frances Burnett, Robert Haulbrook, Sandra Ellis Lafferty, Ryan Taylor Harris
Regie: David Burris
Drehbuch: Shane Danielsen / Ron Rash
Kamera: Tim Orr
Musik: keine Information
FSK 16
USA / 2015

Auch 100 Jahre nach dem Ende des Bürgerkriegs hat eine Kleinstadt in North Carolina immer noch mit den Folgen eines brutalen Massakers von damals zu kämpfen. Gewalt scheint seit jenen Tagen ein fester Bestandteil des Dorflebens zu sein. Zu deren Bewohnern gehört auch der Teenager Travis, der sich eines Tages mit seinem Vater überwirft und daraufhin zu dem ehemaligen Lehrer Leonard Shuler zieht, der sich mit kleinen Drogendeals über Wasser hält. Der kurzzeitig einkehrende Frieden in Travis' Leben findet jedoch ein jähes Ende, als er und Leonard immer häufiger mit dem örtlichen Marihuana-Farmer Carlton aneinander geraten und eine Spirale aus Gewalt und Misstrauen los getreten wird.


Mit "Zorniges Land" legt David Burris ein sehenswertes und einfühlsames Regie Debüt vor und hält dem Zuschauer dabei eindrucksvoll vor Augen, das auch ein längst vergangener Krieg über ein Jahrhundert nach seiner Beendigung immer noch tiefe Wunden reißen kann. Zeitlich ist die vorliegende Geschichte zwar in den 70er Jahren angesiedelt, doch dient als Hintergrund Thematik der amerikanische Bürgerkrieg, der die dunklen Schatten der Vergangenheit wieder aufleben lässt. Im Mittelpunkt des Geschehens steht der heranwachsende Travis, der sich im Laufe der Ereignisse immer intensiver mit der Geschichte seiner eigenen Vorfahren auseinandersetzt und dabei auf Wahrheiten aus längst vergangenen Zeiten stößt, die vor allem seine Beziehung zu seinem Mentor Leonard mit dunklen Schatten belegen. Mehr sollte man an dieser Stelle auch überhaupt nicht auf die Geschichte eingehen, denn jeder sollte sich selbst ein Bild davon machen, welch erstklassig inszeniertes Drama sich hinter diesem Werk verbirgt.

Burris setzt hier auf eine ganz ruhige Erzählweise und präsentiert einem dabei ein visuell raues Bild des tiefsten amerikanischen Südens. Die Gegend in der sich die Abläufe abspielen, vermitteln ein trostloses Bild und beinhalten kaum Farbtupfer die dazu in der Lage wären, die teilweise depressiver Grundstimmung des Szenarios aufzuhellen. So entsteht die gesamte Laufzeit über ein Gefühl der Schwermütigkeit und die vorherrschende Atmosphäre lastet wie eine zentnerschwere Last auf den eigenen Schultern. Das verleiht dem Ganzen eine ungeheure Intensität, zudem sorgen die erstklassig agierenden Darsteller dafür, das die Szenerie zu keiner Zeit ihre Wirkung verfehlt. 

Besonders die beiden Haupt Charaktere Travis (Jeremy Irvine) und Leonard (Noah Wyle) verstehen zu glänzen und legen beide eine äußerst beeindruckende Performance ab. Allerdings ist "Zorniges Land" selbst bis in die kleinsten Nebenrollen nahezu perfekt besetzt und man bekommt absolut authentisches Schauspiel geboten. Für ein so ruhiges und dialoglastiges Drama ist das aber auch fast zwingend notwendig, damit gerade die extrem ruhigen Töne des Filmes auch so richtig auf einen einwirken können. Das ist in diesem Film definitiv der Fall und so kann sich der Betrachter auf ein absolut erstklassiges Filmerlebnis einstellen, das aber sicherlich nicht jeden Geschmack treffen wird.

Freunde von einem hohen Tempo oder jeder Menge Action sind nämlich definitiv an der falschen Adresse, dafür kommen jedoch die Freunde von intensiven Charakterzeichnungen und einer tiefer gehender Thematik voll auf ihre Kosten. Man sollte also schon wissen auf welche Art von Film man sich hier einlässt, um im nachhinein keine Enttäuschung zu erleben. Zu guter letzt sollte man noch erwähnen, das die hintergründige Thematik des amerikanischen Bürgerkrieges sich nicht um das ansonsten immer wieder bemühte Sklaven Thema dreht, sondern vielmehr ein zurückliegendes Massaker durch diverse Rückblenden beleuchtet, das auch über 100 Jahre später immer noch für familiären Zündstoff sorgt.


Fazit:


Für den Erstling von Noah Wyle kann man auf jeden Fall eine dicke Empfehlung an all jene aussprechen, die gut erzählte und intensive Geschichten zu schätzen wissen. Hervorragend agierende Schauspieler sorgen dafür, das man zu keiner Zeit so etwas wie Langeweile empfindet und letztendlich ist "Zorniges Land" sogar ein tolles Beispiel dafür, das Filme den Zuschauer auch ohne großartige Action vor dem Bildschirm regelrecht fesseln können.


8/10

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