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Donnerstag, 22. September 2016

Final Cut - Die letzte Vorstellung






Final Cut - Die letzte Vorstellung
(The last Showing)
mit Robert Englund, Finn Jones, Emily Berrington, Keith Allen, Malachi Kirby, Chris Geere, Brooklyn Baker, Andrew Burford, Steve Garry, Allistair McNab, Dan Morgan, Lee Palmer, Nick Thomas-Webster, Anthony Farrelly
Regie: Phil Hawkins
Drehbuch: Phil Hawkins
Kamera: Ed Moore
Musik: Richard Bodgers
FSK 16
Großbritannien / 2014

Martin und Allie wollen einen gemütlichen Abend bei Popcorn und Nachos im Kino verbringen. Doch der Kinosaal wird zu einer Falle und die beiden werden zu den unfreiwilligen Protagonisten ihres ganz persönlichen Horrorfilms. Ihr Peiniger ist Stuart, der alte Filmvorführer des Kinos, dessen Job durch die technische Entwicklung überflüssig geworden ist. Nun nutzt er das System von Überwachungskameras, um eine Vorstellung ganz nach seinen eigenen Wünschen zu inszenieren. Wer das Ende überleben wird, ist allerdings noch ungewiss...


Der gute Robert Englund war in den letzten Jahren in so einigen billigen B-und C Movies zu sehen, von denen kaum einer der Rede wert war. Nun ist zwar der vorliegende Beitrag "Final Cut - Die letzte Vorstellung" auch alles andere als eine Big Budget Produktion, jedoch offenbart sich ein recht raffiniert gestrickter Psychothriller, der mit einigen durchaus innovativen Momenten bestückt ist. Englund ist dieses Mal in der Rolle eines offensichtlich gestörten Filmvorführers zu sehen und im Gegensatz zu seinen letzten Rollen kann der ehemalige Freddy Krueger Darsteller hier absolut überzeugen. Als Zuschauer sollte man sich von Beginn an darauf einstellen, das man hier keinen vor Blut triefenden Schocker zu sehen bekommt, denn Regisseur Phil Hawkins legt den Fokus vielmehr auf ein äußerst perfides Katz und Maus Spiel, das mit zunehmender Laufzeit immer mehr an Intensität gewinnt und in einem recht tragischen Showdown mündet. Zugegebenermaßen ist der Film nicht frei von jeglichen Fehlern, denn obwohl Filmvorführer Stuart hier einen gut durchdachten Plan durchzieht, gibt es immer wieder kleinere Details, aufgrund derer man die Glaubwürdigkeit der Geschehnisse zumindest ein wenig in Frage stellen kann. Aber auch wenn es manchmal ein bisschen an der nötigen Logik mangelt, präsentiert sich insgesamt gesehen ein absolut sehenswertes Werk, das gleichzeitig auch durch mehrere Dialoge den modernen Horrorfilm kritisiert, der von den meisten Leuten nur noch aufgrund des vorhandenen Härtegrades bewertet wird.

Das Cover der deutschen Blu-ray suggeriert ganz bewusst Ähnlichkeiten zu Bigas Lunas "Im Augenblick der Angst" aus dem Jahr 1987, wobei diese sich hauptsächlich auf die vorhandene Location beziehen dürften. Der Schauplatz des Szenarios ist ein hochmodernes Multiplexkino, die Handlung und sämtliche Abläufe weichen jedoch relativ stark von denen in Lunas Werk ab. Dennoch ist auch hier die gleiche prickelnde Grundstimmung zu verspüren, wobei die vorherrschende Atmosphäre durch die sehr begrenzte Anzahl an Darstellern doch streckenweise noch dichter daher kommt. So erscheint das Ganze in etlichen Passagen fast schon wie eine Art Kammerspiel, in dem sich mit Stuart und Martin lediglich zwei Protagonisten gegenüber stehen. Die jeweiligen Rollen sind dabei ziemlich ungerecht verteilt, denn während Stuart gänzlich die Kontrolle über die Ereignisse hat, spielt Martin ihm oft genug durch sein Verhalten auch noch die nötigen Bälle in die Hand. Dennoch erscheint das überhaupt nicht unlogisch, denn schließlich hat der gestörte Filmvorführer eine lebende Trumpfkarte in der Hand, durch die er das Handeln des jungen Mannes jederzeit beeinflussen kann. 

Als wenn das nicht schon mies genug wäre, wird mit zunehmender Laufzeit auch noch ein Twist eingebaut der die Situation von Martin regelrecht hoffnungslos erscheinen lässt. Die manchmal etwas mangelnde Logik gibt sich viel eher an anderen Stellen zu erkennen, so fragt man sich beispielsweise durchaus berechtigt, wie der gute Stuart in der Kürze der Zeit seinen absolut perfekten eigenen Film gleich im Kino zusammen schneiden kann. Desweiteren ist auch am Ende das Verhalten der Polizisten nicht gänzlich nachzuvollziehen, jedoch handelt es sich hierbei meiner persönlichen Meinung nach lediglich um kleinere Kritikpunkte in einem ansonsten überzeugenden und sehr spannenden Film. "Final Cut - Die letzte Vorstellung" ist ein in sich äußerst stimmiger Beitrag, der zudem durch die thematisierte Kritik am heutigen Horrorfilm den Nerv vieler Genre Fans treffen dürfte. Auch wenn sich dieser Aspekt lediglich in wenigen Dialogen zu erkennen gibt, erscheint das doch völlig ausreichend, um etlichen Fans aus der Seele zu sprechen.

So ist es dann auch nicht weiter verwunderlich, das Phil Hawkins in seiner Erzählung gänzlich auf visuelle Gewaltdarstellungen verzichtet, denn ansonsten hätte sich der gute Mann auch den Vorwurf der Scheinheiligkeit gefallen lassen müssen. So aber ist ihm nahezu ein Paradebeispiel dafür gelungen, das nicht immer nur literweise Blut und hervor quellende Innereien über die Qualität eines Filmes entscheiden, denn "Final Cut - Die letzte Vorstellung" verursacht auch ohne diese Zutaten phasenweise eine Gänsehaut. Es handelt sich nämlich um einen insgesamt sehr stimmigen Psychothriller mit diversen Horrorelementen, der von der ersten bis zur letzten Minute beste Unterhaltung anbietet. Außerdem hat es mal wieder richtig gut getan, eine Ikone wie Robert Englund in einer wirklich überzeugenden Rolle zu sehen, was in den letzten Jahren ja eher selten der Fall war.


Fazit:


Für mich persönlich handelt es sich bei vorliegendem Film um eine der bisher positivsten Überraschungen des Jahres, denn "Final Cut - Die letzte Vorstellung" ist bis auf einige kleinere Logiklücken ein absolut sehenswerter Beitrag, der sich auf jeden Fall oberhalb des normalen Durchschnitts ansiedeln kann und somit absolut empfehlenswert erscheint.


8/10

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