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Samstag, 10. September 2016

Horsehead - Wach auf, wenn du kannst






Horsehead - Wach auf, wenn du kannst...
(Horsehead)
mit Lilly-Fleur Pointeaux, Catriona MacColl, Murray Head, Gala Besson, Fu'ad Aït Aattou, Vernon Dobtcheff, Philippe Nahon, Joe Sheridan, Paul Bandey, Emmanuel Bonami, Shane Woodward, Nathan Willcocks
Regie: Romain Basset
Drehbuch: Romain Basset / Karim Chériguène
Kamera: Vincent Vieillard-Baron
Musik: Benjamin Shielden
keine Jugendfreigabe
Frankreich / 2014

Die junge Jessica leidet seit ihrer Kindheit unter schrecklichen Alpträumen. Für das Begräbnis ihrer Großmutter kehrt sie nach Hause zurück. In einem Fieberwahn erlebt sie in ihrem Elternhaus ihren bislang schlimmsten Traum. Wahnsinnige Visionen der Gewalt wechseln sich ab mit grotesken Bildern ihrer Familie und einer verstörenden Gestalt, welche die junge Frau verfolgt. Jessica versucht Kontrolle über ihre Ängste zu erlangen. Sie will das schreckliche Geheimnis ihrer Familie ergründen und sucht Konfrontation mit der grauenvollen Erscheinung. Betäubt von Äther begibt sie sich auf die Reise in einen tiefen Schlaf, aus dem sie vielleicht nie mehr erwacht...


Nach fünf Kurzfilmen präsentierte Romain Basset im Jahr 2014 mit "Horsehead - Wach auf, wenn du kannst" sein Langfilm Debüt und legte damit gleichzeitig eine Arbeit vor, die definitiv die Meinungen spaltet. In erster Linie ist das sicherlich in der doch gewöhnungsbedürftigen Mischung aus Fantasy und Horror begründet, wobei sich die Fantasy Elemente in Form von fieberartigen Träumen und Visionen zu erkennen geben. Im Grunde genommen hört sich das äußerst interessant an und zugegebenermaßen beinhaltet die Geschichte auch jede Menge starke Momente, andererseits hat es der Regisseur an diversen Stellen aber fast schon zu gut gemeint, indem er den Zuschauer mit einer wahren Welle von surrealen Szenen regelrecht überflutet. So ist man dann auch phasenweise einer hohen Anzahl von blutigen, aber auch ziemlich hektisch geschnittenen Szenen ausgesetzt, was stellenweise einfach zu viel des Guten ist. Die Bildgewalt ist zwar größtenteils sehr imposant, aber gleichzeitig kommt es auch in visueller Hinsicht fast schon zu einer Überreizung der Sinne. Und so fällt es dann auch nicht immer leicht dem Geschehen aufmerksam zu folgen, denn mit zunehmender Laufzeit treten die normalen Momente immer mehr in den Hintergrund und der surreale Aspekt der Story gewinnt immer mehr die Oberhand.

Das Ganze wird von einem hoch angesiedelten künstlerischen Touch begleitet und fairerweise sollte man an dieser Stelle anmerken, das Romain Basset an dieser Stelle einen äußerst ambitionierten Erstling auf den Weg gebracht hat. Rein inhaltlich geht es um ein scheinbar düsteres Familiengeheimnis, das die junge und hübsche Hauptfigur Jessica offensichtlich nur durch ihre ständigen Albträume ergründen kann. Dabei wird der Zuschauer immer näher an die Lösung heran geführt und Basset versteht es dabei auch gut, einen stetig ansteigenden Spannungsbogen auf den Weg zu bringen. Erst im letzten Drittel des Filmes wird dieser Weg dann verlassen, denn anscheinend wollte der gute Mann in diesem Teil seiner Story noch einmal etwas ganz Besonderes auf die Beine stellen. Allerdings geht der Schuss ein wenig nach hinten los, denn anstelle eines stimmigen und runden Abschlusses erwartet einen ein viel eher hektisches Finale, in dem Realität und Fiktion nur noch äußerst schwerlich auseinander zu halten sind.

Spätestens hier schaltet dann auch der Betrachter ein wenig ab, denn selbst wenn man sich bemüht, ist die totale Konzentration auf die Ereignisse nur noch sehr schwer aufrecht zu erhalten. Das ist eigentlich schade, denn bis zu diesem Zeitpunkt wurden viele Dinge absolut richtig gemacht, aber der finale Showdown verwässert dann doch den bis dahin extrem guten Gesamteindruck. Das hätte man durchaus vermeiden können indem man in visueller Hinsicht ein wenig mehr auf die Bremse getreten hätte. Manch einer mag das wohl ganz anders sehen, doch meiner persönlichen Meinung nach hätte man etwas mehr Struktur in das Finale einbauen können, anstatt den Zuschauer mit immer mehr surrealen Momenten zu konfrontieren, die stellenweise doch für mehr Verwirrung als Aufklärung sorgen. Wie dem aber auch sei, "Horsehead - Wach auf, wenn du kannst" ist dennoch ein sehenswerter Beitrag, bei dem man sich allerdings auf eine echte Überflutung der visuellen Reize einstellen sollte.

Hauptdarstellerin Lilly-Fleur Pointeaux ist sicherlich der optische Höhepunkt in diesem Film, wobei sie in darstellerischer Hinsicht aber nur in weiten Teilen wirklich überzeugen kann. An mehreren Stellen agiert die Darstellerin nämlich auch ein wenig zögernd und unentschlossen, wodurch man ihr leider kein gänzlich überzeugendes Zeugnis ausstellen kann. Die restlichen Akteure sind nur sehr schwer zu bewerten, denn da sich der Fokus des Geschehens ganz eindeutig auf die Hauptfigur legt, kommen die anderen Protagonisten über den Status der Nebenrolle keinesfalls hinaus. In der Nebenrolle der eiskalt wirkenden Mutter ist mit Catriona MacColl übrigens ein bekanntes Gesicht der 80er Jahre zu sehen, denn die gute Frau dürfte vielen Horror Fans noch aus Filmen wie "Das Haus an der Friedhofmauer", "Ein Zombie hing am Glockenseil", oder auch "Über dem Jenseits" bekannt sein. Wirklich in den Vordergrund spielen kann sich die mittlerweile 61-Jährige Schauspielerin nicht, was wie schon kurz erwähnt an den nicht übermäßig großen Spielanteilen liegt.


Fazit:


Wenn man sich auf "Horsehead - Wach auf, wenn du kannst..." einlassen kann, dann bekommt man auf jeden Fall ein trotz der angesprochenen Schwächen ambitioniertes Erstlingswerk geboten. Andererseits ist es aber auch nachzuvollziehen, wenn viele Leute rein gar nichts mit diesem Film anfangen können, der ganz bestimmt die Meinungen extrem spaltet.


6,5/10

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