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Sonntag, 16. Oktober 2016

Babylon (Mini-Serie)






Babylon
(Babylon)
mit Nick Blood, Andrew Brooke, Bertie Carvel, Cavan Clerkin, Adam Deacon, Jill Halfpenny, Paterson Joseph, Daniel Kaluuya, Brit Marling, Stuart Martin, Ella Smith, Jonny Sweet, Vic Waghorn, Nicola Walker, Owain Arthur
Regie: Sally El Hosaini / Danny Boyle / Jon S. Baird
Drehbuch: Jesse Armstrong / Sam Bain / Jon Brown
Kamera: Enrique Chediak / Balazs Bolygo / David Raedeker
Musik: Stuart Earl / Rick Smith
FSK 16
Großbritannien / 2014
Pilotfolge + Episode 1 - 6
ca. 355 Minuten

Die Londoner Polizei muss dringend ihr angestaubtes Image aufpeppen und setzt dabei auf neue und moderne Kommunikationsformen. Für diese Revolutionierung hat Polizeipräsident Richar Miller genau die Richtige gefunden: Die amerikanische Kommunikationsspezialistin Liz Garvey. Sie versucht, die Kommunikationsabteilung der Staatsmacht an einem heiklen Zeitpunkt zu verändern, während es in der britischen Metropole zu Gewaltausbrüchen kommt…


Zugegeben, auf den ersten Blick kann man diese britische Mini-Serie eventuell schwerlich einschätzen, zumal man bisher noch nicht viel von ihr gehört hat. Auch die Inhaltsangabe hört sich nicht sonderlich spannend, geschweige denn spektakulär an, doch schon nach wenigen Minuten der Pilotfolge wird man ganz klar eines Besseren belehrt. Denn schon zu diesem frühen Zeitpunkt wird man mit herrlich skurril anmutender Situationskomik konfrontiert, wie sie wohl nur die Briten so meisterhaft in Szene setzen können. Nun sollte man aber keinesfalls denken das es sich hier um ein Comedy Format handelt, denn unter der Regie von Danny Boyle und Jon S. Baird ist hier eine wirklich erstklassig unterhaltende Serie entstanden, in der man dem Zuschauer eine wunderbare Mixtur aus Drama und Comedy serviert. Das liegt in erster Linie an den verschiedenen Perspektiven, aus denen man den Londoner Polizei-Apparat bei der Arbeit beobachten kann. So wird beispielsweise auf der einen Seite ein tiefer Einblick in die Chef-Etage gewährt, in der Intrigen und Machthunger auf dem Speiseplan stehen, andererseits wird man aber auch immer wieder mit Einsätzen normaler Polizisten, sowie auch Hilfspolizisten konfrontiert. 

Gerade der zweite Blickwinkel offenbart dabei herrlich skurrile und manchmal schon groteske Momente, wobei diese sich gleichzeitig im Bild, als auch in den enthaltenen Dialogen wiederspiegeln. Kraftausdrücke und Vulgärsprache treten dabei immer wieder in den Vordergrund, wobei das Ganze mit dem typisch britischen Charme versehen ist, der den dort ansässigen Humor so unglaublich liebenswert macht. Eine weitere Stärke sind ganz eindeutig die Darsteller, die durch die Bank einen unglaublich authentischen und sehr überzeugenden Eindruck hinterlassen. Dabei spielt sich jedoch niemand besonders in den Vordergrund, denn in dieser Beziehung haben die Macher äußerst geschickt gearbeitet, indem sie die jeweiligen Spielanteile auf viele Schultern verteilt haben. Das kommt dem Gesamtbild sehr zu gute, denn so identifiziert man sich als Betrachter keinesfalls nur mit 1 - 2 Hauptfiguren, sondern kann im Prinzip zu allen Protagonisten eine extrem starke Bindung aufbauen.

Das absolute Highlight liegt aber meiner persönlichen Meinung nach an der mehr als gelungenen Mixtur aus Komik und Drama, denn während einem in etlichen Passagen fast schon die Lachtränen in die Augen steigen, offenbaren sich immer wieder höchst traurige und dramatische Momente, in denen man auch wirklich mit diversen Akteuren mitleiden kann. Einige Passagen entbehren dabei auch nicht einer stark tragischen Note, was insgesamt gesehen unheimlich gut in das stimmige Gesamtbild hinein passt, das man im Normalfall von dieser Mini-Serie gewinnen sollte. Der einzig negative Kritikpunkt besteht eigentlich darin, das nach gut 355 Minuten schon wieder alles zu Ende ist, denn an dieser Stelle hätte man sich doch gern noch einen ordentlichen Nachschlag gewünscht, zumal "Babylon" ganz sicher noch genügend Potential beinhaltet hätte, um die Geschichte noch weiter zu spinnen.

Letztendlich handelt es sich jedoch auf jeden Fall um äußerst sehenswerte Filmkost, in der großartig agierende Schauspieler eine interessante Thematik glaubwürdig zum Zuschauer transportieren. So kann man sich ohne Weiteres vorstellen, das man das dargestellte Szenario ohne jegliche Probleme in die Realität transportieren könnte, denn Vertuschungen, Intrigen und hinter vorgehaltener Hand ausgetragene Machtkämpfe bewegen sich keinesfalls außerhalb der Glaubwürdigkeit. Aus diesem Grund ist "Babylon" auch definitiv sehr zu empfehlen, denn die Mischung aus britischem Humor, Drama und einem Schuss Tragik ist dermaßen gelungen, das sie durchaus auch höheren Ansprüchen genügen dürfte.


Fazit:


Mich persönlich hat dieses Format wirklich restlos überzeugt und von der ersten bis zur wirklich letzten Minute bestens unterhalten. Die Briten haben es wirklich drauf, nur hätte man aus der vorliegenden Thematik und dem vorhandenen Potential noch weitaus mehr Episoden herstellen können.


9/10

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