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Dienstag, 4. Oktober 2016

Deadly Home






Deadly Home
(Intruders)
mit Rory Culkin, Leticia Jimenez, Jack Kesy, Timothy T. McKinney, Joshua Mikel, Beth Riesgraf, Martin Starr
Regie: Adam Schindler
Drehbuch: T.J. Cimfel / David White
Kamera: Eric Leach
Musik: Frederik Wiedmann
FSK 16
USA / 2015

Anna Rook (Beth Riesgraf) leidet an einer extremen Form von Agoraphobie - einer Angststörung, die es ihr unmöglich macht, sich an öffentlichen Plätzen aufzuhalten. Abgeschottet von der Gesellschaft lebt sie in einem abgelegenen viktorianischen Haus und ihr einziger sozialer Kontakt beschränkt sich auf ihren todkranken Bruder (Timothy McKinney) und den charmanten Dan (Rory Culkin). Als eines Tages ein Trio Kleinkrimineller bei ihr einbricht, wird ihr Rückzugsort plötzlich zu einer tödlichen Falle. Da sie wegen ihrer Angststörung das eigene Haus nicht verlassen kann, muss sie um das eigene Überleben kämpfe. Doch schon bald zeigt sich, dass Agoraphobie nicht ihr einziges dunkles Geheimnis ist …


Seit mehreren Jahren erfreut sich der Home Invasion Thriller einer immer größeren Beliebtheit und gerade in der letzten Zeit ist aus diesem Grund auch eine gewisse Anhäufung neuer Beiträge zu bemerken. Kein Wunder also das sich der gute Adam Schindler für seinen Erstling gerade diese Thematik ausgewählt hat, ist so doch das Interesse einer bestimmten Zielgruppe förmlich vorprogrammiert. Und so bekommt man dann auch einen Genre Vertreter mit den handelsüblichen und notwendigen Zutaten geboten, wobei sich der vorliegende "Deadly Home" aber auch durch eine während der Laufzeit stattfindenden Richtungsänderung auszeichnet, die man in der gezeigten Form eher sehr selten zu sehen bekommt. Zunächst einmal nimmt sich Schindler aber ausreichend Zeit, um dem Betrachter insbesondere die Hauptfigur Anna näher zu bringen. Das geschieht auf eine eher ruhige und fast schon bedächtige Art und Weise, wobei man an dieser Stelle allerdings ganz generell anmerken sollte, das der Film fast durchgehend von einer recht ruhigen Erzählweise durchzogen ist. Der Regisseur setzt keinesfalls auf Effekthascherei und will auch nicht mit visuellen Gewaltdarstellungen die Aufmerksamkeit auf seine Geschichte lenken. Er setzt vielmehr auf eine gelungene und dichte Atmosphäre sowie kleinere Wendungen, um das Szenario interessant erscheinen zu lasen und so auch den Zuschauer zu begeistern.

Zunächst gelingt das auch wirklich gut, denn auch ohne visuelle Härte und lterweise Kunstblut baut sich ein konstanter Spannungsbogen auf. Durch den Einsatz einer sehr geringen Anzahl von Darstellern und die Tatsache das sich das gesamte Geschehen innerhalb eines Hauses abspielt entwickelt sich streckenweise eine fast kammerspielartige Inszenierung, die vor allem durch ihren bedächtigen Aufbau eine hohe Intensität aufkommen lässt. Spielt sich da Ganze in den ersten gut 30 Minuten noch wie in einem stinknormalen Home Invasion Thriller ab, so erfährt das Geschehen danach eine unbedingt übliche Wendung. Auch wenn man dies aufgrund der Inhaltsangabe eventuell schon erahnen kann ist es faszinierend mit anzusehen, wie sich auf einmal die Machtverhältnisse innerhalb der Story völlig verschieben. Gleichzeitig ist in diesem Aspekt aber auch eine der Schwächen des Filmes zu erkennen, denn stellenweise fehlt es den Abläufen in der Folge an der nötigen Intensität. Gleichzeitig entsteht nun auch eine etwas gewöhnungsbedürftige Mixtur aus verschiedenen Genres, denn Schindler fokussiert sich nun immer mehr auf seine Hauptfigur, indem er deren Vergangenheit stärker thematisiert. Dadurch machen sich starke Einflüsse eines persönlichen Dramas bemerkbar, die nicht immer vollkommen stimmig mit der Kernthematik einher gehen. 

Zudem beinhaltet die zweite Hälfte des Filmes diverse andere Schwachstellen, die in erster Linie im Verhalten von Anna zu suchen sind, denn ihre nun folgenden Handlungsweisen wirken oft ziemlich an den Haaren herbei gezogen und entbehren jeglicher Logik. Das schmälert ein wenig den ansonsten wirklich guten Gesamteindruck, denn die Ereignisse verlieren streckenweise etwas an Glaubwürdigkeit. Dennoch gestaltet sich das Szenario durchweg spannend und offenbart eine sehenswerte Variante des Home Invasion Thrillers, die allerdings nicht ganz frei von Schwächen ist. Das gewählte Ende ist dann die pure Geschmackssache und sicherlich wird es genügend Leute geben, die es als absolut passend empfinden. Mir persönlich war der Schlussakt aber ein bisschen zu sehr aufgesetzt und wirft außerdem einige Fragen auf, für die man keine richtig schlüssige Antwort findet.

Insgesamt gesehen hat mich "Deadly Home" auf jeden Fall sehr positiv überrascht, aber mit einer besser durchdachten zweiten Filmhälfte hätte man hier noch weitaus mehr heraus holen können. Man sollte aber keinesfalls den Umstand außer acht lassen das es sich hier um ein Regiedebüt handelt und dafür ist der Film richtig gut gelungen. Manch einer wird die in Filmen dieser Art übliche Härte vermissen, denn bis auf diverse Kleinigkeiten bekommt man in visueller Hinsicht relativ wenig geboten. Trotzdem ensteht aber ohne Frage ein ordentlicher Härtegrad, nur spielt sich das meiste davon in der Fantasie des Betrachters ab. Wenn man sich auf die Geschichte einlassen kann und auch die Vorgeschichte der Hauptfigur in Betracht zieht, dann macht sich schon eine gewisse Brutalität breit, nur bekommt man diese im vorliegenden Fall vor dem geistigen Auge zu sehen.


Fazit:


"Deadly Home" ist ein sehenswerter Vertreter seiner Art und schlägt dabei einmal eine etwas andere Richtung ein. Das mag nicht jedem gefallen, sorgt aber für ein wenig Abwechslung und ist auch größtenteils spannend in Szene gesetzt worden. Einige Defizite in der zweiten Hälfte kann man dennoch nicht übersehen, was man allerdings wohlwollend der Unerfahrenheit eines Regieneulings zuschreiben kann.


7/10

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