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Freitag, 9. Dezember 2016

Die Brut






Die Brut
(The Brood)
mit Oliver Reed, Samantha Eggar, Art Hindle, Henry Beckman, Nuala Fitzgerald, Cindy Hinds, Susan Hogan, Gary McKeehan, Michael Magee, Robert A. Silverman, Joseph Shaw, Larry Solway, Reiner Schwarz, Felix Silla
Regie: David Cronenberg
Drehbuch: David Cronenberg
Kamera: Mark Irwin
Musik: Howard Shore
ungeprüft
Kanada / 1979

Als Frank Carveth feststellt, dass seine Tochter Candy von ihrer Mutter Nola misshandelt wird, geht er der Sache auf den Grund: Seine Ex-Frau wird im ominösen „Somafree Institute“ therapiert. Ihr Arzt Dr. Raglan arbeitet mit einer kontroversen Technik, die Aggressionen seiner Patienten in physische Manifestationen umwandelt. Je mehr sich Nolas Wut in den Behandlungen steigert, desto gefährlicher wird es für alle, gegen die sich ihr Zorn richtet. Dr. Raglans Klinik mutiert zur Brutstätte des Bösen …


Schon seit jeher haftet den Filmen des kanadischen Kult Regisseurs David Cronenberg etwas ganz Spezielles an, was den Werken auch innerhalb des Horror Genres eine gewisse Ausnahmestellung verleiht. Der sogenannte "Body-Horror" ist zugegebenermaßen nicht jedermanns Sache, stellt aber immer wieder eine wohlwollende Abwechslung im ansonsten üblichen Einheitsbrei dar. Im Gegensatz zu früheren Werken wie "Shivers" oder "Rabid" beinhaltet der vorliegende Film "Die Brut" nicht die schmutzige Atmosphäre seiner Vorgänger, dafür arbeitet Cronenberg hier mit teils surrealen Elementen, die dem Ganzen einen besonders interessanten Anstrich verleihen. Einmal mehr steht eine obskure wissenschaftliche Methode im Vordergrund, die im Prinzip psychisch kranken Menschen helfen soll. Was jedoch durch die sogenannte "Psychoplasmatik-Therapie" bei Nola Carveth ausgelöst wird sprengt jeglichen Rahmen und führt zu mehreren ominösen Todesfällen. 

Bevor es allerdings besonders in der zweiten Filmhälfte richtig rund geht, baut Mr. Cronenberg seine Erzählung äußerst gut auf. Nach einer eher ruhigen Einführung in die Abläufe wird der Zuschauer mit einem Spannungsbogen konfrontiert, der fast im Minutentakt immer weiter ansteigt, bevor sich kurz vor dem Ende eine fast schon explosionsartige Entladung zu erkennen gibt. Bis zur buchstäblich letzten Einstellung wird man bei Atem gehalten und bekommt in einigen Phasen sogar recht blutige Momente geboten. Die große Stärke liegt allerdings in der extrem gelungenen Gesamt-Mixtur der Geschichte, bekommt man nämlich einerseits psychologische Tiefe geboten, so sorgt andererseits das Element der tötenden Kinder für eine gepflegte Gänsehaut beim Betrachter. Ganz automatisch schwingt dabei auch durchaus ein Gefühl des Unwohlseins mit, was bei dieser Thematik aber keinesfalls verwundern dürfte.

In visueller Hinsicht ist sicherlich das letzte Drittel der Erzählung als absolutes Highlight anzusehen, denn einmal mehr hat der Regisseur diverse Momente eingearbeitet, in denen so etwas wie Ekel in einem aufsteigen kann. Dies tritt insbesondere in der Passage zum Vorschein, als die junge Nola ihren Oberkörper entblößt und man so der Lüftung des Geheimnisses beiwohnt, das zu vor schon mehrere Mal verbal angedeutet wurde. An dieser Stelle schlägt dann auch das surreale Element noch einmal voll durch und zeigt ganz eindeutig, das Cronenberg sich einmal mehr etwas ganz Besonderes hat einfallen lassen. Meiner persönlichen Meinung nach ist "Die Brut" auf jeden Fall einer der besten Filme des Kanadiers, der an dieser Stelle eine in sich absolut stimmige Inszenierung geschaffen hat. Zu diesem Eindruck trägt auch der erstklassige Score von Howard Shore bei, der nahezu perfekt auf das teils unheimliche Geschehen abgestimmt ist und so nicht unwichtig für das erstklassige Gesamtergebnis ist.

Letztendlich wird auch "Die Brut" ganz sicher die Meinungen spalten, denn längst nicht jeder weiß etwas mit dieser Art des Horrors anzufangen. Für Cronenberg-Fans dürfte sich allerdings eine wahre Perle des Genres offenbaren, die auch in der heutigen Zeit überhaupt nichts von ihrer Faszination eingebüßt hat. Der Meister des sogenannten "Body-Horrors" hat sich hier selbst ein kleines Denkmal gesetzt, das nun dank Wicked-Vision Media auch zu seiner Blu-ray Premiere bei uns in Deutschland gelangt ist. So liegt dieses Juwel nun auch in erstklassiger Bild-und Tonqualität vor und ist zudem in einem tollen und hochwertigem Mediabook erschienen, dessen Anschaffung absolut lohnenswert ist.


Fazit:


"Die Brut" ist ein typisches Werk von David Cronenberg und wie schon bei "Shivers" und Rabid" zeichnet der gute Mann gleichzeitig für die Regie und das Drehbuch verantwortlich. Einmal mehr ist hier eine krude Genre Kombination entstanden, die den Betrachter von der ersten bis zur letzten Minute in ihren Bann zieht und für ein sehr außergewöhnliches Horror Erlebnis Sorge trägt.


9/10

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