Follower

Donnerstag, 29. Dezember 2016

The Sect






The Sect
(La Setta)
mit Kelly Curtis, Herbert Lom, Mariangela Giordano, Michel Adatte, Carla Cassola, Angelika Maria Boeck, Giovanni Lombardo Radice, Niels Gullov, Tomas Arana, Donald O'Brien, Yasmine Ussani, Dario Casalini, Paolo Pranzo
Regie: Michele Soavi
Drehbuch: Michele Soavi / Dario Argento / Gianni Romoli
Kamera: Raffaele Mertes
Musik: Pino Donaggio
keine Jugendfreigabe
Italien / 1991

Zwei scheinbar unzusammenhängende Ereignisse – ein mysteriöser Besucher in einer Hippie-Kommune der 70er und ein grausamer Mord im Frankfurt der frühen 90er – ebnen der Geburt des Leibhaftigen den Weg. Das weiß die junge Miriam (Kelly Curtis) noch nicht, als sie kurz darauf beinahe den mysteriösen Moebius Kelly (Herbert Lom) über den Haufen fährt. Sie nimmt den alten Mann vorübergehend bei sich auf und wird als Werkzeug und Gefäß für die Pläne einer satanischen Sekte zunehmend zwischen Traum und Realität zerrieben.


Michele Soavi zählt wohl definitiv zu den Regisseuren, die mit ihren Frühwerken den größten Eindruck beim Zuschauer hinterlassen haben. "Aquarius - Theater des Todes", "The Church" und vor allem "Dellamorte Dellamore" dürften dabei wohl am tiefsten im Gedächtnis der Liebhaber des italienischen Horrorfilms verankert sein, wobei insbesondere der zuletzt genannte Titel ein sehr außergewöhnliches Exemplar darstellt. Mit "The Sect" liegt nun endlich auch zum ersten Mal Soavis dritter Spielfilm aus dem Jahr 1991 ungeschnitten in deutscher Sprache vor, was das Herz eines jeden Fans in die Höhe schlagen lassen dürfte. Insbesondere in der hier vorliegenden Geschichte lassen sich die Einflüsse eines Dario Argento nur schwerlich übersehen, der nicht nur als einer der Produzenten des Filmes mit an Bord ist, sondern auch nach Soavis Aussagen schon immer als Vorbild angesehen wurde. Dieser Aspekt macht sich dann auch durchgehend stark bemerkbar, was dem Szenario insgesamt gesehen sehr zu Gute kommt.

"The Sect" ist dabei alles andere als der handelsübliche Horrorfilm von der Stange, vielmehr entwickelt sich eine Story, in der man als Betrachter in etlichen Phasen nur schwer zwischen der Realität und surrealen Einflüssen unterscheiden kann. Gleichzeitig erscheint das Szenario gleich zu Beginn ein wenig verwirrend, denn die Eröffnungs-Sequenz aus den 70er Jahren und der darauf hin folgende Zeitsprung in die 90er Jahre scheinen zunächst keinerlei Zusammenhang zu ergeben. Erst mit der Zeit lassen sich die Verbindungen erkennen und der gute Michele lässt sich bis kurz vor dem Ende Zeit, bevor er dem Zuschauer dann die endgültige Auflösung präsentiert und somit auch sämtliche offenen Fragen beantwortet. Bis dahin ist es jedoch ein ziemlich weiter Weg und die gut 115 Minuten Laufzeit des Filmes verlangen auch die volle Aufmerksamkeit des Betrachters. Manch einem mögen dabei vor allem die ersten gut 80 Minuten ein wenig langatmig vorkommen, denn in dieser Zeitspanne gestaltet sich die Erzählung ziemlich ruhig, bevor der Regisseur erst danach eine Temposteigerung des Geschehens erkennen lässt. Das macht sich auch beim Härtegrad bemerkbar, denn wenn sich die Ereignisse zuvor noch hauptsächlich durch eine wunderbare atmosphärische Dichte auszeichnen, so bekommt man im letzten Drittel auch einige blutigere Einstellungen geliefert, die absolut hervorragend in das Gesamtbild des Werkes hinein passen.

Mir persönlich haben aber gerade die ersten beiden Filmdrittel extrem gut gefallen, denn aufgrund der äußerst ruhigen Erzählstruktur macht sich ein hohes Maß an Intensität breit. Die verschwimmenden Grenzen zwischen Realität und Fiktion sind dabei eine der ganz großen Starken, denn die visuelle Umsetzung der fieberhaft anmutenden Albtraum-Einstellungen sind eine echte Wucht und sondern dabei eine schon als hypnotisch zu bezeichnende Sogwirkung auf einen aus. Es überkommt einen ein stark beklemmendes Gefühl und es ist fast so, als wenn man selbst immer tiefer in den entstehenden Strudel hinein gezogen wird, in dem sich die Hauptfigur Miriam befindet. Die dabei präsentierten Bilder zeigen nachhaltige Wirkung und es ist so gut wie unmöglich, sich der Faszination dieses grandiosen Filmes zu entziehen. Neben den offensichtlichen Anlehnungen an Werke von Argento ist hier auch ein Hauch von Roman Polanski zu verspüren, denn in thematischer Hinsicht lassen sich gewisse Parallelen zu dessen Meisterwerk "Rosemary's Baby" erkennen. Durch die etlichen unterschiedlichen Zutaten dürfte "The Sect" auf jeden Fall in die Gruppe der außergewöhnlichen Horrorfilme fallen, der aufgrund seiner okkulten Thematik von Haus aus eine ungemein starke Faszination entfacht und trotz seiner eher bedächtigen Erzählweise extrem spannend daher kommt.

Hauptdarstellerin Kelly Curtis liefert eine absolut erstklassige Performance ab und auch der restliche Cast überzeugt durch sehr gute Leistungen. Insbesondere in atmosphärischer Hinsicht offenbart sich hier eine echte Granate, denn der Grad der Bedrohlichkeit steigt fast im Minutentakt immer weiter an und versieht einen dabei auch oft genug mit einer gepflegten Gänsehaut. Letztendlich liegt mit "The Sect" ein in allen Belangen überzeugendes Gesamtpaket vor, das eine Mischung aus Okkult-Horror und bedrohlichem Horror-Märchen darstellt. Wer diesen Film gesehen hat wird ihn so schnell auch nicht mehr vergessen, denn in meinen Augen präsentiert sich eine absolut stimmige Geschichte, die einen sehr nachhaltigen Eindruck im Gedächtnis des Zuschauers hinterlässt. Die Veröffentlichung von Koch Media kann sich wieder einmal sehen lassen, das wie immer schön gestaltete Mediabook ist qualitativ hochwertig und serviert das Werk in einer gelungenen Qualität, so das man von einem echten Sehvergnügen sprechen kann.


Fazit:


Lange musste man auf eine ungeschnittene und deutschsprachige Veröffentlichung dieses tollen Filmes warten, aber am Ende hat es sich wirklich gelohnt. Soavi liefert mit seinem "The Sect" eine teilweise atemberaubende, visuelle Achterbahnfahrt und versorgt einen dabei mit jeder Menge Spannung und einem extrem stimmigen Gesamtergebnis. 


9/10

Keine Kommentare: