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Samstag, 11. März 2017

Abschaum






Abschaum
(Scum)
mit Ray Winstone, Mick Ford, Julian Firth, John Blundell, Phil Daniels, John Judd, Philip Jackson, Peter Howell, John Grillo, Ray Burdis, Alan Igbon, John Fowler, Bill Dean, P.H Moriarty, Nigel Humphreys
Regie: Alan Clarke
Drehbuch: Roy Minton
Kamera: Phil Meheux
Musik: Keine Information
Keine Jugendfreigabe
Großbritannien / 1979

Carlin, Angel und Davis, drei jugendliche Straftäter, werden in die berüchtigste Erziehungsanstalt Großbritanniens verlegt. Dort herrscht ein brutales System, das von der Gewalt der Wärter und der Insassen untereinander genährt wird. Carlin erkennt, dass es nur einen Weg für ihn gibt, um in diesem Höllenloch nicht unterzugehen: Er kämpft sich in der Hierarchie der Gefangenen nach oben und wird schließlich zum "Daddy", dem großen Anführer. Doch an der Spitze angekommen, will Carlin nicht einfach nur seine Zeit absitzen, sondern das System innerhalb der Gefängnismauern zerschlagen. Ein blutiger Gefangenenaufstand nimmt seinen Lauf...


Obwohl dieser schockierende Film damals von der BBC selbst in Auftrag gegeben wurde, wurde das Werk von Regisseur Alan Clarke jahrelang verboten, wofür sicherlich die schonungslose Darstellung über unmenschliche Zustände in britischen Besserungsanstalten verantwortlich war. "Scum", wie der Film im Original heißt, zeigt nämlich äußerst kompromisslos die Misstände auf, die zur damaligen Zeit vorgeherrscht haben. Dabei hält sich Clarke mit visuell in Szene gesetzter Härte noch einigermaßen zurück, es ist vielmehr der Gesamteindruck der hier erzählten Geschichte, der den Zuschauer auch noch heute, nach mittlerweile über 20 Jahren mit der Wucht eines Keulenschlages mitten in die Eingeweide trifft. Zwar gibt es auch einige Härten in Form von diversen Schlägereien zu sehen, doch machen diese lediglich einen kleineren Teil der Intensität und Brutalität aus, die von diesem Film ausgeht.

Der Haupteil der Härte entsteht vielmehr durch die Handlungsweisen der sogenannten "Erzieher", die diese Bezeichnung nun wirklich nicht verdienen. Die Art und Weise, wie den jugendlichen Straftätern hier Disziplin beigebracht werden soll spottet jeder Beschreibung und ist absolut menschenunwürdig-und verachtend. Man versucht die Jungen zu demütigen und ihren Willen zu brechen, was bei einigen auch durchaus gelingt. Schwächen oder Emotionen dürfen nicht gezeigt werden, da sie ansonsten von Mithäftlingen, aber auch vom Aufsichtspersonal schonungslos ausgenutzt werden. Zu keiner Zeit entsteht hier auch nur ansatzweise der Eindruck, das bessere Menschen aus den Jugendlichen gemacht werden sollen, sämtliche "Erziehungsmethoden" dienen nur dazu, Menschen auch die letzte Würde zu nehmen. Unverhohlener Rassismus, der insbesondere vom Personal ausgeht ist nur eines der untrüglichen Zeichen dafür, das keinerlei echter Erziehungsgedanke hinter den Methoden steckt, eher entsteht der Eindruck, das einige besonders kranke Sadisten wahre Freude daran haben, die ihnen gegebene Machtposition schamlos auszunutzen.

Denn nicht anders ist es zu erklären, das selbst Vergewaltigungen nicht geahndet werden, wie es auch visuell eindrucksvoll und schockierend von Clarke in Szene gesetzt wurde. Auch die fast schon zwangsläufig logische Folge dessen, nämlich der Selbstmord des Vergewaltigungsopfer wird als normaler Unfall hingestellt, der in solchen Einrichtungen nun einmal passieren kann. Diese ganzen Geschehnisse entfalten ein solch hohes Maß an Brutalität im Kopf des Betrachters, das man teilweise schon in einen regelrechten Schockzustand verfallen kann, denn die gezeigten Ereignisse wirken so beklemmend, das sie einem die Kehle zuschnüren. Diese intensive Wirkung ist insbesondere auch den erstklassigen Darstellern zu verdanken, die allesamt einen fantastischen Job abliefern. Vollkommen egal, ob es sich dabei um die Insassen oder die Aufseher handelt, man bekommt extrem authentisches und glaubwürdiges Schauspiel geboten, so das einen eigentlich gar nicht das Gefühl überkommt, das es sich hier um einen Spielfilm handelt. Stattdessen entsteht viel eher der Eindruck, das man sich in einem schockierenden Tatsachenbericht befindet, der trotz aller Realität ein Gefühl der Fassungslosigkeit vermittelt, da man sich gar nicht erst vorstellen möchte, das solche Geschehnisse wirklich passieren können.

Schlussendlich ist Alan Clarke hier ein wirklich schonungsloser Film gelungen und man kann schon irgendwie nachvollziehen, das dieses Werk zur damaligen Zeit verboten wurde, denn wer möchte schon unbedingt mit solch gewaltigen Misständen konfrontiert werden, die das eigene Rechtssystem hervorbringt. Auch nach mittlerweile 21 Jahren hat "Abschaum" überhaupt nichts von seiner Faszination und seiner schockierenden Wirkung verloren, auch wenn es in der heutigen Zeit sicherlich einige ähnlich gelagerte Filme gibt, die rein visuell über einen höheren Härtegrad verfügen. Doch hier zählt ganz eindeutig das vorliegende Gesamtpaket und das ist phasenweise so richtig grausam. Obwohl man ganz genau weiß, das die dargestellten Ereignisse der Realität entsprechen fällt es immer wieder schwer sich vorzustellen, zu welchen Grausamkeiten manche Menschen in der Lage sind und diese unter dem Deckmantel der Erziehung verstecken, die damit rein gar nichts zu tun hat. 


Fazit: 


Bei "Abschaum" bekommt es der Zuschauer mit einem Film zu tun, der extrem unter die Haut geht und einen sehr nachhaltigen Eindruck hinterlässt. Unter dem Deckmantel des angeblichen Erziehungsgedanken werden jugendliche Straftäter gedemütigt und gequält, man versucht ganz einfach ihre Seele und ihren inneren Widerstand zu brechen, um sie irgendwann als angeblich bessere Menschen wieder in die Gesellschaft zu intigrieren. Dabei wird kein Mittel ausgelassen, denn jede Schikane und Demütigung wird gebraucht, um die Jungen gefügig zu machen. Selbstmorde, die aus der puren Verzweiflung begangen werden sind sogenannte Unfälle, die immer mal wieder passieren können. Trotz all dieser offensichtlichen Fehler im System wird letztendlich ein Erziehungssystem verteidigt, das so eklatante Misstände aufweist, das sie einen schon fast anspringen. Wer diesen Film noch nicht gesehen hat, sollte diesen Zustand unbedingt ändern, sich aber gleichzeitig darüber bewusst sein, das er es mit einem Werk zu tun bekommt, das keinesfalls spurlos an einem vorbeigeht und einen nachhaltigen Eindruck hinterlässt.


8,5/10

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