Follower

Sonntag, 19. März 2017

Im Rausch der Sinne






Im Rausch der Sinne
(Fieras sin jaula)
mit Juan Luis Galiardo, Curd Jürgens, Rosalba Neri, Emma Cohen, Manolo Otero, Eduardo Calvo, Mario Della Vigna, Franco Marletta, Ricardo Tundidor, Eva Dormane, Bernard Launois, Pilar Velázquez
Regie: Juan Logar
Drehbuch: Juan Logar / Francesco Campitelli
Kamera: Igino Florentini
Musik: Piero Piccioni
ungeprüft
Italien / Spanien / 1971

Obwohl die junge Alexa den fast 30 Jahre älteren Bankier Ronald geheiratet hat, lacht sie sich junge potente Männer für außereheliche Treffen an, die sie obendrein mit seinem Geld finanziert. Catalina, die Tochter von Ronald, riecht Lunte und versucht ihren Vater von der Falschheit seiner jungen Frau Alexa vergeblich zu überzeugen. Als Alexa mit ihrem neuen Liebhaber in einer einsamen Villa an der Meeresküste die Nacht verbringt, entsteht eine lebensbedrohliche Situation. Der Rausch der Sinne wird zum Todesrausch, der nur von den Wellen der einsamen Meeresküste übertönt wird!



Warum dieser Beitrag aus dem Jahr 1971 des Öfteren als Giallo deklariert wird ist ungewiss, denn es handelt sich doch ganz eindeutig um ein waschechtes Drama, das teilweise die Züge eines Erotikthrillers trägt. Dennoch ist die Geschichte nicht ohne Reiz und bietet durchaus einige Schauwerte, zudem entwickelt sich durch die aussichtslose Situation der Hauptfiguren eine äußerst beklemmende Grundstimmung. Inhaltlich ist "Im Rausch der Sinne" recht einfach gestrickt und präsentiert letztendlich nichts anderes als eine Art Ehedrama, das in einem perfiden Plan des gehörnten Ehemannes gipfelt, der sich auf grausame Art und Weise an seiner jungen Frau und deren Liebhaber rächt. Dabei kommt es recht zügig zu der kurz angerissenen Ausgangslage, womit der Zuschauer auch sehr frühzeitig damit konfrontiert wird, wie die ganze Sache am Ende ausgeht. Im weiteren Verlauf werden dann rückwärtig die Ereignisse geschildert, die zu dem Racheplan des Bankiers Ronald geführt haben. Diese Erzählweise mag nicht jedem behagen, zumal sich nicht wirklich ein echter Spannungsbogen aus den Geschehnissen ergibt. Freunde des Nervenkitzels werden also kaum auf ihre Kosten kommen, denn dafür ist die Chose dann doch viel zu vorhersehbar. Und so muss man sich seine Höhepunkte also im routinierten Auftreten von Curd Jürgens suchen, der in der Rolle des betrogenen Gatten eine ziemlich gute Figur abgibt.

Desweiteren bekommt man eine Menge nackter Haut zu sehen und kann sich ein wenig an der bildhübschen Rosalba Neri ergötzen, die für die Rolle der nymphomanisch veranlagten Ehefrau nahezu prädestiniert ist. Ihre sexuelle Unersättlichkeit wird eigentlich durchgehend in den Fokus des Geschehens gerückt und drückt dem Film ohne Zweifel einen unverwechselbaren Stempel auf. Gleichzeitig stellt sie auch das Motiv dar, weshalb Ronald letztendlich einen Racheplan in die Tat umsetzt, der die ganze Verzweiflung eines Mannes zum Ausdruck bringt, der den Kampf um die Liebe seiner viel jüngeren Frau schon längst verloren hat. "Im Rausch der Sinne" beinhaltet seine Stärken ziemlich offensichtlich im späteren Verlauf, denn zu Beginn der Geschichte wird man lediglich mit dem Liebesspiel von Alexa und ihrem Liebhaber konfrontiert, was ehrlich gesagt etwas banal und belanglos daher kommt. Erst nachdem sie sich in einer ausweglosen Lage befinden und die Erinnerungen der jungen Frau die Ereignisse schildern die dazu geführt haben, kann man sich so richtig mit dem Ganzen auseinandersetzen. Das dabei entstehende Drama beinhaltet viel Intensität und gleichzeitig bekommt man eine tiefere Charakterzeichnung der Haupt-Charaktere serviert.

Die Anteile des Dramas stehen dabei immer im Vordergrund und die Sympathiewerte des Betrachters liegen ganz klar beim betrogenen Ehemann, für den man phasenweise richtig gehend Mitleid empfinden kann. So kann man dann auch vom menschlichen Standpunkt aus gesehen durchaus Verständnis für seine Handlungen aufbringen und spürt förmlich die tiefe Verzweiflung, die ihn zu einem finalen Entschluss geführt hat. Dieser ist absolut endgültig und nicht zu revidieren und man fragt sich ganz unwillkürlich, welch tiefer Schmerz sein Inneres durchzogen hat, um seinen perfiden Plan in die Tat umzusetzen. Juan Logar hat mit dieser Produktion sicherlich kein Meisterwerk in Szene gesetzt, präsentiert aber dennoch ein intensives Filmerlebnis, das einem streckenweise wirklich zu schaffen macht. Und auch wenn die Story nicht sonderlich innovativ erscheint, beinhaltet sie mehrere starke Momente, die einen des Öfteren auch äußerst nachdenklich stimmen könnten.

Letztendlich handelt es sich hier um ein Werk, das von einigen Leuten fälschlich als Giallo eingestuft wird, aber ehrlich gesagt rein gar nichts mit dem beliebten Sub-Genre zu tun hat. Höhepunkte sind ganz eindeutig im guten Schauspiel der Akteure und der beklemmenden Atmosphäre zu suchen, ansonsten bekommt man ein zumeist gut inszeniertes Drama serviert. Die Erwartungshaltung sollte also schon im Vorfeld in die richtigen Bahnen gelenkt werden, damit man im nachhinein keine Enttäuschung erlebt. 


Fazit:


"Im Rausch der Sinne" ist eine eher kostengünstige Produktion und erzählt eine Geschichte, in der sich das filmische Drama mit Zügen des Erotikthrillers vermischt. Kraft und Stärke bezieht der Beitrag aus der beklemmenden und hoffnungslosen Ausgangssituation der Protagonisten, wobei das Schauspiel der Akteure allerdings auch nicht zu verachten ist.


7/10

Keine Kommentare: