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Montag, 10. April 2017

The Lady in the Car with Glasses and a Gun






The Lady in the Car with Glasses and a Gun
(La Dame dans l'auto avec des lunettes et un fusil)
mit Freya Mavor, Benjamin Biolay, Elio Germano, Stacy Martin, Thierry Hancisse, Sandrine Laroche, Frederic Etherlinck, Alain Bellot, Édouard Giard, François-Dominique Blin, Noémie Morales, Lou Lambrecht, Vera Van Dooren
Regie: Joann Sfar
Drehbuch: Gilles Marchand / Patrick Godeau
Kamera: Manuel Dacosse
Musik: Agnès Olier
FSK 16
Belgien / Frankreich / 2015

Dany Dorémus, eine junge Frau, bekommt die Aufgabe, das Auto ihres Chefs zu dessen Haus zu fahren. Doch Dany entscheidet sich zu einer Spritztour zu einem kleinen Küstenort. Sie ist sich sicher, noch nie zuvor an diesem Ort gewesen zu sein, doch jeder dort kennt ihren Namen. Als sie erfährt, dass im Kofferraum des schicken Flitzers eine Waffe und ein menschlicher Leichnam liegen, wird die Lage immer mysteriöser. Dazu wird sie nun des Mordes an dieser Person bezichtigt. Spielt ihr Bewusstsein ihr einen Streich oder ist sie zum Spielball in einem perfiden Komplott geworden...?


The Lady in the Car with Glasses and a Gun


"Wow, was für ein Filmtitel". Das dürfte wohl so ziemlich der erste Gedanke sein der dem Betrachter durch den Kopf geht. Bei genauerer Betrachtung ist der Name aber gar nicht mehr so außergewöhnlich, handelt es sich hier doch um das Remake des 1970 erschienenen Werk "Die Dame im Auto mit Brille und Gewehr" von Anatole Litvak. das mir persönlich leider völlig unbekannt ist. So kann ich dann auch keinen direkten Vergleich zwischen beiden Filmen ziehen, aber die Neuauflage von Joann Sfar ist auf jeden Fall einer der intelligentesten Thriller der letzten Zeit, wobei man allerdings nur zu dieser Einschätzung gelangen kann, wenn man sich auch ganz und gar auf das von Beginn an mysteriöse Geschehen einlässt. Dieses gestaltet sich ebenso außergewöhnlich wie der Filmtitel, denn die Erzählstruktur der Geschichte kann gerade in der ersten Stunde für einige Verwirrung beim Betrachter sorgen. Darin besteht aber gleichzeitig auch der ganz besondere Reiz des Szenarios, das übrigens zeitlich gesehen ganz offensichtlich wie auch das Original in den 70er Jahren angesiedelt ist. Dieser Eindruck entsteht von der ersten Minute an und wird durch die Kleidung der Protagonisten, Settings und allerlei anderer kleiner Zutaten noch verstärkt und sorgt so dementsprechend für das geniale Flair der damaligen Zeit.

Insbesondere in den ersten Minuten sorgt Joann Sfar für den genau richtigen Einstieg in die Chose, indem durch immer wieder eingestreute visuelle Flashbacks ein Höchstmaß an Verwirrung ausgelöst wird und man sich zunächst so gar keinen Reim auf die Hauptfigur Dany machen kann. Mit zunehmender Laufzeit steigt das Level der nicht zu erklärenden Vorkommnisse stetig an und erst wenige Minuten vor dem Ende lichtet sich dann der ominöse Schleier über den Abläufen. Zu diesem Zeitpunkt bekommt man dann auch die nötigen Erklärungen geliefert und auf einmal erscheint ein äußerst stimmiges Gesamtbild, das durch die Bekanntgabe der Zusammenhänge keinerlei Fragen mehr offen lässt. Bis dahin vergeht aber eine Menge Zeit, die nicht unbedingt mit einem hohen Erzähltempo ausgestattet ist. Vielmehr wird die Story extrem ruhig erzählt, aber gerade durch diesen Umstand erlangt das Ganze ein Höchstmaß an Intensität. Zudem beinhaltet "The Lady in the Car with Glasses and a Gun" einen sehr gekonnt aufgebauten Spannungsbogen, so das im Prinzip zu keiner Zeit so etwas wie Langeweile aufkommen kann. 

Zu interessant wurden die Geschehnisse in Szene gesetzt und man fiebert förmlich mit der Hauptfigur dem Zeitpunkt entgegen, wenn sich das ominöse Rätsel lösen lässt. Der Weg dort hin fordert zwar durchaus Geduld vom Zuschauer ein, doch am Ende wird man dafür mit einer lückenlosen Erklärung bedient, die den gesamten Film schlüssig und zudem auch stimmig erscheinen lässt. Dazu tragen auch die gut agierenden Darsteller bei, denn die Leistungen sind durch die Bank als absolut sehenswert zu bezeichnen. Im absoluten Mittelpunkt steht dabei Freya Mavor, die in der Rolle der Dany eine beeindruckende Performance an den Tag legt. Die restlichen Akteure kommen bei der Omnipräsenz der Hauptdarstellerin zwar nicht über den Status von Nebenrollen hinaus, tragen aber dennoch zum sehr guten Gesamteindruck des Werkes bei. Der absolute Höhepunkt dieses Filmes ist in meinen Augen die unheimliche und sehr mysteriöse Note, die dem Szenario von der ersten bis zur letzten Minute beiwohnt. Sie sorgt dafür, das hier auch ohne ein hohes Tempo oder großartige Action-Passagen ein regelrechter Nervenkitzel auf den Plan tritt und genau das gehört zu einem gelungenen Thriller dazu.

Schade, das es vom Original aus dem Jahr 1970 keine Veröffentlichung gibt, denn es wäre doch schon interessant, auch einmal den direkten Vergleich zwischen den beiden Werken zu ziehen. Wie dem aber auch sei, "The Lady in the Car with Glasses and a Gun" ist definitiv ein Beitrag, der das Genre des Thrillers ungemein bereichert. Es passt wirklich alles extrem gut zusammen und selbst die gerade zu Beginn außergewöhnliche und gewöhnungsbedürftige Erzählweise wirkt im nachhinein geradezu wie ein Segen für diese Produktion, die daraus ihren besonderen Reiz bezieht. 


Fazit:


Das Filmjahr 2017 fängt also richtig gut an, denn die gerade erschienene Veröffentlichung von Tiberius Film kann man ohne Weiteres als erstes kleines Highlight bezeichnen. Thriller-Liebhaber sollte unbedingt einen Blick riskieren, denn dieser Film garantiert vom Anfang bis zum Ende absolute Höchstspannung.


8,5/10

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