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Donnerstag, 1. Juni 2017

Der Teufel führt Regie






Der Teufel führt Regie
(Il Boss)
mit Henry Silva, Richard Conte, Gianni Garko, Antonia Santilli, Corrado Gaipa, Marino Masé, Howard Ross, Claudio Nicastro, Gianni Musy, Mario Pisu, Vittorio Caprioli, Pier Paolo Capponi, Andrea Aureli, Pietro Ceccarelli
Regie: Fernando Di Leo
Drehbuch: Fernando Di Leo / Peter McCurtin
Kamera: Franco Villa
Musik: Luis Bacalov
keine Jugendfreigabe
Italien / 1973

Einige Mafiosi sitzen in Palermo in einem Kion und schauen sich einen Pornofilm an. Währenddessen lässt der Killer Lanzetta, der zur "Familie" des Don Giuseppe Daniello gehört, unbemerkt von allen das Kino in die Luft gehen und erschiesst alle. Die Opfer gehören zum Clan von Antonio Attardi, Daniello's Rivale. Einer hat jedoch überlebt: Cocchi, der blutige Rache schwört. Kommissar Torri ist mit dem Fall betraut worden. Er knöpft sich Cocchi vor und rät ihm dringend von jeglicher Vendetta ab. Torri ist selbst mit dem Boss Daniellos, Don Corrasco, verbandelt. Doch Cocchi ist so von Hass durchdrungen, dass er Rina, die 20jährige Tochter von Daniello, entführen lässt. Lanzetta wird damit beauftragt, Daniellos Tochter zu befreien und mit der Bande Attardis abzurechnen.


Fernando Di Leo (Schloss der blauen Vögel, Milano Kaliber 9) hat mit "Der Teufel führt Regie" einen brillanten und nahezu perfekten Actionthriller kreiert, der unter den Genre-Vertretern ganz sicher ziemlich weit oben angesiedelt sein dürfte. Das liegt schon allein in der äußerst interessanten Geschichte begründet, denn auch wenn diese wie so viele andere Beiträge auch die Mafia-Thematik beinhaltet, hebt sich das Szenario sehr wohlwollend von anderen Werken ab. Dieses Mal steht nämlich einzig und allein eine Art Krieg unter verschiedenen Mafia-Gruppen im Fokus des Geschehens, wobei die Herkunft der einzelnen Mitglieder von ganz entscheidender Bedeutung ist. Man könnte das Ganze auch als einen Kampf zeischen Sizilien und Kalabrien bezeichnen, denn genau aus diesen beiden Gebiten Italiens stammen die Protagonisten her, die sich hier einen unbarmherzigen Kampf ohne gnade liefern. Man sollte als Zuschauer nun aber nicht zwingend auf eine Story setzen, in der es vor Action Passagen nur so wimmelt, denn Di Leo setzt sein Hauptaugenmerk ganz klar auf das Inhaltliche. So gestaltet sich die Chose dann auch phasenweise recht dialoglastig, was jedoch in keinster Weise negativ zu bewerten ist. 

Eher das Gegenteil ist der Fall, bekommt man doch einen sehr guten Einblick in die mafiösen Strukturen und wird dabei mit einem teuflischen Spiel konfrontiert, in dem Macht, Korruption und Verrat auf der Tagesordnung stehen. Zentrale Hauptfigur ist einmal mehr Henry Silva und wie kaum anders zu erwarten spielt der bekannte Darsteller einmal mehr einen Auftragskiller und Bösewicht, der aber witzigerweise die Sympathien des Betrachters auf sich ziehen kann. Aufgrund dessen kann man schon erahnen das hier noch weitaus schlimmere Figuren auf den Plan treten, wobei im Prinzip jeder einzelne Protagonist nur auf die eigenen Belange achtet und sich einen Dreck um Dinge wie Loyalität und Ehre schert. Die Story wartet gleich zu Beginn mit einem echten Höhepunkt auf, denn die Szenen in einem Kino dürften als ziemliches Highlight angesehen wrden. Danach fährt man erst einmal in einem etwas ruhigeren Fahrwasser, ohne das die Ereignisse jedoch in irgend einer Art und Weise langatmig erscheinen würden. Die Leo hat nämlich genau die richtige Mixtur aus Thriller und Action getroffen, so das sich ein insgesamt mehr als stimmiges Gesamtbild ergibt. 

Action gibt es dabei nicht unbedingt im Überfluss, doch die vorhandenen Sequenzen sind absolut erstklassig und können sich wirklich sehen lassen. Hinzu kommen die richtig guten Leistungen der Akteure, denn bis in die kleinsten Nebenrollen ist die Geschichte erstklassig besetzt. Das Schauspiel wirkt glaubwürdig und authentisch, lediglich das Verhalten der entführten Rina gibt einem erst einmal zu denekn. Als sie in Gefangenschaft ist, kann man ihre Handlungsweisen zunächst einmal nicht logisch nachvollziehen, aber im weiteren Verlauf der Geschehnisse bekommt man diverse Hintergrundinformationen, die ihr Benehmen in ein etwas anderes Licht rücken. Auch wenn hier sämtliche Protagonisten sehr gut agieren, so sollte man ganz eindeutig den guten Henry Silva ganz besonders hervor heben. denn dieser Mann ist einfach prädestiniert für die Rolle eines Killers. Das stellt er einmal mehr äußerst eindrucksvoll unter Beweis und im Bereich des italienischen Actionthrillers gibt es meiner Meinung nach auch niemanden, der ihm in diesem Punkt das Wasser reichen könnte. Esist eine Wonne ihm zuzuschauen und wenn man es nicht besser wüsste, dann könnte man zu der Einschätzung gelangen das er sich selbt spielt.

Insgesamt gesehen präsentiert sich mit "Der Teufel führt Regie" ein nahezu perfekter Beitrag, den man kaum besser hätte gestalten können. Die einzelnen Zutaten wurden harmonisch miteinander vermischt und ergeben letztendlich ein mehr als nur stimmiges Gesamtpaket. Die Veröffentlichung des Labels filmArt ist absolut gelungen und beinhaltet diesen grandiosen Film zudem in zwei Schnittfassungen. Neben der italienischen Originalfassung ist nämlich auch noch die um gut 21 Minuten kürzere deutsche Kinoversion mit an Bord. Die längere Version ist allerdings nur mit einer italienischen Tonspur ausgestattet, die mit durchgehenden deutschen Untertiteln versehen ist. Das macht aber rein gar nichts da die Geschichte für sich selbst spricht und jedem Liebhaber des Cinema Italiano einen wahren Filmgenuss garantieren dürfte.


Fazit:


Mit "Der Teufel führt Regie" hat Fernando Di Leo einen echten Leckerbissen auf den Weg gebracht, der auch in der heutigen Zeit kein bisschen von seinem Reiz und der vorhandenen Qualität eingebüßt hat. Genre-Liebhaber kommen definitiv auf ihre Kosten und dürften ihre helle Freude an diesem grandiosen Film haben.


9/10

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