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Freitag, 7. Juli 2017

Love to Kill






Love to Kill
(The Last Horror Film)
mit Caroline Munro, Joe Spinell, J'Len Winters, John Kelly, Simone Overman, Malgosia Casey, Patty Salier, Chip Hamilton, George Valismis, Peter D'Arcy, Filomena Spagnuolo, Don Talley, Mai Britt Finseth, Robert Paget
Regie: David Winters
Drehbuch: David Winters / Judd Hamilton / Tom Klassen
Kamera: Thomas F. Denove
Musik: Jesse Frederick / Jeff Koz
ungeprüft
USA / 1982


Der New Yorker Taxifahrer Vinny hat eine große Leidenschaft, er liebt Horrorfilme und die Schauspielerin Jana Bates. Vinnys größter Traum ist, einmal einen eigenen Horrorfilm zusammen mit seiner Lieblingsdarstellerin zu drehen. Um seinem Traum etwas näher zu kommen, entschließt er sich, samt seiner Filmausrüstung, nach Cannes zu den Filmfestspielen zu fliegen. Auch Jana Bates ist in Cannes, sie erwartet dort eine wichtige Auszeichnung. Doch es wartet ein grausames Horrorspektakel auf sie und diesmal ist es kein Film, sondern die blutige Realität...


Um eines gleich vorweg zu nehmen, trotz der beiden gleichen Hauptdarsteller und des Alternativtitels "Maniac 2 - Love to Kill" handelt es sich nicht um eine Fortsetzung des Klassikers "Maniac" von William Lustig aus dem Jahr 1980. Eigentlich handelt es sich bei der Namensgebung vielmehr um eine geschickte Marketing Strategie um den Film besser zu vermarkten, dennoch handelt es sich bei dem Werk von David Winters um einen der am stärksten unterschätzten Horrorfilme der 80er Jahre. Dabei ist die hier erzählte Geschichte wirklich gut und beinhaltet zudem sämtliche Zutaten die ein Film dieser Art nötig hat. Mit dem großartig agierenden Joe Spinell ist die männliche Hauptrolle absolut perfekt besetzt, denn die Rolle eines durchgeknallten Psychopathen ist ihm ganz augenscheinlich auf den Leib geschneidert. Konnte man sich davon schon in "Maniac" überzeugen, so legt der viel zu früh verstorbene Schauspieler an dieser Stelle eine meiner Meinung nach noch eindrucksvollere Performance an den Tag und drückt der Geschichte damit seinen ganz persönlichen Stempel auf. Als fanatischer Taxifahrer und Film-Fan ist der gute Mann nämlich die absolute Wucht, was im Prinzip in jeder einzelnen Einstellung der Story eindrucksvoll zu erkennen ist. Ihm zur Seite steht mit der bezaubernden Caroline Munro das perfekte Gegenstück und die beiden ergänzen sich wie schon zwei Jahre zuvor nahezu perfekt. Absoluter Höhepunkt dieser Produktion ist in meinen Augen die Darstellung von Vinny's (Spinell) seelischer Verfassung, denn während der Fanatiker im wahren Leben eigentlich ein totaler Versager und zudem auch noch ein Muttersöhnchen ist, gaukeln ihm die eigenen Fantasien etwas vollkommen anderes vor. In seiner Vorstellung ist er nämlich ein gefeierter Regisseur, der allerdings von echten Darstellern und Regisseuren ständig ausgelacht und nieder gemacht wird. Schon bei diesen immer wieder kehrenden Visionen macht sich die innere Zerrissenheit des Mannes mehr als stark bemerkbar und die Bebilderung des Ganzen verleiht der offensichtlichen psychischen Störung ein Höchstmaß an Intensität. So empfindet man als Zuschauer auch fast schon echtes Mitleid für die Figur von Vinny, der ziemlich offensichtlich in seiner eigenen Fantasiewelt lebt.

Der Schauplatz in Cannes verleiht dem Szenario sehr viel Authentizität und man kann wirklich zu der Einschätzung gelangen, das man sich hier in der Welt des Filmes bewegt. Passend dazu hat Winters dann auch auf das allseits beliebte Stilmittel der Film im Film Thematik zurück gegriffen, was dem Ganzen einen noch interessanteren Aspekt verleiht. Der Einsatz teilweise hektischer Schnittfolgen verleiht den Abläufen einen manchmal fast schon surreal anmutenden Anstrich, was in der Gesamtbetrachtung jedoch äußerst stimmig erscheint und im Einklang mit der psychischen Störung der Hauptfigur eine brillante Ergänzung darstellt. Neben der fanatischen Liebe zum Horrorfilm ist das obsessive Gefühl für die Schauspielerin Jana Bates (Munro) ein weiterer Höhepunkt des Geschehens, denn Vinny macht in keiner Phase der Geschichte einen Hehl daraus, was er für die bildhübsche, aber für ihn doch unerreichbare Frau empfindet. Durch das grandiose Schauspiel Spinell's wird wirklich der Eindruck erweckt, das man im vorliegenden Fall die perfekte Skizzierung einer psychischen Wahrnehmungsstörung serviert bekommt und aus diesem Aspekt bezieht der Film eine immense Kraft. Diese macht sich allerdings auch durch diverse explizite Gewaltdarstellungen bemerkbar, denn in einigen Szenen geht es schon relativ derbe zur Sache. Dennoch steht die Mordserie in Cannes eigentlich eher im Hintergrund, denn der Fokus ist ganz eindeutig auf die seelische Verfassung der männlichen Hauptfigur ausgerichtet.

Und so steht dann auch die Suche nach dem offensichtlich wahnsinnigen Mörder nicht zwingend im Vordergrund, was sicherlich auch in der Tatsache begründet ist, das die Verdachtsmomente äußerst offensichtlich in eine ganz bestimmte Richtung tendieren. Aber in dieser Beziehung weiß "Love to Kill" letztendlich doch zu überraschen, denn durch eine am Ende eingebaute Wendung wird das im Prinzip Offensichtliche völlig über den Haufen geworfen. David Winters hat hier insgesamt wirklich sehr gute Arbeit abgeliefert und einen räudigen Bastard von Horrorfilm abgeliefert, der sich größtenteils vielmehr als ein intensives, menschliches Drama darstellt, dem aber sämtliche Zutaten des Horrorfilmes beigemengt wurden. Wie dem auch sei, auf jeden Fall ist diesem Beitrag nie die Beachtung zu teil geworden, die er aufgrund der enthaltenen Qualität definitiv verdienen würde, denn allein schon die brillante Leistung eines Joe Spinell macht "Love to Kill" zu einem echten Leckerbissen für den geneigten Horror-Fan. Selbst als Gorehound kommt man stellenweise auf seine Kosten und für den Liebhaber intensiver Charakterzeichnungen offenbart sich ein wahrer Festschmaus. Das die ganze Chose dann auch noch mit einer herrlich kranken Atmosphäre ausgestattet ist rundet die Sache perfekt ab und sorgt für einen stimmigen Gesamteindruck.

"Fanatic" ist ein weiterer Alternativtitel für dieses Werk und dieses einzige Wort trifft den Nagel buchstäblich genau auf den Kopf. Kurz aber prägnant wird damit der Inhalt einer Story beschrieben, die dem Betrachter phasenweise richtig gehend unter die Haut fährt. Ein heraus ragender Joe Spinell spielt alles und jeden richtig gehend gegen die Wand und seine Omnipräsenz sorgt phasenweise sogar dafür, das einem der ein oder andere kalte Schauer über den Rücken jagt. Bleibt eigentlich nur noch zu hoffen, das dieser krude Horrorfilm durch die Veröffentlichung im Mediabook nun endlich die Beachtung findet die er eigentlich schon längst verdient hätte. Bisher hat "Love to Kill" nämlich ein eher stiefmütterliches Schattendasein geführt, was aufgrund der zu Grunde liegenden Qualität des Beitrags nur schwerlich nachzuvollziehen ist.


Fazit:


Auch nach nunmehr mittlerweile 35 Jahren schafft es dieser Film immer noch, durch seine kranke Grundstimmung ein starkes Gefühl der Beklemmung beim Betrachter hervor zu rufen. Desweiteren kann man sich immer wieder am Schauspiel des fantastisch auftrumpfenden Joe Spinell ergötzen, der den fanatischen Vinny mit einem Höchstmaß an Glaubwürdigkeit interpretiert, die wirklich ihres gleichen sucht.


9/10

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