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Mittwoch, 2. August 2017

I am Not a Serial Killer






I am Not a Serial Killer
(I am Not a Serial Killer)
mit Christopher Lloyd, Laura Fraser, Max Records, Karl Geary, Tony Papenfuss, Bruce Bohne, Matt Roy, Morgan Rysso, Molly Gearen, Lucy Lawton, Emmylou Barden, James Gaulke, Christina Baldwin, William Todd-Jones
Regie: Billy O'Brien
Drehbuch: Billy O'Brien / Christopher Hyde / Dan Wells
Kamera: Robbie Ryan
Musik: Adrian Johnston
FSK 16
Großbritannien / Irland / 2016

Jede Stadt hat seine Monster. Und so befürchtet auch der im tristen Clayton lebende John (Max Records), dass er soziopathische Züge hat und in ihm ein dunkles Geheimnis schlummert. Zu den Missverstandenen seiner Generation gehörend, ist für ihn das Einbalsamieren der Leichen im Bestattungsinstitut seiner Mutter eher willkommenes Hobby als lästige Arbeit. Um seine eigenen mörderischen Triebe im Zaum zu halten stellt er selbst ein striktes Regelwerk für sich auf und versucht, das Leben eines normalen Teenagers zu führen. Die Angst davor zum Killer zu werden steht der Faszination für Serienkiller und all jene Dinge, die mit dem Tod zu tun haben, jedoch hilflos gegenüber. Als tatsächlich mehrere Morde in der Kleinstadt geschehen deutet für John alles darauf hin, dass der für ihn rätselhafte Mr. Crowley (Christopher Lloyd) von Gegenüber für die Verbrechen verantwortlich sein könnte. Je mehr er sich mit dem alten Mann beschäftigt, desto stärker scheinen seine inneren Dämonen an die Oberfläche zu drängen. Versteckt sich hinter der liebenswerten Fassade seines Nachbarn wirklich das ultimative Böse oder sollte sich John doch eher vor sich selbst fürchte.


Es ist schon ein recht außergewöhnlicher Beitrag mit Serienkiller Thematik, den Billy O'Brien hier auf den Weg gebracht hat. Und obwohl sich "I am Not a Serial Killer" wohl selbst als Horrorthriller deklariert, kann man gewisse Züge eines waschechten Dramas nur schwerlich übersehen. Schauplatz der Geschichte ist eine Kleinstadt irgendwo in Amerika und im Fokus des Geschehens steht der junge John, der mit seinen gerade einmal 15 Jahren in einer entscheidenden Phase seines noch jungen Lebens steckt. Er sieht sich selbst als Soziopathen an und wenn man die Ereignisse aufmerksam verfolgt, dann gelangt man als Zuschauer eigentlich zu der gleichen Einschätzung. Von der ersten Minute an wartet die Hauptfigur nämlich mit einer erstaunlichen Emotionslosigkeit auf, was er während des Filmes auch des Öfteren verbal zum Ausdruck bringt. Er spürt eine dunkle Seite in sich und O'Brien ist es auch ganz vorzüglich gelungen, diesen Aspekt immer wieder in den Vordergrund zu rücken. Ob nun ein echter Serienkiller in John steckt kann man nur erahnen, aber sein Verhalten und die dazu gehörigen Gedanken deuten doch recht stark in eine bestimmte Richtung. Auf jeden Fall aber hat der Heranwachsende morbide Gedanken, was durch seine Nebentätigkeit im Beerdigungsinstitut seiner Mutter noch zusätzlich untermalt wird.

Anscheinend hat der Tod eine nahezu faszinierende Ausstrahlung auf den Jungen und so kommt es ihm im Prinzip wie gerufen, als in der Kleinstadt ein Serienkiller sein Unwesen treibt. Nachdem John eher zufällig auf die Identität des Mörders stößt entwickelt sich ein geradezu perfides Katz und Mausspiel zwischen den beiden. O'Brien hat für seine Geschichte eine äußerst ruhige Erzählweise gewählt, wer also auf ein enormes Tempo oder actiongeladene Passagen hofft, wird im Endeffekt nicht wirklich bedient. Stattdessen wird man mit einer sehr ausführlichen Charakter-Zeichnung der Hauptfigur konfrontiert, was durchaus für eine höchst intensive Note sorgt. Viele gute Dialoge erzeugen hier einen konstanten Spannungsbogen, denn als Betrachter wird man bis kurz vor dem Ende darüber im Unklaren gelassen, ob die dunkle Seite in John die Oberhand gewinnt. Eine eindeutige Tendenz in eine Richtung ist also lange nicht zu erkennen und genau aus dieser Tatsache bezieht der Film dann auch seinen ganz besonderen Reiz. Ein weiterer Pluspunkt ist das wirklich gelungene Schauspiel von Max Records, denn der 20-Jährige Schauspieler passt nicht nur optisch ganz hervorragend in die Rolle eines 15-Jährigen. Die Interpretation der Rolle ist sehr glaubwürdig und erscheint absolut authentisch, denn genauso stellt man sich einen innerlich unentschlossenen Jugendlichen vor, der noch nicht so ganz weiß in welche Richtung sein Leben gehen wird.

Andererseits gibt es aber auch gewisse Passagen die man als Zuschauer nicht so ganz nachvollziehen kann. Insbesondere ist dies auf die Figuren von Johns Mutter und seinen Therapeuten zu beziehen, denn deren Verhalten ist nicht gänzlich durch nachvollziehbare Logik geprägt. Nicht selten überkommt einen nämlich das unbestimmte Gefühl, das die beiden das immer auffälliger werdende Verhalten von John nicht richtig einschätzen. So gerät gerade die Mutter in eine sehr brenzlige Situation mit ihrem Sohn, in der einem doch für einen Moment fast der Atem stockt. Die durchgehend im Raum stehende Gefahr wird hier stellenweise fahrlässig unterschätzt, wodurch allerdings der Spannungsbogen stets aufrecht erhalten wird.

Es ist durchaus möglich, das "I am Not a Serial Killer" die Meinungen spalten wird, denn nicht jedem wird die ruhige Erzählung zusagen. Man muss schon ein wenig Geduld mitbringen und sich auf die Story einlassen, um mit diesem Beitrag warm zu werden. Trotz einer 16er Freigabe beinhaltet das Werk einige nette Szenen, denn des Öfteren bekommt man Szenen geboten, in denen ziemlich explizit an Leichen herum gewerkelt wird, ansonsten gibt es jedoch keinerlei blutrünstige Einstellungen. Diese hat der Film aber auch gar nicht nötig, denn allein schon die herrlich morbide und düstere Grundstimmung des Szenarios geht einem so richtig unter die Haut. Man bekommt also auch ohne größere Härten ein höchst intensives Filmerlebnis geboten, dessen Sichtung sich allemal lohnt Wer außergewöhnliche Werke zu schätzen weiß wird hier bestens bedient, der geneigte Gorehound hingegen kommt nicht wirklich auf seine Kosten und sollte lieber zu anderen Beiträgen greifen, um seine Blutgier zu stillen.


Fazit:


Billy O'Brien hat mit "I am Not a Serial Killer" eine ganze Menge richtig gemacht und gleichzeitig einen Genre Vertreter geschaffen, der sich wohlwollend von anderen Kollegen abhebt. Dabei wird der Film allerdings längst nicht jeden Geschmack treffen, denn die ruhige und teils ungewöhnliche Erzählung ist bestimmt nicht jedermanns Sache.


7/10

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