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Dienstag, 31. Oktober 2017

Serial Mom






Serial Mom - Warum lässt Mama das Morden nicht?
(Serial Mom)
mit Kathleen Turner, Sam Waterston, Ricki Lake, Matthew Lillard, Scott Morgan, Walt MacPherson, Justin Whalin, Patricia Dunnock, Lonnie Horsey, Mink Stole
Regie: John Waters
Drehbuch: John Waters
Kamera: Robert M. Stevens
Musik: Basil Poledouris
FSK 16
USA / 1994

Beverly Sutphin hat in ihrem Leben eine wunderbare Harmonie gefunden. Sie schafft es, das alles wie eine geölte Maschine läuft: Sie ist glücklich mit ihrem Mann, hat immer ein offenes Ohr für ihre Teenager- Kinder und hat für jeden Mitmenschen die richtige Antwort parat. Doch wehe, irgend jemand versucht, den trauten Familienfrieden zu stören. Der kleinste Anlass stürzt sie sofort in eine mörderische Wut. Egal ob Lehrer oder Nachbarin: Mama greift zu Schere, Schürhaken und Fleischermesser...

Immer wieder trifft man auf Filme die absolut zeitlos sind und gleichzeitig auch sehr nachhaltig im Gedächtnis des Zuschauers haften bleiben. Der vorliegende Beitrag von John Waters aus dem Jahr 1994 zählt ganz eindeutig dazu, handelt es sich hierbei doch um eine der schwärzesten Komödien, die je das Licht der Filmwelt erblickt haben. Waters bedient sich dabei der gern verwendeten und typischen amerikanischen Vorstadt-Idylle, die einem in etlichen Filmen nur zu gern vorgegaukelt wird. Im Mittelpunkt steht dabei eine scheinbar perfekte Vorzeigefamilie, die in Baltimore ein harmonisches und beschauliches Vorstadtleben führt. Aber der Schein trügt ganz gewaltig, denn gerade die Übermutter Beverly entpuppt sich relativ schnell als eiskalte Serienmörderin, die ihre Mitmenschen schon wegen geringster Verfehlungen unsanft über den Jordan befördert. Kathleen Turner ist die absolut ideale Besetzung für diese Rolle und die gute Frau kommt dermaßen überzeugend und spielfreudig daher, das es eine wahre Pracht ist. Es scheint ihr ein fast schon diebisches Vergnügen zu bereiten die eiskalte Psychopathin zu spielen, die ohne mit der Wimper zu zucken zu den unterschiedlichsten Mordwerkzeugen zu greifen, um diverse Nachbarn ihres Lebens zu berauben. Was sich hier viel eher wie ein spannender Psychothriller anhört ist aber in Wahrheit eine wirklich rabenschwarze Komödie, in der es vor Sarkasmus, Witz und zynischen Spitzen nur so wimmelt.

Obwohl allein schon die flott erzählte und spannende Story eine Sichtung wert ist, wird alles von dem überragenden Schauspiel der Hauptdarstellerin in den Schatten gestellt. Turner brilliert in ihrer Rolle und wenn man es nicht besser wüsste könnte man fast glauben, das sie sich an dieser Stelle selbst darstellt. Aber auch die anderen Darsteller machen ihre Sache absolut perfekt, denn "Serial Mom" ist bis in die kleinste Nebenrolle nahezu perfekt besetzt. Besonders stechen allerdings die Familienmitglieder hervor und in dieser Beziehung ist es völlig egal,ob es sich um den gutmütigen Ehemann, den geschäftstüchtigen Sohn, oder die liebeshungrige Tochter handelt. Waters hat für seine Produktion eine richtig tolle Darsteller-Riege um sich versammelt und jeder einzelne trägt zum hervor stechenden Gesamteindruck bei, den dieser Film beim Betrachter hinterlässt. 

Die Geschehnisse werden größtenteils völlig überspitzt dargestellt und mit jeder Menge bitter-bösem Sarkasmus untermalt. Zwischendurch wird auch immer wieder unverhohlener Zynismus eingestreut, der insbesondere in der Gerichtsverhandlung am Ende des Filmes verstärkt in den Vordergrund gerückt wird. Das Ganze wurde dabei mit einem unvergleichbaren Charme in Szene gesetzt, das selbst die "Serial Mom" unheimlich hohe Sympathiewerte auf sich vereinigen kann. Die gesamte Geschichte macht trotz ihrere durchaus ernsten Serienkiller-Thematik einfach nur riesigen Spaß, was wiederum in erster Linie der überragenden Kathleen Turner zu verdanken ist. Wenn man sieht mit welcher Selbstverständlichkeit Frau Turner ihre Taten vor sich selbst rechtfertigt treten einem teilweise die Tränen in die Augen, denn ihre Motive für die einzelnen Morde spotten im Prinzip jeder Beschreibung. Da wird nämlich nicht aus Rache oder Leidenschaft gemordet, vielmehr sind die Gründe eher im banalen Bereich zu suchen. Opfer kann nämlich so gut wie jeder werden, der einfach nur gegen die Vorstellung einer heilen Welt verstößt. Die gute Beverly hat nämlich eine ganz genaue Vorstellung davon wie sich jeder zu benehmen hat und wer seinen Müll nicht trennt oder die Video-Cassetten vor der Rückgabe in der Videothek nicht zurück spult, kann durchaus ein jähes Ende finden.

Letztendlich ist "Serial Mom" nichts anderes als ein bitter-böser Seitenhieb gegen die oft gebrauchte amerikanische Vorstadt-Idylle und gewährt dem Betrachter einen tiefen Einblick hinter die heile Fassade. John Waters hat sein Szenario dabei ganz bewusst völlig überspitzt ins Bild gesetzt, was diesem Film seinen unvergleichlichen Charme verleiht. Grandios aufspielende Akteure und eine alles überragende Hauptdarstellerin sind der Garant für ein unglaublich kurzweiliges Filmerlebnis, das man ganz bestimmt nicht so schnell vergisst. An vielen Stellen wirkt das Ganze sogar äußerst makaber, was in erster Linie in den Passagen rund um die Gerichtsverhandlung erstklassig zur Geltung kommt. Da werden beispielsweise die Taten der Mutter von ihren Kindern vermarktet, wobei sich der Sohn als besonders geschäftstüchtig erweist. Es wird über Filmrechte verhandelt, T-Shirts werden verkauft und zudem entwickelt sich rund um "Serial Mom" ein regelrechter Hype, der durch unzählige Fans der Serienmörderin unterstützt wird. Obwohl dieser Umstand völlig überzogen dargestellt wird präsentiert sich gleichzeitig ein visueller Tiefschlag gegen die Gesellschaft an sich, denn die sozialkritische Note dieser Produktion ist definitiv unübersehbar. Wie dem auch sei, "Serial Mom" ist eine rabenschwarze Komödie, die diese Bezeichnung auch wirklich verdient.


Fazit:


John Waters hat mit "Serial Mom" einen echten Klassiker im Bereich der schwarzen Komödien kreiert, den man sich auch nach über zwei Jahrzehnten immer wieder gut anschauen kann. Tolle Schauspieler, jede Menge Humor und eine brillant agierende Kathleen Turner machen dieses Werk zu einem echten Erlebnis, das man auf keinen Fall verpassen sollte.


10/10

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