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Hart, härter, Frankreich - Die neue Dimension des Terrorfilms

Schon längst sind die Zeiten vorbei, wo die sehenswerten Horro-und Terrorfilme lediglich aus den USA kamen. Auch bei uns in Europa gibt es mittlerweile so einige Länder, die auf dem Sektor des neuen Horrorfilms auf sich aufmerksam gemacht haben. Dass Großbritannien dazu gehört, ist spätestens seit Filmen wie "The Descent", "28 Days Later" oder Wilderness" kein Geheimnis mehr, auch Spanien und die Skandinavier sind längst auf den Horror-Zug aufgesprungen und präsentieren uns sehenswerte Genre-Beiträge.

Aber eines unserer Nachbarländer hat in den letzten Jahren durch einige besonders schockierende und extrem harte Filme auf sich aufmerksam gemacht, das man davor im Bereich des Horrorfilms nicht zwangsläufig auf der Liste hatte.

Mittlerweile dürfte es selbst der letzte Genre-Fan mitbekommen haben, das in den letzten Jahren unser Nachbarland Frankreich durch teilweise extrem harte Horror-und Terrorfilme auf sich aufmerksam gemacht hat. Die meisten Fans begrüßen das, denn diese Filme haben ganz sicher neues Leben in das Genre gebracht, das doch phasenweise an Ideenlosigkeit zu leiden scheint. So war es sicherlich eine sehr willkommenen Abwechslung, als im Jahre 2003 der Film "High Tension" erschien, der unter der Regie eines gewissen Alexandre Aja entstanden war. Ein Name, der bis dahin doch eher unbekannt war, sich aber mittlerweile selbst in Hollywood einen Namen gemacht hat. Doch ist "High Tension" auch ein Film, der die Meinungen der Fans teilweise sehr spaltet, was eigentlich weniger am vorhandenen Härtegrad liegt, der übrigens ziemlich hoch angesiedelt ist, sondern vielmehr durch die erzählte Geschichte. Denn für den einen Teil erscheint sie innovativ und überraschend, wohingegen die andere Seite doch eher die Meinung vertritt, das der Film nur so vor Logiklöchern strotzt. Nun liegt das ganz sicher auch in der Sichtweise des Betrachters, denn die Lösung des Problems liegt meiner Meinung nach irgendwo in der Mitte, denn Schizophrenie, um die es ja in dem Film liegt, ist ganz einfach nicht logisch zu erklären. Doch auch die gezeigte Härte, die der Film beinhaltet, ist vielen Leuten schon ein Dorn im Auge, denn es geht hier schon richtig derbe zur Sache. Doch zu diesem Zeitpunkt hat wohl auch noch keiner geahnt, das hier nur die Spitze eines Eisbergs angekratzt wurde und die Franzosen Stück für Stück die Gewaltspirale immer höher drehen würden.

So kam es, das 2007 gleich zwei französische Produktionen auf sich aufmerksam machen sollten, dabei handelte es sich um die beiden Schocker "Inside" und "Frontier(s)", die zwar von der Thematik her vollkommen unterschiedlich sind, aber es beide vortrefflich verstehen, den Zuschauer bewust zu schockieren. Vor allem "Inside", der unter der Regie von Alexandre Bustillo und Julien Maury entstand, dürfte durch seine extrem harten Gewaltdarstellungen selbst eingefleischten Genre-Fans den Schweiss auf die Stirn treiben. Ich möchte an dieser Stelle nichts über den Inhalt verraten, aber jeder, der den Film gesehen hat, der weiss wovon ich spreche. Sicherlich ist die Frage einiger Leute durchaus berechtigt und auch nachvollziehbar, ob einige Szenen unbedingt notwendig waren. Und diese Frage sollte man hier ehrlich gesagt mit einem klaren Ja beantworten, denn nicht umsonst ist der Titel des Films "Inside". Ausserdem sind die Szenen, die einige Gemüter so erregt haben, auf der deutschen DVD nicht enthalten, sondern lediglich auf der ungeschnittenen Version, die man nur über das Ausland beziehen kann.

"Frontier(s)", bei dem Xavier Gens das Regie-Zepter in der Hand hielt, ist ein Film, der in meinen Augen absolut überbewertet ist. Sicherlich ist der Film auch sehr hart geraten, stellt aber meiner Meinung nach nicht den "Überflieger" dar, den man ziemlich großspurig angekündigt hatte. Nicht, das ich hier falsch verstanden werde, ich bin nicht der Meinung, das der vorhandene Härtegrad nicht ausreichend wäre, aber das Gesamtpaket fand ich nicht gänzlich überzeugend. Das mag teilweise an der vorhandenen Thematik liegen, denn das hier ein paar Jugendliche in die Fänge einer Nazi-Familie geraten, wirkt doch etwas abgedroschen und wird auch nicht ausreichend beleuchtet, sondern lediglich oberflächlich angekratzt. Nichtsdestotrotz ist es ein sehenswerter Film und Freunde der härteren Welle werden hier durchaus auf ihre Kosten kommen, das steht wohl ausser Frage.

Doch das alles ist in meinen Augen nichts im Gegensatz zum 2008 erschienenen Film "Martyrs", für den Pascal Laugier als Regisseur verantwortlich ist. Denn dieses Werk wirkt so extrem verstörend auf den Zuschauer, das man die gesamte Laufzeit über ein extremes Gefühl der Beklemmung verspürt, dessen man sich, selbst wenn man es wollte, zu keiner Zeit entledigen kann. Der dramaturgische Aufbau des Films vermittelt dem Betrachter in den ersten 30 Minuten das Gefühl, das man es hier mit einem stinknormalen, aber doch sehr harten Rachefilm zu tun hat, bis sich die Geschichte dann in eine vollkommen andere Richtung entwickelt, die man so keinesfalls vorhersehen konnte. Man wird mit einer sadistischen Härte konfrontiert, die eine so intensiven Eindruck hinterlässt, das man teilweise kaum Luft bekommt, da sich der Hals wie zugeschnürt anfühlt. Die hier gezeigten SFX sind bestimmt nicht die härtesten, die man je zu Gesicht bekommen hat, doch der Film als Ganzes könnte nicht härter und verstörender sein. Man wird hier geschockt, teils entwickelt sich sogar ein aufkommendes Gefühl der Übelkeit, man möchte am liebsten seinen Blick vom Geschehen abwende, fühlt sich dazu aber nicht in der Lage, da das Gesehene auch gleichzeitig eine ungeheure Faszination auf einen ausübt. Ich glaube, das es keineswegs übertrieben ist, wenn man "Martyrs" als bisher härtesten Beitrag der Franzosen im neuen Jahrtausend bezeichnet, jedenfalls, wenn man das vorliegende Gesamtpaket betrachtet.

Es wird sicherlich interessant sein, was uns in den nächsten Jahren im Bezug auf Horror-und Terrorfilme noch serviert wird, welche Tabus eventuell noch gebrochen werden und wie sich die gewaltspirale weiterentwickelt. Denn sind schon die vier hier erwähnten Filme schon als besonders hart und schockierend einzustufen, so glaube ich nicht, das hiermit das Ende erreicht ist. Wie man zu diesen Filmen steht und was man über den gezeigten Härtegrad denkt, das ist natürlich Empfindungssache, doch eines dürfte klar sein, nämlich die Tasache, das unsere Nachbarn mit diesen Genre-Beiträgen bewust schocken wollten und das ihnen diese Vorhaben vortrefflich gelungen ist.



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Zombie - Dawn of the Dead
(1978)
Die unterschiedlichen Versionen


Es gibt wohl nur ganz wenige Filme, die das Horror - Genre dermaßen revolutioniert haben, wie dieser zweite Teil der "Dead - Reihe" von George A. Romero, der diese Reihe 1968 mit dem s/w Klassiker "Night of the living Dead" eröffnet hat. Schon der erste Teil war revolutinär, wurden dort doch die Untoten das erste Mal als wirklich bedrohliche Kreaturen dargestellt.

In diesem zweiten Teil hat Romero dann auch noch den Härtegrad ordentlich erhöht, der sich im Vorgänger doch noch in überschaubaren Grenzen hielt. Doch hier bekam der geneigte Horrorfan auf einmal mordlüsterne Kreaturen zu sehen, deren Aktivitäten in aller Brutalität und Härte gezeigt wurden. Dennoch wirkt dieser Film zu keiner Zeit wie ein sinnloses Gemetzel, dafür hat Romero allein durch den Einbau seiner sozialkritischen Aspekte gesorgt, die aber vielen Leuten gar nicht auffallen, da sie den Film lediglich als reinen Zombiefilm sehen und nicht erkennen, was Romero für sarkastische Spitzen eingebaut hat.


Um nur 2 Beispiele zu nennen, die aber sehr prägnant wirken, wäre da zum einen die Tatsache, das sich die Untoten selbst nach ihrem Ableben immer wieder zu ihrem Konsumtempel ( Einkaufszentrum ) bewegen, da dieser Instinkt in ihnen anscheinend nicht getötet wurde.Zum anderen schwelgen die 4 Helden des Films, die zeitweise im Einkaufszentrum, im puren Luxus, sie essen die feinsten Speisen, oder trinken auch Champagner und das trotz der apokalyptischen und schier auswegslosen Situation, in der sie sich befinden. Gerade diese Dinge sind es, die generell die Zombiefilme von Romero auszeichnet, nur leider werden diese kleinen, sozialkritischen Spitzen anscheinend nicht bei allen Leuten an.

Auch die hier gezeigten Zombies unterscheiden sich doch sehr von den Zombies anderer Regisseure, was sich allein durch ihren bläulichen Farbstich sehr stark zum Ausdruck bringt und ihnen einen sehr markanten und prägnanten Touch verleiht. Viele Leute finden ja die Zombies der heutigen Zeit als viel bedrohlicher, da sie schnell laufen können, aber die hier gezeigten Untoten wirken keineswegs harmloser, vor allem kann man sie viel leichter unterschätzen, da es sogenannte "Oldschool - Zombies" sind, die schön langsam und sehr behäbig wirken und so durch die gegend schlurfen.

"Dawn of the Dead" zählt sicherlich zu den Filmen mit dem höchsten Kult - Faktor, der in Kreisen der Fans unglaublich hoch ist und das auch vollkommen zu recht. Dieser Film ist selbst bei den Experten absolut anerkannt und genießt selbst in Fachkreisen einen sehr hohen Stellenwert. So hat zum Beispiel das "Museum of mofern Art" eine Kopie des Films für seine Sammlung erworben und auch der sehr renommierte US - Filmkritiker Roger Ebert bewertete das Werk mit 4 von 4 möglichen Sternen und begründete das damit, das es sich um einen der besten Horrorfilme aller Zeiten handelt. Wer sich etwas mit Kritiken von Horrorfilmen auskennt, der weiss, das dies einer Art Ritterschlag gleichkommt.

Wenn man allein nach den deutschen DVD - und VHS Veröffentlichungen dieses Films geht, nimmt das schon fast rekordähnliche Ausmaße an, denn allein an deutschsprachigen Veröffentlichungen gibt es laut der Online - Filmdatenbank ( OFDB ) sage und schreibe 34 !! und das ist doch wahrlich eine sehr stattliche Anzahl, auch wenn die meisten davon derbe geschnitten sind.

So kommen wir zu dem meiner Meinung nach fast wichtigstem Punkt, über den man bei "Dawn of the Dead ganz einfach sprechen muß und das sind die verschiedenen und wichtigsten Schnitt - Versionen des Films. Dazu sollte man noch erwähnen, das es 3 ursprüngliche und noch einige weitere interessante und erwähnenswerte ausländische Versionen gibt.

Die 3 ursprünglichen Versionen

Argento Cut

Hierzu muß man wohl erst einmal erklären, wie Dario Argento ünerhaupt mit ins Spiel kam, denn sicherlich weiss das nicht jeder. Nachdem Romero das Drehbuch angefangen hatte, bekam er Schwierigkeiten, in den USA Investoren für sein Projekt zu finden, da sein letzter Film "Martin" finanziell eher ein Flop war. So wurde das halbfertige Drehbuch an den italienischen Produzenten Alfredo Cuomo geschickt, der es ins italienische übersetzen ließ und an Claudio Argento weitergab. Claudio gab es an seinen Bruder Dario weiter. Da dieser schon ein großer Fan von "Night of the living Dead" war, herrschte bei ihm ein reges Interesse an einer Weiterführung der "Dead - Reihe". So kam es, das er Romero nach Rom einlud, damit er dort sein Drehbuch fertigschreiben konnte, was dann auch in nur dreieinhalb Wochen geschah. Argento investierte selbst 250.000 US Dollar in das Projekt und man gestand ihm im Gegenzug das Recht zu, in allen nicht - englischsprachigen Ländern ( mit Ausnahme von Lateinamerika seine eigene Schnittversion selbstständig zu vermarkten. Ausserdem stellte Argento auch noch die speziell für den Film produzierte Filmmusik von Goblin bereit. Ansonsten aber hielt er sich aus Respekt zu Romero aus den Dreharbeiten und der Fertigstellung des Films heraus.

Argento's Version des Films ist die bei uns im Kino gelaufene Schnittversion, auch "Euro - Cut" genannt. Diese Fassung gilt als action - und temporeichste Version des Films, die sich aber trotzdem nicht uneingeschränkter Beliebtheit erfreut, da viele der Meinung sind, das hier die typische Romero - Atmosphäre unter den Schnitten leidet und die eingebaute Sozialkritik nicht sonderlich zum Tragen kommt. Aber von der rein filmrhytmischen Seite aus gesehen ist diese Version sicher die vorteilhafteste.Doch Romero selbst har sich eher negativ über diese Version geäussert ( Laufzeit ca. 116 Minuten )

Long Version

Diese Version des Films wurde wirklich sehr schnell erstellt, da man sie 1978 bei den Filmfestspielen in Cannes möglichen Filmverleihern präsentieren wollte. 1994 kam diese Version in Japan als "Director's Cut" in die Kinos, was aber eher aus marketingtechnischen Gründen geschah, da es sich hier eher um eine Rohfassung des Films handelt. Angeblich soll sich Mr. Romerospäter auch über diese Schnitt - Version negativ geäussert haben. Nichtsdestotrot ist diese Version die weitverbreitetste in den USA ( Laufzeit ca. 139 Minuten )

American Theatrical Cut

Hierbei handelt es sich um die ganz persönliche Schnittfassung von Romero, warum hier die Bezeichnung "Director's Cur" wohl viel angebrachter wäre, weil es sich ja um seine Endfassung am Schnitt handelt. Hier wurden einige für die Handlung nicht so wichtige Szenen entfernt und durch Musik von Goblin ersetzt ( Laufzeit ca. 126 Minuten )

Darüber hinaus gibt es auch noch einige durchaus erwähnenswerte Fassungen des Films, von denen ich noch berichten möchte.

R Rated Version

Diese um Gewaltszenen reduzierte Version wurde 1982 im Rahmen einer Doppelvorstellung mit Romero's "Creepshow" im Kino gezeigt, aber schon ziemlich schnell verschwand der Film wieder aus den Kinos, nachdem etliche Fans ziemlich heftig dagegen protestierten ( Laufzeit ca. 105 Minuten )

Japanese Theatrical Version

Identisch mit dem Argento Cut, diese Version kam auf englisch mit japanischen Untertiteln in die Kinos. Die Besonderheit hier liegt darin begründet, das die Gewaltszenen durch sogenannte Freeze Frames kaschiert wurden und am Anfang des Films eine Einblendung erscheint, die den Ausbruch der Zombie - Seuche erklärbarer machen soll ( Laufzeit ca. 116 Minuten ).

Japanese Television Version

Auch hier handelt es sich eigentlich um den Argento Cut, nur das die Version von den Gewaltszenen befreit wurde. Eine Besonderheit ist hier, das bei der Erstausstrahlung als Filmmusik der Soundtrack von Argento's "Suspiria" benutzt wurde. Aufgrund dieser Tatsache gilt diese Version als sehr begehrtes Sammlerstück. Allerdings wurde aufgrund von zahlreichen Protesten später der ursprüngliche Soundtrack wieder eingebracht. Im Gegensatz zur "Japanese Theatrical Version" wurde diese Fassung auch synchronisiert ( Laufzeiz ca. 110 Minuten ).

Auch für den deutschsprachigen Markt gibt es noch eine Schnittfassung, die man keinesfalls ausser Acht lassen darf. Der 2001 über die Firma Astro erschienene "Ultimate Final Cut", auch "Krekel Cut" genannt, der aber bei vielen Fans nicht sehr beliebt ist. Es handelt sich hier um die weltweit längste Version, die Laufzeit beträgt ca. 156 Minuten, wodurch der Film vielen Fans zu langgezogen erscheint. Da es sich hier um eine Mischung aus den Schnittfassungen von Argento und Romero handelt, wirkt der Film an mehreren Passagen auch arg zusammengestückelt, die Musik wechselt auf einmal, so das diese Version qualitätsmäßig nicht richtig zu überzeugen weiss.

Wie schon erwähnt, gibt es noch etliche weitere Veröffentlichungen des Films, von denen die meisten deutschsprachigen allerdings sehr stark gekürzt sind. Leider kann man dieses Meisterwerk des Genres bei uns nicht ungeschnitten genießen, wodurch dem Fan letztendlich lediglich die Möglichkeit bleibt, den Film über das Ausland zu beziehen.

2004 erhielt dieses Juwel dann auch ein Remake, bei dem Zack Snyder Regie führte. Am Anfang war die Fangemeinde äusserst skeptisch, doch dadurch, das in dem Remake viele neue Ideen mit eingebracht wurden, wurde es ein voller Erfolg. Diese Neuauflage ist dem Original würdig und das liegt daran, das hier keine 1: 1 Kopie gedreht wurde, denn dann wäre der Film mit an Sicherheit grenzender Warscheinlichkeit gnadenlos durch das Raster gefallen. So aber wurde dem Zuschauer eine wirklich Neuinterpretation serviert, die spannend, temporeich und auch ziemlich hart geworden ist.


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Olaf Ittenbach und seine Filme


Olaf Ittenbach wurde 1969 in Fürstenfeldbruck geboren und wird vor allem in Fan-Kreisen als der "Deutsche Splatter-Papst" angesehen. Diesen Ruf hat sich der gelernte Zahntechniker auch mehr als verdient und durch sehr viel Ehrgeiz, Fleiss und vor allem Talent errungen. Mit seinen Fähigkeiten im Bezug auf Splatter- und Gore Effekte verzückt er die Herzen eines jeden Horrorfans und hat doch leider nie den ganz großen Durchbruch geschafft.

Begonnen hat die Erfolgsgeschichte des Olaf Ittenbach mit seinem ersten eigenen Film Black Past , der Film erschien 1989 und war natürlich eine reine Amateur-Produktion. Das bezieht sich aber keinesfalls auf die gezeigten Splatterszenen, die schon in diesem Erstlingswerk sehr hochwertig sind und Maßstäbe setzten.

Als Darsteller fungierten zu der Zeit hauptsächlich Freunde von Olaf, denn an "richtige" Schauspieler war auch aus rein finanziellen Gründen noch nicht zu denken. Eigentlich sollte dieser Film auch nie groß rauskommen, doch mehr durch Zufall gelang er zu dem Magazin Splatting Image und wurde so innerhalb kurzer Zeit in Fankreisen berühmt.

Die Erstversion des Films wurde natürlich bundesweit beschlagnahmt und es erschien eine auf knapp 67 Minuten geschrumpfte Version. Erst im Jahre 2000 erschien ein Director' Cut mit einer Laufzeit von 83 Minuten. Die Produktionskosten des Films lagen 1989 übrigens bei knapp 10.000 DM, die fast ausschließlich für die Spezialeffekte verwendet wurden.

Durch den überraschend großen Erfolg seines Debutfilms war Ittenbach in der Lage, 1992 seinen zweiten Film Burning Moon rauszubringen, den er aus den Gewinnen von Black Past finanzieren konnte. Hier betrugen die Produktionskosten mittlerweile schon knapp 50.000 D M, wodurch auch viel mehr Geld in die Effekte gesteckt werden konnte. Auch bei dieser Produktion gibt es in dem Bezug überhaupt nichts zu meckern, vor allem, wenn man in der zweiten Episode des Films an die berühmte Höllenszene denkt, die jeden Splatterfan in Verzückung geraten lässt.Allerdings finde ich, das der Film storytechnisch doch etwas sehr schwachbrüstig daherkommt und als Gesamtwerk zu den schlechteren Werken von Ittenbach zu zählen ist. Bei der Fangemeinde allgemein erhielt der Film einen sehr starken Zuspruch. Es war schon selbstverständlich, das auch dieser zweite Streich von Olaf beschlagnahmt wurde und um den Film auf VHS erscheinen zu lassen, mussten damals Kürzungen von 12 Minuten vorgenommen werden. Allerdings hatten die späteren Veröffentlichungen auf DVD dann wieder die Originallauflänge.

5 Jahre mussten die Fans dann warten, bis 1997 endlich mit Premutos, der gefallene Engel der nächste Film erschien und der hat es wirklich in sich. Nicht umsonst wird dieser Streifen sehr oft als deutsche Antwort auf Peter Jackson' Braindead bezeichnet und das auch vollkommen zu recht. Denn in diesem Film wird gesplattert, das jedem Fan das Herz im Leibe lacht. In Expertenkreisen fielen die Kritiken zwar eher schlecht aus, im Lexikon des internationalen Films ist beispielsweise zu lesen: "Der Horrorfilm - Versuch eines Amateurs setzte mehr auf blutige Effekte, als auf eine durchdachte Story"und "Es ist ertaunlich, das die Home made Produktion um eine Geschichte mit mehreren Epochen einen Vertriebsweg fand". Nun sind diese Kritiken den echten Ittenbach - Fans wohl ziemlich egal, denn der Film hat einfach einen extrem hohen Unterhaltungswert, was allein schon durch den teilweise grotesk wirkenden Humor entsteht, den der Film beinhaltet.Natürlich ist Premutos kein Streifen mit einer vollkommen ausgefeilten und genialen Story, doch merkt man hier schon sehr stark das Bestreben Ittenbach's, seine Filme nicht nur auf die Effekte zu reduzieren.

Riverplay , der im Jahr 2000 erschien, war ein sehr wegweisender Film für Ittenbach, denn er gilt als Bindeglied zwischen Olaf's Schaffen im Amateur - Bereichund den folgenden professionellen Werken. Bei vielen Film kam der Film allerdings nicht so gut an, was sicherlich in erster Linie darin begründet ist, das es sich hier in Sachen Härte und Effekten um den harmlosesten Film des Splatter - Papstes handelt. Trotzde, oder gerade deshalb finde ich, das wir es hier mit einem seiner besten Filme zu tun haben. Denn mit Riverplay ist man hier wirklich neue Wege gegangen, statt einer gewohnten Splatterorgie bekam der Fan hier ein sehr gut in Szene gesetztes psychisches Katz - und Mausspiel zu sehen, das eine sehr starke Faszination auf den Zuschauer ausübt. Natürlich ist dieses Werk eher vollkommen untypisch für Ittenbach, aber deswegen keineswegs schlechter als die bisherigen Filme. Hier wurde ein Wagnis eingegangen und der Mut zur Veränderung gezeigt, was auch einen gewissen Reifeprozess andeutet, der sich vollzogen hat.

Im Jahr 2001 erschien dannLegion of the Dead , der von sehr vielen Leuten als der schwächste Film von Ittenbach bezeichnet wird. Dabei kann ich das gar nicht nachvollziehen, denn wenn man genau hinschaut, hat der Film doch eine ganze Menge Ähnlichkeit mit einem modernen Klassiker Namens From Dusk till Dawn , der ja mittlerweile schon längst Kultstatus genießt. Komischerweise sind aber die Kritiken für Legion of the Dead meist negativ, aber das ist natürlich auch reine Geschmackssache. Doch die hier vorhandene Mixtur aus Horror und skurilem Humor, garniert mit wirklich, wie für Olaf üblich, tollen Splatteszenen finde ich persönlich doch mehr als gelungen. Das aber selbstverständlich nur im ungeschnittenen Director's Cut und nicht in einer der verstümmelten Versionen. Für diesen Film stand übrigens ein Budget von 2.000.000 DM zur Verfügung, nur einmal, um aufzuzeigen, wie sich die Verhältnisse geändert haben.

Nur 2 Jahre später, also 2003, erschien mit Beyond the Limits einer derstorytechnisch besten, wenn nicht sogar der beste Film von Ittenbach. Allein die Idee, den Film in 2 verschiedenen Zeitepochen spielen zu lassen, war grandios. Spielte die erste Hälfte des Films noch in der Gegenwart, so ging man in der zweiten Filmhälfte in die vergangenheit zurück. Auch der hier gezeigte Härtegrad ist extrem hoch angesiedelt, aber nicht nur das, auch dieQualität der Effekte wirkt hier noch professioneller, als sie in den andere, früheren Werken sowieso schon war. Hier kommt nun auch ein wirllich excellenter Story - Plot hinzu, der sehr gut in Szene gesetzt wurde und den Zuschauer zu fessekn vermag. Neben Riverplay ist es hier eigentlich erst das zweite Mal der Fall, das man nicht nur speziell auf Splatter / Gore Effekte achtet, sondern auch von der Geschichte vollkommen fasziniert wird.

Garden of Love , der 2003 erschien, war für Olaf vor allem in privater Hinsicht ein extrem wichtiger Film, da er in dieser Zeit seine Frau Martina kennenlernte, die er auch schon ein Jahr später heiratete. So ist Garden of Love auch sein letztes Werk, in dem Martina keine Hauptrolle spielte. Dieser Film ist mein persönlicher Liebling von Olaf, da er als Gesamtwerk eine sehr starke Faszination auf den Zuschauer ausübt. Zwar schwächelt der Film etwas bei den Dialogen und auch die Story hat kleine Schwächen, aber dafür bewegt man sich bei den Effekten auf einem extrem hohen Level. Atmosphärisch herrscht hier jedenfalls die größte Dichte, die wohl je in einem Ittenbachfilm gemessen wurde.

2006 erschien der von den Fans so sehnsüchtig erwartete Chain Reaction , doch nach Sichtung des Films wich bei vielen Leuten die Begeisterung und Enttäuschung machte sich breit, da der Streifen die hohen Erwartungen nicht erfüllen konnte. Das liegt sicher in erster Linie darin begründet, das die vorhandenen Splatter / Gore Einlagen, die natürlich wieder erstklassig sind, leider etwas unglücklich über den Film verteilt wurden. Einmal nämlich noch ziemlich am Anfang des Films und dann erst wieder ziemlich kurz vor dem Ende. Der lange Zwischenteil hingegen ist mit teilweise überflüssigen Dialogen und nicht gerade tollen darstellerischen Leistungen gespickt. Dieses hätte man sicherlich etwas besser handhaben können. Dennoch ist Chain Reaction kein schlechter Film, vielleicht war auch einfach die Erwartungshaltung zu groß.

Nun kommen wir zu einem der wohl umstrittensten Werke des Herrn Ittenbach, nämlich zu Ittenbach's Familienradgeber , der auch 2006 erschien. Hier kehrte er wieder zu seinen Wurzeln der Amateur - Produktionen zurück und ist so ganz nebenbei ein meiner Meinung nach ziemlich großes Risiko eingegangen, denn das dieser Film nicht den Nerv aller Fans treffen sollte, stand eigentlich von Anfang an fest.Viele Kritiker, aber auch viele Fans haben sich darüber aufgeregt, das hier vor allem die Gewalt an Kindern verherrlicht wird und das dies jenseits des guten Geschmacks ist. Aber mal ganz ehrlich, wenn man diesen Film als das sieht, was er ist, nämlich eine herrlich, bitterböse Satire auf das Familienleben, dann müsste selbst der größte Kritiker auch lachen können. Jedenfalls hat Olaf einmal mehr unter Beweis gestellt, das er auch jederzeit bereit ist, ein Risiko einzugehen und das finde ich sehr gut.

Nun sind wir in der Gegenwart angelangt und befinden uns beim bislang letzten Film Dard Divorce, bei dem ich nur jedem empfehlen kann, sich diesen Film lediglich ungeschnitten anzusehen. Bei diesem Werk verhält es sich wirklich so, das die Effekte den Film unheimlich aufwerten, da Story und Darsteller doch eher etwas schwach wirken. Dafür ist der Härtegrad hier schon fast atemberaubend, da hat sich Olaf fast selbst übertroffen. Aber dieser Film zeigt auch gnadenlos die schwäche des Meisters auf, er hat es leider nur selten geschafft, sein herausragendes Talent für Effekte in Einklang zu bringen mit einer tollen und interessanten Story, guten Darstellern und einer tollen Atmosphäre.

Seine überragenden Fähigkeiten im Bereich der Splatter / Gore Effekte durfte er ja auch schon in wirklichen Groß - Produktionen wie zum Beispiel Uwe Boll's Bloodrayne, oder auch in Seed unter Beweis stellen und das hat auch mit Sicherheit seine Berechtigung. So bleibt zu hoffen, das wir noch einige Ittenbach Werke zu sehen bekommen, ein neues Projekt soll ja schon in Arbeit sein.



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Unheimliches auf Deutsch  Teil 1

Teil 1:
Die Übersicht


Um von Beginn an Missverständnissen vorzubeugen, hier geht es um Horrorfilme, die aus dem deutschsprachigen Raum sind, also kann es gut sein, das auch Filme aus einem unserer Nachbarstaaten dabei sind. Bei all den vielen Hollywood-Produktionen und Gruselfilmen aus Asien ist es doch einmal sehr interessant, wie es da um den deutschsprachigen Raum bestellt ist und wie groß unser Beitrag zum Horror-Genre ist.

Wenn man einmal bedenkt, das Deutschland an den Anfängen des Horrorfilms einen entscheidenen Anteil hatte, dann ist es doch mittlerweile ziemlich traurig um den deutschsprachigen Horrorfilm bestellt. Sieht man die ersten deutschen Beiträge, bei denen es sich immerhin um wirkliche Klassiker wie Nosferatu - Eine Symphonie des Grauens (1922), der unter der Regie von Friedrich Murnau entstand und in dem der unvergessliche Max Schreck auf seine brillante Art und Weise den Grafen Orlok darstellte. In diesem zeitlosen Klassiker wurde immerhin zum ersten mal die Geschichte von Bram Stokers Dracula filmisch dargestellt, auch wenn aus rechtlichen Gründen ein anderer Name für den Grafen gewählt werden musste.

Aber auch Filme wie Das Kabinett des Dr. Caligari (1920) von Robert Wiene, oder Der Golem (1920) von Paul Wegener und Carl Boese zählen zu den Meilensteinen des Genres und gelten als ganz große Klassiker der Stummfilmzeit. Zu den hier genannten Regisseuren und ihren Filmen wird an anderer Stelle noch einmal ausführlich die Rede sein.

Jetzt sollte man eigentlich davon ausgehen können, das nach einem so gelungenem Start in das Genre weitere gute und sehenswerte deutsche Beiträge folgen sollten, doch mit dieser Annahme liegt man leider vollkommen daneben. Zwar gab es noch Filme wie Vampir (1931), der aber eigentlich nicht der Rede wert ist. Es dauerte dann bis sage und schreibe 1959, bis mal wieder eine erwähnenswerte deutsche Produktion erschien und zwar der unter der Regie von Victor Trivas entstandene Die Nackte und der Satan.

In den nächsten Jahren folgten dann wenigstens mal wieder einige deutsche Horror-Produktionen, über deren Qualität und Stellenwert im Genre man allerdings durchaus geteilter Meinung sein kann. Es handelt sich dabei um Titel wie Die Schlangengrube und das Pendel von 1967, oder Jonathan (1970). Im erstgenannten Film spielten mit Lex Barker und Karin Dor natürlich 2 Schauspieler mit, die in deutschen Spannungsfilmen nicht ganz unbekannt sind. So spielte Barker ja in einigen der 6 Nachkriegs-Mabuse Filmen mit und Karin Dor hat sich durch ihr mitwirken in mehreren Edgar Wallace-Verfilmungen als deutsche "Scream-Queen" einen Namen gemacht. Erst 1976 erschien dann wirklich mal wieder ein Film, über den zu reden sich auch wirklich lohnte. Gemeint ist die Neuverfilmung des alten Murnau-Klassikers Nosferatu, in der diesmal mit Klaus Kinski einer der wohl besten deutschen Schauspieler aller Zeiten die Hauptrolle spielte.

1983 kam dann von unseren Nachbarn aus Österreich der Film Angst, der nicht der letzte Beitrag unserer Nachbarn bleiben sollte. Es folgten zum Beispiel der 2004 erschienene Hotel, doch am bekanntesten dürfte der Film In 3 Tagen bist du tot aus dem Jahr 2006 sein, zu dem ja mittlerweile sogar aufgrund des großen Erfolges ein Sequel gedreht wurde.

Bei uns in Deutschland schöpfte der geneigte Horror-Fan erst zum Ende des Jahrtausends wieder etwas Hoffnung, als Filme wie Anatomie (1999), oder mit Flashback - Mörderische Ferien sogar eine Art Slasher erschien, der für deutsche Verhältnisse sogar recht spannend und interessant inszeniert war. Weitere Filme dieser Art waren die beiden School's Out Teile (1999, 2001). Mit diesen Filmen wollte man wohl ganz gern auf den Zug der so erfolgreichen Teenie-Horrorwelle aufspringen, doch bis auf einen zweiten teil von Anatomie (2003) bekam man leider nichts Anständiges mehr auf die Reihe.

Der Mittelpunkt des Horrorfilms spielt sich in Deutschland wirklich im Amateur-Bereich ab, aus dem ja auch Olaf Ittenbach gekommen ist. Über seine Filme lasse ich mich hier nicht aus, da ich das schon in einem Extra-Artikel getan habe. Aber es gibt einige wirklich gute und sehr ansprechende Amateur-Filme, doch darüber sprechen wir ausführlich zu einem späteren Zeitpunkt in einem anderen Artikel.

So kann man abschließend nur hoffen, das Deutschland irgendwann einmal zu alter Stärke im Bereich des Horrorfilms zurückkehren kann und nicht immer die ganze Energie in irgendwelche Pseudo-Komödien verschwendet, über die kaum einer lachen kann. Denn das auch sehr gute Horrorfilme aus Europa kommen können, das haben uns in den letzten Jahren vor allem die Franzosen , die Spanier und die Briten gezeigt, da müsste das doch eigentlich auch bei uns möglich sein.

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Wie viel Blut muss fließen? - Härte = Qualität?


In den letzten Jahren ist gerade im Bereich des Horrorfilms ein Trend entstanden, das die Story und die Atmosphäre eines Films immer mehr in den Hintergrund rücken, aber dafür der Härtegrad immer mehr ansteigt. Sicherlich orientieren sich die Filmemacher am Geschmack der Fans, doch muss man sich doch langsam einmal die Frage stellen, ob es hier um den Geschmack oder nicht viel eher um pure Blut-Geilheit geht. Damit mich keiner falsch versteht, wohl jeder Horror-Fan schaut sich gern auch einmal Splatter/Gore Filme an, das steht wohl ausser Frage. Aber die zunehmende Brutalität und das Brechen von immer mehr Tabus kann doch nicht der Sinn der Sache sein.

Der klassische Horrorfilm ist in der heutigen Zeit bis auf einige Ausnahmen so gut wie ausgestorben, Figuren wie Frankenstein, Dracula und Co. üben fast nur noch auf Nostalgiker ihren Reiz aus. Wo ist die gute alte Zeit geblieben, in der es ausreichte, das ein Film durch Spannung oder eine gelungene und bedrohliche Atmosphäre den Betrachter fasziniert und gefesselt hat? Vielmehr geben in der heutigen Zeit die Folter-und Surviaval-Filme den Ton an, in denen Härte und Brutalität teilweise richtiggehend zelebriert werden. Natürlich haben auch diese Filme ihren Reiz und auch ich schaue sie mir an, aber die Gewaltspirale wird ständig höher geschraubt und man fragt sich unwillkürlich, wo das noch enden soll.

In Filmen wie zum Beispiel "Gutterballs" werden Vergewaltigungen über einen Zeitraum von gut 15 Minuten zelebriert, bei "Hostel" werden Menschen gedemütigt und auf schlimmste Art und Weise gequält und die meisten (vor allem jugendlichen) Fans johlen vor Begeisterung. Diese Leute setzen sich in keinster Weise mit dem Gesehenen auseinander, sondern reduzieren diese Filme lediglich auf den Härtegrad. Gerade in vielen Film-Foren bemerkt man auch diese Tendenz. Wenn man dort einige sogenannte Meinungen zu solchen Filmen liest, dann erscheinen Sätze wie: "Geiler Film, saublutig und schön hart", sollte wenig oder gar keine Gewalt in einem Film vorkommen, dann ist es "voll der lahme Scheiss-Film".

Genre-Klassiker wie Romeros "Dawn of the Dead" oder Carpenters "The Fog - Nebel des Grauens" gelten bei vielen als langweilig, weil sie angeblich nicht hart genug sind, Meisterwerke wie Hitchcocks "Psycho" kennen viele überhaupt nicht. Da stellt man sich doch automatisch die Frage, was einen guten und sehenswerten Horrorfilm ausmacht und wenn man nach den meisten Filmen der heutigen Zeit ausgeht, dann sollte man doch denken, das es die Härte ist. Wie sonst ist es zu erklären, das eine Reihe wie "Saw" mit einem wirklich innovativen und erstklassigen ersten Teil beginnt, aber spätestens ab Teil 3 vollkommen in den Splatter/Gore-Bereich abdriftet und jedes Jahr einen neuen Teil auf den Markt wirft, nur um die Blut-und Härte Geilheit der Leute zu befriedigen?

Unblutige und härtelose Horrorfilme kommen in der Gunst vor allem bei der jüngeren Generation meist nur bedingt an, subtiler und kaum bemerkbar aufkommender Horror scheint kaum einen zu begeistern, Filme die gar innovativ sind oder bei denen man etwas nachdenken muss, sind gerazu verpönt, weil sie meist gar nicht verstanden werden. Ist diese Entwicklung als normal zu betrachten, oder sollte man sich langsam Sorgen um die Auffassungsfähigkeit der Leute machen? Vielleicht ist es auch so, das viele durch die Härte, mit der man teilweise überschüttet wird, schon vollkommen abgestumpft sind und die Brutalität gar nicht mehr richtig wahrnehmen.

Als bestes Beispiel gelten hier auch die heutigen Zombiefilme. Vorbei sind die zeiten, als es für viele noch wichtig und nennenswert war, das ein George A. Romero seinen Zombiefilmen eine sozialkritische Note beigefügt hat und auch Spitzen gegen die Gesellschaft ein wichtiger Bestandteil dieser Filme waren. Heutzutage kommt fast eine regelrechte Schwemme von Zombiefilmen in die Videotheken, aber das einzige, was hier ständig erhöht wird, sind die SFX, Botschaften oder Sozialkritik sind absolute Mangelware. Doch die meist jungen Fans dieser Filme würden diese Dinge wohl auch gar nicht erst bemerken, geschweige denn verstehen.

Ich bin sicherlich kein Kostverächter, aber manchmal wünsche ich mir die alten Zeiten zurück, wo Dracula, Frankenstein und der Wolfsmensch noch dazu in der Lage waren, die Menschen in Angst und Schrecken zu versetzen, aber das wird wohl lediglich ein Wunschtraum bleiben. Wahrscheinlich muss man sich damit abfinden, das es heute ganz normal ist, das Story, Spannung und Atmosphäre ganz einfach nicht mehr ausreichen, um genügend Leute in die Lichtspielhäuser oder vor den heimischen Bildschirm zu locken.


Bemerkung:



Haupsächlich habe ich diesen Text geschrieben, da es mich mittlerweile nervt, das viele Leute einen Film nur noch nach der vorhandenen Härte beurteilen. In der Regel betrifft das nun mal meist die jüngere Generation, das ist nun einmal so. Und gerade wir in den Foren merken das ja auch an den Posts, ob sich einer wirklich mit einem Film und dem vorhandenen Hintergrund beschäftigt hat, oder ganz einfach nur "blutgeil" ist.


Ich finde es ganz einfach ziemlich traurig, das Story und Atmosphäre immer mehr vernachlässigt werden, nur um den sogenannten "Gore-Kiddies" gerecht zu werden. Wenn man diese Leute nach ihrer Meinung über einen Film fragt, bekommt man lediglich irgendwelche Wortfragmente über den Härtegrad entgegengeschmissen.


Fragt man weiter nach und versucht etwas tiefer zu gehen, oder fragt nach eigenen Gefühlen, die ein Film ausgelöst hat, dann muss man Angst haben, das bei denen das Gehirn leerläuft.


Ich schaue ja nun selbst gern harte Filme, ist ja gar kein Thema, aber die ständig weiter schwindenden Grenzen und Tabus machen mich doch langsam ziemlich nachdenklich. Heute ist es einfach nicht mehr gefragt, auch sozialkritische Aspekte in einen Horrorfilm einzubringen, es geht lediglich um den Blutgehalt.


Das beste Beispiel ist für mich ein Film wie "Funny Games", ganz egal, ob Original oder Remake, die meisten Jugendlichen verstehen gar nicht die Botschaft, die diesem wirklich fantastischen Film beiwohnt, deren Horizont ist schon so blutrot, das sie andere Farben gar nicht mehr erkennen.


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Spannungsgeladene Thriller aus Italien: Der Giallo


Der italienische Giallo-Film ist eine Art Spannungs-Thriller mit kleinen Anleihen des Slasher-Films. Diese Film-Gattung hat auch mehrere Horror-Regisseure maßgeblich bei der Produktion von Slasher-Filmen beeinflusst. So gaben zum Beispiel John Carpenter und Sean S. Cunningham freimütig zu, das sie bei der Erstellung ihrer Filme maßgeblich von den Werken Mario Bava's inspiriert wurden. Mario Bava gilt auch als Begründer des Giallo-Films und hat auch mit seinen Werken The Girl who knew too much (1963) und dem Klassiker Blutige Seide (1964) großen und entscheidenen Einfluss auf weitere Werke dieses Sub-Genres gehabt.

Die Filme verlaufen fast immer nach dem gleichen Muster, es gibt einen Serien-Mörder, der seine Opfer auf teils rätselhafte Art und Weise tötet, oft sind hierbei Messer die Mordwaffen, was auch erklärt, warum der Giallo oft als Vorläufer der amerikanischen Slasher gilt. Der Rest ist dann mehr kriminalistische Kleinarbeit, die bei fast allen Filmen dieser Art extrem spannend in Szene gesetzt wurde.


Auch, wenn es in Sachen Story fast immer den gleichen Verlauf nimmt, so werden diese Filme zu keiner Zeit auch nur annähernd langweilig, da sie immer wie ein Rätsel aus mehreren Puzzle-Teilen aufgebaut sind und so den Zuschauer immer wieder in ihren Bann ziehen und zum mitraten animieren. Die extrem dichte und sehr bedrohliche Atmosphäre in diesen Filmen trägt natürlich nicht gerade unwesentlich dazu bei, den Zuschauer zu fesseln und zu faszinieren.

Diese starke Faszination geht auch von einem weiteren, sehr wesentlichen Merkmal des Giallos aus und das ist das immer vorhandene kräftige Spiel mit den Farben, was kaum einer so brillant verstanden hat, wie vor allem Mario Bava. Auch hier dient wieder einmal Blutige Seide als Paradebeispiel, der Film ist so farbenprächtig in Szene gesetzt, das man einfach nur applaudieren möchte. Auch ein Dario Argento hat das Farbenspiel meisterhaft verstanden, was man beispielsweise in Profondo Rosso nachsehen kann.

Es gibt nur sehr wenige Gialli, in denen nicht auch eine Prise Erotik vorhanden ist, viele Vertreter dieser Art bieten dem Zuschauer auch einige, wenige Liebesszenen, Beispiele dafür sind Filme wie Torso - Die Säge des Teufels (1973), Die Nacht der blanken Messer (1975), oder auch Der Schwanz des Skorpions (1971). Ob diese Szenen unbedingt nötig sind, lasse ich mal dahingestellt, aber sie sind nie so zahlreich vorhanden, das sie störend wirken würden.

Wenn man bedenkt, das die teilweise sehr spektakulär in Szene gesetzten Morde die eigentliche Hauptattraktion der Filme sind, wohingegen die kriminalistischen Aspekte manchmal eher etwas in den Hintergrund geraten, so findet man auch die direkte Verbindungslinie zu einem ganz großen Filmklassiker, der den Giallo-Film maßgeblich beeinflusst hat, nämlich Alfred Hitchcock's Meisterwerk Psycho von 1960. Allerdings gibt es auch genügend Kritiker, die dem Giallo-Film eine Art "Nummernrevue" vorwerfen, also eine Aneinanderreihung von Mordszenen, da dies der Gewaltverherrlichung dienen würde. Da muß man sich als Film-Fan doch ehrlich die Frage stellen, ob diese sogenannten Kritiker schon einmal einen Horrorfilm der heutigen Zeit gesehen haben. Anscheinend nicht, denn sonst würde man die doch aus heutiger Sicht eher harmlosen Gialli nicht als gewaltverherrlichende Filme bezeichnen.

Die absolute Hochzeit dieser Filme waren die 70 er und frühen 80 er Jahre, doch nach Filmen wie Blutiger Schatten (1978) und Tenebre (1982) wurde es doch eher sehr ruhig um dieses Sub-Genre. Leider gibt es vor allem in der heutigen Zeit nur noch sehr selten Produktionen, die wie ein echter Giallo gemacht sind. 2 wirklich gute und vor allem sehenswerte Ausnahmen sind da noch Sleepless (Non ho sonno 2001) und Eyes of Crystal (2004).

Zum Abschluß sollte man noch erwähnen, das vor allem zur damaligen Hochzeit des Gialli es wohl kaum einen prominenten italienischen Genre-Regisseur gab, der keinen Film dieser Art gemacht hätte. Eigentlich ist es als sehr schade anzusehen, das es nicht mehr dieser fantastischen und sehr spannenden Filme gibt.



Noch einige Filme dieser Art:
Sieben Jungfrauen für den Teufel
Labyrinth des Schreckens
Midnight Ripper
Autopsie - Hospital der lebenden Leichen
My dear Killer
Der Killer von Wien
Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe
Die neunschwänzige Katze
Spasmo
Eyes of Crystal
Giallo
Torso - Die Säge des Teufels

Der Satan mit dem Skalpell